Studie: TV ist "Kommunikationsbrücke" Medienkonsum gute Chance für Familien-Gespräche Langversion 1

Wien (OTS) - Fernsehen ist eine gute Chance für Eltern und ihre Teenager-Kinder, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander besser kennenzulernen. Das ist die Quintessenz einer qualitativen Langzeitstudie, die das Deutsche Jugendinstitut/München in den Jahren 1992 bis 1998 durchgeführt hat. Damit ist die stereotype Behauptung, Fernsehen würde grundsätzlich zur Isolation und zum Abflauen jeglicher Kommunikation innerhalb der Familie führen, relativiert worden.

22 Jugendliche sowie deren Eltern (insgesamt 20 Familien mit unterschiedlichen Lebensformen und aus unterschiedlichen soziokulturellen Milieus) wurden jeweils getrennt befragt. Im Mittelpunkt der Studie standen Themen wie Gebrauch, Nutzen und Stellenwert verschiedener Medien und deren Auswirkung auf das Familienleben.

Die Ergebnisse sind jedenfalls verblüffend:

- Kommunikation vor, während und nach dem gemeinsamen wie getrennten TV-Konsum führt zu Gesprächsthemen wie "Beziehung zwischen Mann und Frau", "Trennung und Scheidung", "Tod", "Schule", aber auch Tabu-Themen wie Aids, Drogen oder Sexualität.

- Mithilfe der dadurch entstehenden wechselseitigen Kommentare oder Diskussionen in der Familie haben Eltern und Teenager sogar eine hervorragende Möglichkeit, Einstellungen und Emotionen des anderen kennenzulernen und damit auch besser zu verstehen.

- Der gemeinsame Konsum alter TV-Produktionen gibt den Teenagern einen Einblick in die Jugendzeit ihrer Eltern und so ein größeres Verständnis für elterliche Werte - umgekehrt begreifen Eltern, die sich moderne TV-Sendungen oder -Serien anschauen, viel klarer, was Jugendliche heutzutage prägt und bewegt.

Wie aus einer weiteren, von Procter&Gamble in Auftrag gegebenen Studie von Info Research hervorgeht, sehen 50 % aller österreichischen Eltern bis zu einer halben Stunde pro Tag gemeinsam mit ihren Kindern fern. 40 % geben an, bis zu 2 Stunden täglich zusammen vor dem Fernsehgerät zu verbringen.

Ursula Wilde, Generalsekretärin der Procter&Gamble Familien Initiative:

"Obwohl wir Pionier der TV-Werbung und Produzent zahlreicher Serien sind, hat uns dennoch das Potential des Mediums Fernsehen für die Kommunikation zwischen Eltern und Teenager überrascht."

"Wir reden viel und oft über Filme. Die Gespräche beginnt meist mein Sohn. Aber wir haben beide das Bedürfnis, über die Filme zu reden. Da erfahren wir viel über uns, wenn wir nur über die Filme reden, weil jeder merkt, was dem anderen gefällt oder auf die Palme bringt, oder was ihn interessiert ..." (35jährige Mutter eines 13jährigen Gymnasiasten)

- In den häufigen "Negativ-Einschätzungen" des Fernsehens wird auch immer wieder die Befürchtung geäußert, daß Fernsehen das Familienleben zerstöre, sich negativ auf die Beziehungen der Familienmitglieder auswirke und den Dialog und die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern behindere.

Diese "Negativ- Einschätzungen" widerlegt eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts (München), wobei die Ergebnisse der Untersuchung zum Teil Studien zur Wirkungsforschung sowie quantitativen Medienuntersuchungen widersprechen. "Es kommen andere Ergebnisse heraus, wenn man sich (mit Hilfe qualitativer Methoden) über längere Zeit hin auf Familien einläßt, sich in ihren Alltag begibt, diesen unmittelbar beobachtet, und sich von Angesicht zu Angesicht erzählen läßt, was die Familienmitglieder mit den Medien machen und wie sie mit Medien umgehen, als wenn man Daten zum Medienverhalten über quantitative Fragebögen erhebt oder durch telefonische Befragungen abruft," stellt einer der beiden Autoren der Studie, Jürgen Barthelmes, fest.

