Wetterfrosch rettet Gletscherfloh

WWF, ORF-Wetterredaktion und Wissenschaftler starten Aktionen zur Rettung bedrohter alpiner Kleinlebewesen!

Wien (OTS) - Das Leben ist nun einmal nicht fair: Immer trifft es die Kleinsten - sei es beim Klimawandel, sei es beim Rückgang der Kirchenbesucher. "Das wollen wir vom WWF nicht länger hinnehmen", empört sich Dr. Günther Lutschinger, Geschäftsführer des WWF, und kündigt zwei "Großaktionen für die Kleinen" an: Gemeinsam mit ORF-Wetterfrosch Carl- Michael Belcredi startet die Naturschutzorganisation eine große Mitmachaktion zur Rettung der vom Klimawandel bedrohten Gletscherflöhe. Belcredi: "Bis zur nächsten Eiszeit – frühestens in 30.000 Jahren - suchen wir Österreicher, die ihre (FCKW-freien!) Kühlschränke als Zwischenstation für die putzigen Tierchen zur Verfügung stellen!" Die zweite Aktion kümmert sich unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ. Prof. Grabherr um vergessene Tierchen und Pflänzchen, die in Österreichs Weihwasserbecken auf bessere Zeiten warten. Start der Aktionen ist der 1. April.

Gletscherflöhe - Extremistische Winzlinge im ewigen Eis "Gletscherflöhe gehören zu den faszinierendsten Tierchen dieses Planeten", ist Univ. Prof. Erhard Christian von der Universität für Bodenkultur überzeugt. Kein Wunder, beschäftigt sich der Wissenschaftler doch schon sein Leben lang mit Springschwänzen oder Collembolen (so der biologische Sammelbegriff). Die tiefschwarzen, etwa 3 mm langen kälteliebenden Gletscherflöhe sind die einzigen Lebewesen, die direkt zwischen Schneeschicht und Eisdecke unserer Gletscher leben und sich von kargen Pollen- und Staubablagerungen ernähren. Extreme Bedingungen! An die Schnee- Oberfläche kommen die eisigen Springinkerln äußerst ungern: Nur im Juni und August, wenn das Schmelzwasser sie aus ihren Behausungen zwingt, sind sie manchmal kurz zu sehen. "Man kann sich vorstellen, welchen Streß die Klimaerwärmung und der Rückgang der Gletscher für die armen Kleinen bedeutet", weist Prof. Dr. Christian einfühlsam auf die Bedrohung der Eis-Zwergerln hin.

Carl-Michael Belcredi: "Die Gletscherflöhe brauchen Ihren Kühlschrank!" "Sie haben einen FCKW-freien Kühlschrank? Sie haben noch etwas Platz in ihrem Tiefkühlfach? Dann nehmen Sie ein Gletscherfloh-Pärchen bei sich auf!" ruft ORF-Wetterfrosch Carl-Michael Belcredi zur Rettungsaktion des WWF auf. Denn:
"Klimaänderung und Rückgang der Gletscher bedeuten für die Gletscherflöhe einen qualvollen Tod durch Erwärmung. Mit einer neuerlichen Eiszeit ist aber frühestens in 30.000 Jahren zu rechnen – bis dahin müssen wir unsere Flöhe über die Runden bringen!" Und was wird die ORF-Wetterredaktion beitragen? "Wir nützen unsere Beziehungen und setzen uns in Zukunft für feucht-kalte, gletscherflohfreundliche Sommer ein", versichert Belcredi.

Artensterben im Weihwasserbecken Noch kleinere Lebewesen sind die Sorgenkinder von Univ. Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr vom Biozentrum der Uni Wien: Ihm geht es um die Erhaltung intakter Weihwasserökosysteme, wie sie in der heutigen Kirchenlandschaft leider nur noch selten zu finden sind. In Weihwasserbecken entwickeln sich faszinierende, dabei einfache Lebensgemeinschaften mit der Blutalge als Primärproduzent und bestimmten Rädertierchen als Konsumenten. Blutalgen (Haematococcus pluvialis) sind Einzeller, die oft von einer Gallerthülle umgeben sind, die an Heiligenscheine erinnert. Sie sind Nahrungsgrundlage für bestimmte Rädertierchen, die sich mit zwei Wimpernkränzen ständig Nahrung zustrudeln. Je nach Lichtverhältnissen, Wasserzusammensetzung und je nach dem, was die Hände der Kirchenbesucher im Weihwasser zurücklassen, bildet jedes Weihwasserbecken seine eigene und einzigartige Lebensgemeinschaft.

Aktion Lebendiges Weihwasser Diese vielfältigen Ökosysteme sind bedroht, wie ein Forschungsschwerpunkt der Uni Wien, Fachbereich Naturschutzforschung, aufzeigt. Einerseits treten heute weit weniger Blutalgen mit Heiligenscheinen auf als noch vor fünf Jahren, andererseits leiden die Rädertierchen zunehmend unter Nährstoffmangel und Lähmungserscheinungen ihrer Wimpernkränze (s. Abbildung). Prof. Grabherr: "Weihwasserbecken werden wesentlich seltener aufgefüllt als früher. Weitere Gründe für den Nährstoffmangel dürften auch darin liegen, daß erstens die Zahl der Kirchgänger insgesamt rücklaufig ist und zweitens im Zeitalter überzogener Hygiene-Vorstellung die Kirchgänger einfach zu saubere Hände haben." Die Uni Wien will nun die Forschungen intensivieren und hat dabei bereits Projekte beim Fonds zur Förderung gesegneter Ressourcen eingereicht.

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