Gewerbeverein: Staat zwingt zum Lügen!

Wien (OTS) - Die aktuelle Rechtssprechung des Arbeits- und Sozialgerichts Wien veranlaßt den Östereichischen Gewerbeverein (ÖGV) einmal mehr zu fordern, einer rechtlichen Heuchelei ein Ende zu bereiten. Das hier gemeinte Urteil stellt fest, daß die Floskel in einem Dienstzeugnis "arbeitete zu unserer Zufriedenheit" eine negative Beurteilung bedeutet.

"Anmerkungen im Zeugnis, durch die einem Angestellten die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird, sind - §39 Angestelltengesetz - unzulässig."

Die analoge Konsequenz daraus wäre, daß Vorstrafen nicht mehr in polizeiliche Führungszeugnisse aufgenommen werden dürften. Schulzeugnisse überhaupt, dürften nur positive Noten - vielleicht nicht einmal ein "Befriedigend" - beinhalten. Beides erschwert ja die Erlangung einer Stelle.

Es ist unfaßbar, wie der Staat hier Unternehmer zur Heuchelei zwingt. Statt daß man die Situation nützt und in einer Zeit des Überangebotes an Arbeitskräften primär die Besten in vakante Positionen einstellt - und dazu sollte ein Zeugnis dienen - wird der Passus "arbeitete zu unserer Zufriedenheit" schon als negativ im Sinne des beruflichen Fortkommens gerichtlicherseits bestraft.

Der ÖGV fordert den Gesetzgeber auf, entweder im Sinne einer Qualitätsverbesserung der Humanressourcen den §39 Angestelltengesetz so zu reparieren, daß ein ehrliches Zeugnis möglich ist oder qualifizierte Zeugnisse generell abzustellen und stattdessen Arbeitsbestätigungen zu setzen. Unternehmer werden sich dann bei Bedarf telefonisch über die Qualifikation von Bewerbern erkundigen -was schon längstens üblich ist.

Zum Lügen zu zwingen - das sollte ein Staat und seine Gerichte in Befolgung gesetzlicher Regelungen nach Tunlichkeit vermeiden.

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