Zur Studie: Am Deutschen Jugendinstitut (München) wurde von 1992 bis 1998 eine qualitative Längsschnittstudie zum Thema "Medienerfahrungen von Jugendlichen in Familie und Peer-group" in 20 Familien durchgeführt. Dabei wurden 22 Jugendliche (12 Mädchen, 10 Jungen) sowie deren Eltern jeweils getrennt befragt. Die Befragungen erfolgten im Alter von 13/14 (1992), 15/16 (1994) und 19/20 Jahren (1997/98). Ausgehend von den Entwicklungsthemen und Lebenssituationen der Jugendlichen sowie deren Eltern wurde nach dem Gebrauch, dem Nutzen sowie dem Stellenwert der verschiedenen Medien (Fernsehen, Video, Musikmedien, Bücher, Zeitschriften, Computer u. ä.) gefragt. Die Jugendlichen stammen aus Familien mit unterschiedlichen Lebensformen und unterschiedlichen sozio-kulturellen Milieus, die alle der mittleren bzw. unteren Mittelschicht angehören. Die Untersuchung versteht sich nicht als Problemgruppen-Forschung bzw. als Defizit-Forschung, sondern es geht hier vor allem um die Erforschung des "durchschnittlichen" Umgangs mit Medien in Mittelschicht-Familien.

Überraschendes Ergebnis: In den befragten Familien wird über Medien viel geredet und wegen der Medien auch viel gestritten. Das Reden über das Fernsehen beispielsweise war in manchen Familien zeitweilig oft die letzte Insel gemeinsamer Verständigung. Insbesondere das Fernsehen trägt in den Familien zu mehr Gemeinsamkeit bei als bislang vermutet. In den Familien sind Filme und Stars, Geschichten und Dramen alltägliche Gesprächsthemen. Da die Medien kaum ein Thema tabuisieren, werden in den Familien und Peer-groups zunehmend auch mehr "heikle Themen" angesprochen wie Aids, Drogen, Sexualität, Trennung bzw. Scheidung der Eltern u. ä., Themen, die sonst von den Familienmitgliedern oftmals nicht angesprochen werden.

Die Medien erleichtern somit die Verständigung zwischen den Generationen und Geschlechtern; das Reden der Jugendlichen über Medieninhalte ist auch ein Reden über sich selbst, denn mittels Medien-Inhalten werden oftmals eigene Themen, Gefühle und Situationen verschlüsselt angesprochen. Eltern und Kinder lernen einander übers Fernsehen besser kennen (Kommentare abgeben, Streitgespräche führen, Emotionen des anderen kennen lernen: "Warum regt sich die Mutter bei dieser Szene so auf?"). Die Kinder fragen ihre Eltern nach ihrer Meinung, sie wollen wissen, was ihnen gefällt, sie wollen herausfinden was sie selbst mögen und wie sie dies ihren Eltern erklären können. Sie erzählen Filminhalte in aller Ausführlichkeit und wollen dadurch "verschlüsselt" etwas von sich selbst mitteilen bzw. etwas ansprechen, z. B. die Beziehung der Eltern als Paar. Sich über und mittels Medien erklären ist eine neue Qualität innerhalb des Familienalltages. Mit ihren Lieblingsfilmen, ihrer Lieblingsmusik, etc. öffnen auch die Eltern ihren Kindern den Blick für ihre eigene Jugendzeit.

Die Eltern werden durch ihre heranwachsenden Kinder immer mehr dazu angeregt, über ihre eigenen Medienumgang, aber auch über ihre Jugend nachzudenken.

