Metallergewerkschaften vor interregionaler Tarifpolitik in Europa

Sechs europäische Gewerkschaften beschließen enge Kooperation

Wien (Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie/ÖGB). "Mit diesem Memorandum wollen wir der Strategie der Unternehmen, sich international zu vernetzen, eine Strategie der Gewerkschaften entgegenstellen," sagt Österreichs Metallervorsitzender Nürnberger über die Verabschiedung eines Memorandums über Interregionale Tarifpolitik. Die Metallergewerkschaften aus Österreich, Deutschland, der Slowakei, Slowenien, Ungarn und Tschechien beschlossen gestern, 25. März, in ihrer Tarifpolitik künftig eng zusammenzuarbeiten.++++

Vor dem Hintergrund der Globalisierung der Märkte, der abnehmenden Einflussmöglichkeiten der einzelnen Staaten und des Erweiterungsprozesses der Europäischen Union haben die Metallergewerkschaften ein Memorandum über "Interregionale Tarifpolitik" beschlossen.
Ziel der Zusammenarbeit ist eine Koordinierung der Lohnpolitik im europäischen Raum, um Lohndumping zu verhindern und die mittel-
und osteuropäischen Staaten langfristig an das Niveau der EU-Länder heran zu führen. Auch die von Arbeitgebern gewünschte Zersplitterung der Lohnpolitik auf Regionen und Betriebe soll verhindert werden. "Wir erleben von den Arbeitgebern überall die selben Argumente. In Deutschland drohen sie, ihre Produktionsstätten nach Tschechien zu verlagern. Wir wissen aber, dass sie die selben Argumente in diesen Ländern verwenden, um die Arbeitnehmer zu erpressen – es gibt immer ein noch billigeres Land. Das zwingt uns zu einer noch stärkeren Zusammenarbeit," sagt IG Metall Vorsitzender Klaus Zwickel.

Abgeltung der Inflation, Beteiligung an den Gewinnen

"Wir europäischen Metaller sind gefordert, unsere Kollektivvertragspolitik stärker zu koordinieren, um nicht in
einen Wettbewerb um niederigste Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen zu schlittern," sagt Nürnberger. Maßstab der Lohnpolitik der Gewerkschaften sind die Abgeltung der
Inflationsrate und die Beteiligung der Beschäftigten an den Unternehmensgewinnen. Die beteiligten Gewerkschaften agieren in ihren Lohnrunden aber weiterhin autonom.
Kernpunkte der geplanten Zusammenarbeit sind der Austausch von Beobachtern, der Aufbau eines Informationsnetzwerks über länderübergreifend agierende Unternehmen, der Austausch von Informationen und gegebenfalls auch Unterstützung bei Arbeitskonflikten. Schon in der Vergangenheit gab es innerhalb kürzester Zeit nach Bekanntwerden von Übernahme- bzw. Einkaufsplänen österreichischer Unternehmen in Tschechien Treffen von österreichischen und tschechischen Betriebsräten, um Informationen und Daten über die betreffenden Unternehmen auszutauschen.

In allernächster Zukunft werden Expertentreffen stattfinden, die die konkrekte Umsetzung des Memorandums in Angriff nehmen werden. (Bac-)

ÖGB, 26. März 1999

Nr. 147

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