Das geldpolitische Instrument der Mindestreserve in der WWU - in der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 1/1999, erschienen.

Wien (OTS) - Das österreichische Mindestreserve-System ist
mit 31. Dezember 1998 außer Kraft getreten (Kundmachung MR 1/98
der Oesterreichischen Nationalbank). Das Inkrafttreten des Mindestreserve-Systems des Europäischen Systems der
Zentralbanken (ESZB) erfolgte unmittelbar anschließend mit
1. Jänner 1999.

Die öffentliche Version der Allgemeinen Regelungen (General Documentation), in der unter anderem auch das
Mindestreservekonzept des ESZB dargelegt war, lag zwar schon längere Zeit vor, jedoch fehlte die formelle rechtliche Basis
für die Einführung einer Mindestreserve (MR). Diese wurde durch Beschluß der Verordnung des EU-Rates vom 23. November 1998 über Auferlegung einer Mindestreservepflicht durch die Europäische Zentralbank und, darauf aufbauend, durch die EZB-Rats-Verordnung
vom 1. Dezember 1998 über die Anwendung von Mindestreserven, geschaffen. Dadurch wurde die Einführung einer Mindestreserve
für alle Teilnehmerstaaten an der WWU verbindlich.

Die EZB verlangt zur Verwirklichung der geldpolitischen Ziele
des ESZB, daß die in den Mitgliedstaaten niedergelassenen Kreditinstitute im Rahmen der Mindestreservevorschriften des
ESZB Mindestreserven (MR) bei den nationalen Notenbanken unterhalten. Das ESZB-MR-System soll zur Stabilisierung der Geldmarktzinssätze beitragen und durch Vergrößerung einer strukturellen Liquiditätsknappheit das ESZB in die Lage
versetzen, in effizienter Weise als Liquiditätsbereitsteller zu operieren.

Die Höhe der von jedem Institut zu unterhaltenden
Mindestreserve richtet sich nach seiner Mindestreserve-Basis.
Diese umfaßt Verbindlichkeiten in Form von Einlagen,
ausgegebenen Schuldverschreibungen sowie Geldmarktpapieren ohne Unterscheidung nach Währung und Herkunft von In- oder Ausland. Dabei sind Einlagen mit Laufzeit oder Kündigungsfrist von über
2 Jahren, ausgegebene Schuldverschreibungen mit Laufzeit von
über 2 Jahren sowie Repogeschäfte durch Anwendung eines Mindestreserve-Satzes von Null Prozent praktisch
mindestreservefrei. Alle übrigen in die Mindestreserve-Basis einbezogenen Positionen unterliegen einem Mindestreserve-Satz
von 2 %. Vom Mindestreserve-Soll kann überdies ein Freibetrag
von EUR 100.000 in Abzug gebracht werden. Die Erfüllung der Mindestreserve erfolgt im Durchschnitt der kalendertägigen Tagesendstände auf den Reservekonten innerhalb einer
einmonatigen Erfüllungsperiode. Die Mindestreserveguthaben
werden zum Satz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des ESZB verzinst. Bei Nichterfüllung der Mindestreservevorschriften
können von der EZB verschiedene Sanktionen verhängt werden.

Die Anwendung des Instruments der Mindestreserve stellt einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Fortführung einer stabilitätsorientierten Geldpolitik auf europäischer Ebene dar.

Nähere Details können dem gleichnamigen Beitrag, veröffentlicht in "Berichte und Studien", Heft 1/1999, entnommen werden.

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