Aufweichen der Medienerziehungskonzepte Bei den befragten Eltern ließ sich zunehmend ein Aufweichen der Medien-Erziehungskonzepte von konsequent zu inkonsequent und akzeptierend feststellen. Insgesamt gestehen die Eltern den eigenen Kindern mehr Freiheit im Umgang mit den Medien zu. In ihren Herkunftsfamilien erfuhren die Eltern einen Medienumgang, der eher von "Strenge", "Verboten" und "Prinzipien" geprägt war. Bei den Eltern wurde an Nachholbedürfnis an Fernsehen festgestellt, da sie in ihrer eigenen Jugend oft keinen Fernseher hatten, bzw. das Fernsehen in ihrer Familie rigide gehandhabt wurde. Das gemeinsame Fernsehen ist ihnen wichtig. Ab dem 15. Lebensjahr wollen die Kinder aber ihre eigenen Medienwege gehen, sich von den Vorlieben und Gewohnheiten der Eltern absetzen. Die Musik wird den Jugendlichen immer wichtiger, das Fernsehen verliert zunehmend seinen Stellenwert.

Die Eltern unterstützen und ermutigen ihre Kinder zu einem sinn-und maßvollen Medienumgang Dies ist unter anderem auch Voraussetzung dafür, daß die Jugendlichen von früh an einen eigen(sinnig)en und eher selbstverständlichen Umgang mit dem Fernsehen entwickeln können. Nichtsdestoweniger gilt die Sorge der Eltern nach wie vor "problematischen Fernsehinhalten" und deren möglichen Wirkungen auf ihre Kinder, wie der Darstellung von Gewalt oder pornographischen Inhalten. Die Mütter haben vor allem die Sorge, daß die Kinder und Jugendlichen zu viel fernsehen bzw. zu viel Actionfilme anschauen.

Phasen des Schweigens in den Familien, also das Nicht-Miteinander-Reden, bedingen in den befragten Familien nicht die Medien, sondern die Qualität der Beziehungen: Kränkungen, Enttäuschungen und Nicht-Verständnis können die Kommunikation zwischen dem Elternpaar sowie zwischen Eltern und Kindern bestimmen, wobei das Reden über Medien dieses Schweigen in den Familien wieder aufheben kann.

Der Umgang mit Medien sowie das Reden über Medien trägt in den Familien insgesamt zu sozialem Lernen bei und fördert die pädagogischen Zielsetzungen der Empathie und Frustrationstoleranz:
miteinander reden und streiten; gegenseitig Toleranz zeigen, Kompromisse finden, auf den anderen Rücksicht nehmen; nachgeben können, den Geschmack des anderen aushalten und akzeptieren.

In Sachen Medien gibt es mehr Gemeinsames als Trennendes zwischen Eltern und Kindern. Beide Generationen wissen mehr voneinander als bisher angenommen. Statt Entfernung und Fremdheit der Generationen gibt es mehr Gemeinsames. Die Medien regen die im Rahmen des Projektes befragten Jugendlichen und Eltern in besonderem Maß dazu an, zu sich selbst sowie zur (Um-)Welt wieder mehr Stellung zu beziehen, sowie über sich selbst wieder mehr nachzudenken.

Wann finden im Alltag medienbezogene Gespräche statt?

Ein großer Teil der Eltern stimmt dem zu, was eine Mutter im besonderen für ihre Familie festhält: "Es wird über Medien eigentlich immer geredet." Medienbezogene Gespräche finden statt

· vor dem Anschauen oder Zuhören (z. B. um unterschiedliche Wünsche der Familie abzuklären)

· beim Anschauen oder Zuhören
· nach dem Anschauen oder Zuhören, um Meinungen und Ansichten auszutauschen oder um Fragen zu stellen.

Das gemeinsame Interesse an einem Film oder einer Fernsehsendung ist aber nur ein Aspekt. Ebensowichtig ist das Erlebnis der Nähe und der Verbundenheit zwischen Kindern und Eltern.

Worüber wird bei den medienbezogenen Gesprächen geredet ?

