FORMAT/OGM-Umfrage: Antisemitismus in Österreich deutlich zurückgegangen, Stereotype bleiben jedoch

Israelischer Botschafter Nathan Meron: "Wenn Haider in die Regierung kommt, müssen wir unsere Beziehungen zu Österreich überdenken"

Wien (OTS) - Der Antisemitismus der Österreicher ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, viele Ressentiments gegen Juden sind aber immer noch vorhanden. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes OGM hervor, die das Nachrichtenmagazins FORMAT anläßlich des 150. Gründungsjubiläums der Wiener Kultusgemeinde in Auftrag gegeben hat.

1973 hatten noch 35 Prozent der Befragten erklärt, sie würden unter keinen Umständen eine Frau oder einen Mann jüdischer Abstammung heiraten. Heute sind es nur mehr 22 Prozent. Waren vor 26 Jahren noch 21 Prozent der Meinung, es wäre für Österreich besser, keine Juden im Land zu haben, stimmen dieser Aussage heute "nur" mehr 14 Prozent zu. Sahen damals 41 Prozent in den Juden "Ausbeuter, die von der Arbeit anderer leben", wird diese Meinung 1999 lediglich von 21 Prozent geteilt. Behaupteten Anfang der 70er Jahre ganze 45 Prozent, daß man "bei einem Juden nie weiß, woran man ist", sind es jetzt 20 Prozent.

Diejenigen, deren Haltung zum Judentum sich geändert hat (16 Prozent) sehen Mitglieder der jüdischen Glaubengemeinschaft jetzt mehrheitlich positiver als zuvor.

Dennoch: Die gängigen Stereotype und Ressentiments gegen Juden sind erhalten geblieben. 33 Prozent der Befragten glauben, "daß man die meisten Juden an ihrem Aussehen erkennen kann." (1973: 38 Prozent). Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang die Haltung der FPÖ-Parteigänger: 71 Prozent von ihnen will Juden anhand von physiognomischen Merkmalen identifizieren können. 75 Prozent sind der Ansicht, daß Juden "tüchtig sind und es zu etwas bringen". 43 Prozent stimmen der Aussage "Wo Juden das Geschäftsleben beherrschen, da kommt kein anderer mehr hinein" zu.

Die Zahl der in Österreich lebenden Juden wird deutlich höher eingeschätzt, als den Tatsachen entspricht: Die Israelitische Kultusgemeinde beziffert ihre Zahl zwischen 20.000 und 30.000. 57 Prozent der Befragten gehen jedoch von mehr als 30.000 aus.

Botschafter Meron: "Bei der Wiedergutmachung hat Österreich nicht das Bestmögliche getan."

In einem Interview mit FORMAT teilt Nathan Meron, israelischer Botschafter in Österreich, das Ergebnis der Umfrage: "In den letzten Jahren hat sich viel geändert." Er könne von keinen "besonders dramatischen antisemitischen Vorkommnissen" berichten. Trotzdem sei der Antisemitismus "in gewissem Ausmaß immer noch salonfähig."

Zur Frage der Rückgabe von geraubtem jüdischen Eigentum erklärte Meron, "denke nicht, daß Österreich das Bestmögliche getan hat. Die Dinge beginnen erst. In Österreich gibt es eine Historikerkommission, das ist in Ordnung. Jetzt wartet man auf das Ergebnis ihrer Forschungen, während die Naziopfer, die Anspruch auf Reparationszahlungen hätten, sterben. Aber immerhin stellt man sich den Problemen."

Die jüngsten Wahlerfolge der FPÖ beobachtet der Botschafter mit Skepsis. Sollte Haider in die Regierung kommen "würde man die Beziehungen zwischen Israel und Österreich zweifellos überdenken müssen." Es gehe aber keinesfalls darum, sich in interne Angelegenheiten Österreichs einzumischen.

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