JANNIS KOUNELLIS Il sarcofago degli sposi

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 4. Mai 1999, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien Ausstellungsdauer: 5. Mai - 22. August 1999
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Mit der Ausstellung Il sarcofago degli sposi von
Jannis Kounellis, die vom 5. Mai bis 22. August 1999 zu sehen sein wird, setzt das MAK seine Reihe der großangelegten Einzelpräsentationen fort. Jannis Kounellis, eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Kunst und Mitbegründer der Arte Povera Bewegung im Italien der sechziger Jahre, hat durch seine stilistische Freiheit und sprachlichen Neuerungen spätere Generationen nachhaltig beeinflußt. Die Ausstellung zeigt mit über dreißig Werken einen repräsentativen Querschnitt durch das Werk von Jannis Kounellis. Neben wichtigen Arbeiten der sechziger Jahre und späteren Hauptwerken wird in der Ausstellung eine neue, eigens für das MAK geschaffene Rauminstallation mit dem Titel Il sarcofago degli sposi in der zentralen Ausstellungshalle präsentiert.

Die neue Arbeit Il sarcofago degli sposi handelt vom Verhüllen und Enthüllen, Verbergen und Entblößen. Die Wände der zentralen Halle werden von herabhängenden Stoffplanen verhüllt, die auf Stahlträgern und Fleischerhaken montiert sind. Im Zentrum des Raumes liegen große, ebenfalls mit Stoff bedeckte amorphe Gebilde. Farbe und Stoff der Verhüllung dominieren den Raum. Während die Stoffplanen an der Wand den Blick teilweise auf herabhängende Jutesäcke freigeben, bleibt der Inhalt der Gebilde am Boden verborgen. Durch das Zusammenspiel der Wand- und Raumelemente und die Bedingtheit von Verhülltem und Entblößtem setzt Kounellis den Raum unter Spannung. Die materielle Präsenz der Installation tritt in Gegensatz zur Imagination des Verborgenen.

Der Einsatz gegensätzlicher Prinzipien, Formen und Materialien ist ein wesentliches Element im Werk von Jannis Kounellis. Das Aufeinandertreffen von scheinbar widersprüchlichen Stoffen wie dem Industrieprodukt Stahl mit Naturprodukten wie Baumwolle, Eiern oder Kohle zieht sich seit 30 Jahren wie ein roter Faden durch das Werk. In der Behandlung der Materialien verzichtet Kounellis auf jede Art der Hierarchie: Kaffeepulver, Jutesäcke, Kohlen, Öllampen, Stahlplatten, Gasflammen, Schuhe, Stoff sind gleichberechtigte Akteure. Kounellis drückt in seinen Installationen grundsätzliche Prinzipien des Lebens aus: Wärme-Distanz, Vergänglichkeit-Dauer, Entstehen-Vergehen. Gleichzeitig ist sein Werk von einer unmittelbaren Sinnlichkeit und einer mittelbaren intellektuell aufgeladenen Distanz gekennzeichnet.

Die Ausstellung Jannis Kounellis - Il sarcofago degli sposi zeigt in Form einer ausgewählten Retrospektive die wesentlichen Gestaltungsprinzipien des Künstlers: von den frühen Buchstaben- und Zahlenbildern, seinen ersten Kohle- und Feuerarbeiten über wichtige Installationen bis hin zu Werken der 90er Jahre, die bereits die Verarbeitung seines in den 60er und 70er Jahren erarbeiteten Formenvokabulars zeigen.

Die frühen Zahlen- und Buchstabenbilder sind u. a. von den Raumvorstellungen der Abstrakten Expressionisten und der Materialwelt von Kurt Schwitters angeregt. Einen Schritt weiter geht Jannis Kounellis, indem er 1967 eine unbehandelte Leinwand an die Wand seines Ateliers nagelt: der Umgang mit der Leinwand stellt den Status des Bildes in Frage und eröffnet mit dem Hinweis auf die Eigenbedeutung des Materials neue Ausdrucksmöglichkeiten. Zudem steht die Arbeit für die Überführung der Fläche in den Raum. Allgemein kann dies für die generelle Entwicklung der Kunst der 60er Jahre gesehen werden: der Übergang von der bildlichen Repräsentation zur Präsentation von Materialien und Dingen im Raum. Ebenfalls 1967 entsteht eine Arbeit, die sogenannte Cotoniera, die das Verhältnis von klarer Industrieform und amorphem Naturstoff thematisiert: aus einem Eisencontainer quillt ungesponnene Baumwolle. Diese Gegenüberstellung, die in der Arte Povera vielfach variiert wird, umschreibt der Künstler mit Struktur und Sensibilität. In veränderter Form tritt der Kontrast auch in Kounellis Kohlencontainer von 1967 auf, der gleich der Cotoniera in der Ausstellung gezeigt wird.