Die medienbezogenen Gespräche beziehen sich auf folgende thematische Ebenen:

· Auswahl der Programme
· Inhalte von Spielfilmen und Fernsehsendungen
· (durch Medien angesprochene) lebenssituative Themen
· Musikstile und Musikgeschmacksvorlieben
· Art und Weise des Medienumgangs

Bei den Gesprächen über die Auswahl der Programme spielen die erzieherischen Absichten der Eltern eine Rolle sowie das "gegenseitige Wissen voneinander", was der andere jeweils mag oder nicht mag. Einige Eltern schlagen für einen gemeinsamen Fernsehabend daher von vornherein (nur) solche Filme und Sendungen vor, von denen sie erwarten, daß ihre Kinder einverstanden sind: Witzige Filme, "aber nicht so grob", Krimis, "aber nicht so brutal", Liebesfilme, "aber nicht so gewagt". Solche Filme sind dann für alle Beteiligten konsensfähig.

Dabei lassen sich Eltern auch einmal von ihren Kindern überzeugen. Oder es werden Kompromisse geschlossen und auch Filme angesehen, die man sich allein nicht ansehen würde. Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen bejahen die Frage, ob sie mit ihren Eltern auch über ihre "Lieblingsfilme" bzw. ihre "Lieblingsmusik" sprechen, was als grundsätzlicher "Vertrauensbeweis" ausgelegt werden kann. Insbesondere durch die Inhalte und thematischen Aspekte von Spielfilmen werden bei den befragten Familien in großem Maße lebenssituative Bezüge angesprochen, hierbei vor allem die thematischen Aspekte "Beziehung zwischen Mann und Frau", "Trennung und Scheidung", "Tod" sowie "Schule". Der Begriff "lebenssituativ" bezieht sich zum einen auf dominante Themen, mit denen die jugendlichen Kinder derzeit (innerlich) beschäftigt sind, zum anderen aber auch auf thematische Anregungen, die sie beispielsweise (von außen) in ihren Peer-groups bekommen.

In mehr als der Hälfte der Familien ist neben dem Fernsehen bzw. den Spielfilmen auch die Musik Gegenstand intensiver Mediengespräche. Hierbei geht es vor allem um die Abklärung des oft unterschiedlichen Musikgeschmacks bzw. der Vorlieben für verschiedene Musikstile. Bei den musikbezogenen Gesprächen geht es jedoch nicht nur um die Differenz des Gschmacks, sondern auch um das gegenseitige Kennenlernen "neuer Musik". Das Entdecken gemeinsamer Vorlieben trägt zu Gemeinsamkeiten innerhalb der Familie bei.

Wie wird bei den medienbezogenen Gesprächen geredet? Wer beginnt mit den medienbezogenen Gesprächen ?

Voraussetzung für die medienbezogenen Gespräche ist die Bereitschaft zum Reden bzw. zum Dialog, die alle Eltern geäußert haben. In vielen Fällen sind es die Jugendlichen, die diese Gespräche beginnen (z. B. wenn sie abends nach einem Kinobesuch nach Hause kommen), aber auch die Eltern werden initiativ.

Wozu dienen die medienbezogenen Gespräche?

Die medienbezogenen Gespräche in Familien werden nicht abgehoben geführt, sondern sind in die allgemeine und alltägliche Kommunikation einer Familie eingepaßt. Für die medienbezogenen Gespräche lassen sich in den von uns befragten Familien folgende Funktionsmuster festhalten:

· Medienbezogene Gespräche dokumentieren Gemeinsamkeit zwischen Eltern und jugendlichen Kindern. Dabei wird in diesen Gesprächen abgeklärt, "was gefällt Dir, was gefällt mir?". Somit kann zum einen das Gemeinsame bewußt gemacht werden, zum anderen aber auch Abgrenzung sowie Unterscheidung aufgezeigt werden. Bei dieser Art von medienbezogenen Gesprächen sind Eltern und jugendliche Kinder gleichermaßen initiativ.

