Der Krieg ist nicht die Lösung des Krieges

GPA-Vorsitzender erschüttert über Balkankrieg

Wien (GPA/ÖGB). "Zutiefst erschüttert" zeigte sich der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Hans Sallmutter, heute Morgen über die militärische Eskalation am Balkan. Gerade die Lehren unseres Jahrhunderts, das allein in den beiden Weltkriegen mehr als 7o Millionen Menschen tot auf europäischen
Schlachtfeldern zurückgelassen habe, müssten doch zumindest der heute lebenden Generation ein für allemal klar gemacht haben, dass der Krieg nicht der Vater aller Dinge sei, betonte Sallmutter und drückte sein Unverständnis über den kritiklosen Kriegsjubel und die Schlachtfeldberichterstattung mancher Medien aus. "Wer nicht verstanden hat, dass hier Menschen sterben und sich daher nicht zu einer dementsprechend sensiblen Berichterstattung durchringen könne, ist eigentlich ein Fall für den Presserat", betonte Sallmutter.++++

Die Gewerkschaft der Privatangestellten steht fest auf dem Boden
des ÖGB-Statutes, das die Lehren aus den Weltbränden der beiden großen Kriege in diesem Jahrhundert gezogen hat und in seinem § 3 die "Mitarbeit an der Sicherung des Weltfriedens" zu einer der zentralen Aufgaben der österreichischen Gewerkschaften gemacht
hat, betonte Sallmutter. "In diesem Geist haben uns Josef Hindels, Alfred Dallinger und viele andere Große unserer Gewerkschaftsbewegung erzogen. Ich bin nicht bereit, diese wesentliche weltanschauliche Festlegung unserer Bewegung am Altar höherer weltpolitischer Vernunft – und noch weniger den kriegslüsternen Betrachtungen mancher Medien – zu opfern," stellte der GPA-Vorsitzende seine Haltung zu den Nato-Bombardements in Jugoslawien dar. Es gehe ihm nicht darum, so Sallmutter, von außen zu beurteilen, wer im Kosovokonflikt die "Guten" und wer die "Bösen" seien. Aber er sei fest davon überzeugt, dass der Krieg nicht die Lösung des Krieges sein könne. Weitere Verhandlungen und ernsthafte wirtschaftliche Blockademaßnahmen, also ein Abschotten der Kriegsparteien von ihren Nachschubwegen ohne jedes
Augenzwinkern der Kriegsgewinnler und ihrer medialen Freunde, sei auch im Balkankonflikt sicher der wirkungsvollere Weg als ein Bombardement, das weitere Leiden der Zivilbevölkerung zumindest billigend in Kauf nehme. In diesem Zusammenhang zeigt sich
ausserdem einmal mehr, dass Neutralität nicht obsolet sein kann, sondern vielmehr als Auftrag zur aktiven Vermittlung und zum Ausgleich wahrzunehmen ist.

Sallmutter erwarte sich in der Berichterstattung Würde und Respekt für die Leiden der Betroffenen, seien es Bewohner des Kosovos, serbische Zivilbevölkerung oder in Kampfhandlungen verwickelte Soldaten Jugoslawiens und der Natostreitmacht.

Eine gemeinsame Kraftanstrengung Aller zur Beendigung dieses
Tötens und zu einer dauerhaften Friedenslösung am Balkan, die beiden Seiten gerecht werde, sei das Gebot der Stunde, schloss der GPA-Vorsitzende.

ÖGB, 25. März 1999 Nr. 145

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