1967/1968 entstehen die ersten Arbeiten mit Feuer. Daß sowohl reales Feuer zur Bildproduktion eingesetzt werden konnte als auch durch Feuer verändertes Material, hatten Künstler wie Yves Klein und Joseph Beuys bereits in den 50er Jahren gezeigt. Zunächst verwendet Jannis Kounellis verbranntes Holz und demonstriert damit ein vergangenes Feuer. Das Material wird zum Speicher des Vergangenen. Seit 1969 setzt der Künstler offenes Feuer in Form von Gasflammen ein, die aus blauen Camping-Propangasbehältern gespeist werden. Er setzt sie entweder an eiserne Bettgestelle befestigt ein oder gestaltet ganze Räume damit. Für das MAK wird der Künstler einen Feuerraum aus dem Jahre 1969 rekonstruieren.

In den siebziger Jahren verwendet Jannis Kounellis sowohl in seinen Aktionen als auch in seinen bildnerischen Arbeiten als neues Material Antikenfragmente. Er benützt diese Zeugnisse der Vergangenheit, indem er die Gipsabgüsse zerteilt, oft bemalt und sich deren Geschichte damit gewissermaßen aneignet. Kounellis bringt mit dieser Vorgangsweise das Potential von Möglichkeiten, das in der Vergangenheit liegt, zum Ausdruck. Aus diesem Kontext zeigt das MAK eine Installation mit Antikenfragmenten, die 1984 für die Wiener Festwochen für das Jugenstiltheater in Steinhof geschaffen wurde.

In den 80er Jahren wird Kounellis Umgang mit der eigenen Geschichte ablesbar: er bezieht sich auf ältere Werke und macht sie zum Ausgangspunkt für neue. Die eigenen geschichtlichen Dokumente werden so in die Gegenwart geholt. Eine Arbeit von 1984 aus dem Kunstmuseum Düsseldorf veranschaulicht dies in exemplarischer Weise:
die Installation vereint die wichtigsten Elemente wie Feuer, Stahl, Bettgestell, Ruß und Jute.

Mit der Ausstellung Jannis Kounellis - Il sarcofago degli sposi präsentiert das MAK ein weiteres Mal einen Künstler, dessen Werk in der Geschichte der zeitgenössischen Kunst eine singuläre Position einnimmt. Durch sein Thematisieren der historischen und kulturellen Identität im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart ist das Werk von Jannis Kounellis vor allem heute von hoher Aktualität.

Jannis Kounellis wurde 1936 in Piräus geboren. 1956 kam er zum Studium an der Academia di Belle Arti nach Rom und lebt seitdem dort. Seine erste Ausstellung hatte er 1960 in Rom in der Galleria Tartaruga. Es folgten zahlreiche Teilnahmen an der Biennale in Venedig sowie 1972, 1977 und 1982 an der Documenta in Kassel. Seit 1993 ist Jannis Kounellis Professor an der Kunsthochschule in Düsseldorf.

Ausstellungsdaten

JANNIS KOUNELLIS

Il sarcofago degli sposi

Pressepreview Dienstag, 4. Mai 1999, 10.30 Uhr
Eröffnung Dienstag, 4. Mai 1999, 20.00 Uhr
Ausstellungsort MAK-Ausstellungshalle
MAK - Österreichisches Museum für
angewandte Kunst
Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien Ausstellungsdauer 5. Mai - 22. August 1999
Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Ausstellung Jannis Kounellis, Peter Noever
MAK-Kurator Bettina M. Busse
Assistenz Cornelia Greber
Technische Leitung Harald Trapp, Philipp Krummel

Katalog Jannis Kounellis. Il sarcofago degli sposi.
Hrsg. von Peter Noever.
Mit einem Künstlergespräch.
160 Seiten, ca. 150 Abbildungen,
deutsch und englisch.
Cantz Verlag Stuttgart

Führungen Sonntags, 15.00 Uhr
Treffpunkt: Foyer Weiskirchnerstraße
Schulklassen, Gruppen und Sondertermine gegen
Anmeldung: Gabriele Fabiankowitsch,
Tel. 01-711 36-298

Feiertage 1. 5. Staatsfeiertaggeschlossen
13. 5. Christi Himmelfahrt 10.00 - 21.00 Uhr
23. 5. Pfingstsonntag10.00 - 18.00 Uhr
24. 5. Pfingstmontag10.00 - 18.00 Uhr
3. 6. Fronleichnam 10.00 - 21.00 Uhr
15. 8. Maria Himmelfahrt 10.00 - 18.00 Uhr

Freier Eintritt 16. 5.Internationaler Museumstag

MAK-Eintritt öS 90,00/öS 45,00 ermäßigt für
Schüler, Studenten, Senioren ab 60, Soldaten, Zivildiener, Gruppen ab 10 Personen/
Freier Eintritt für Kinder bis 10,
Mitglieder der MAK ART SOCIETY, Studenten der Universität für angewandte
Kunst, Museumspaß, Arbeitslose,
österr. Schulklassen.

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