· Medienbezogene Gespräche sind Bühnen, um den anderen Familienmitgliedern mitzuteilen, was einen gerade interessiert und beschäftigt. Anhand der Inhalte von Spielfilmen vermitteln die jugendlichen Kinder, was sie an diesen Filmen bewegt hat, was ihnen gefallen hat, was sie beeindruckt hat. Diese Filminhalte können somit Schlüssel für die bedeutsamen Themen der jugendlichen Kinder sein und stellen möglichweise für die Eltern ein Hilfsmittel dar, um den Zugang zu "inneren Fragen" ihrer jugendlichen Kinder zu erleichtern. Bei dieser Art von medienbezogenen Gesprächen sind vor allem die jugendlichen Kinder initiativ.

· Medienbezogene Gespräche, die vor allem von seiten der Eltern initiiert werden, sind Gelegenheit, um Erziehungsvorstellungen zu vermitteln bzw. die verschiedenen Ansichten über den Umgang mit Medien sowie die bewertende Einschätzung von Inhalten auszutauschen. Diese medienbezogenen Gespräche sind oft Ausgangspunkt von Auseinandersetzungen zwischen den Eltern und ihren jugendlichen Kindern, zumal in diesen die Verschiedenartigkeit medienbiographischer Erfahrungen der Eltern-und Jugend-Generation zu Tage tritt.

Der Umgang mit Medien als "ein Gemeinsames in der Familie" Auf den ersten Blick ist Fernsehen das "familienbezogene" Medium schlechthin. Gemeinsames Fernsehen ist für die Eltern als auch für die Jugendlichen von großer Bedeutung. Beispielsweise ist es den Jugendlichen trotz eigener Geräte lieber, wenn sie zusammen mit den Eltern (und mit den jüngeren Geschwistern) fernsehen können. Gründe dafür sind der gemeinsame Spaß, die Gemütlichkeit, das "Zusammensein" der Familie, die Unterhaltung oder gemeinsame Gespräche über das Programm. Gemeinsame Medienaktivitäten bedeuten gemeinsame Medienerfahrungen und somit vermehrtes Wissen um den anderen. Es bedeutet Vorlieben, Einstellungen, Reaktionen und Gefühle des anderen kennen. Somit schaffen gemeinsame Medienaktivitäten "familiäre Vertrautheit". Das gemeinsame Fernsehen vereinigt die Familie und hat eine familienintegrierende Funktion. Der gemeinsam angeschaute Film bietet Gesprächsanlässe und schafft Gelegenheiten, über Meinungen, Erfahrungen, Gefühle, Wünsche und Probleme zu reden. Beim gemeinsamen Fernsehen lernen Töchter und Söhne auch die Vorlieben, Gefühle und Themen der Eltern kennen und umgekehrt. In diesen Gesprächen über Fernseh- und (Video)filminhalte bringen die Kinder oft in verschlüsselter Form auch die sie gerade beschäftigenden "Themen" zur Sprache, was wieder den Eltern die Möglichkeit gibt, diese kennenzulernen.

Die Eltern sind das Vorbild im Umgang mit Medien. Wie Eltern mit Filmen, Serien, Musik und Büchern umgehen, das schauen sich die Söhne und Töchter ab. Die Eltern unterstützen und ermutigen ihre Kinder zu einem sinn- und maßvollen Medienumgang. Dies ist unter anderem auch Voraussetzung dafür, daß die Jugendlichen heute von früh an einen eigen(sinnigen) und eher selbstverständlichen Medienumgang entwickeln können. Nichtsdestoweniger gilt die Sorge der Eltern nach wie vor "problematischen Medien-Inhalten" und deren möglichen Wirkungen auf ihre Kinder, wie die Darstellung von Gewalt oder pornographischen Inhalten.

Die Medien erleichtern die Verständigung zwischen den Generationen. Die Mädchen und Jungen lernen ihre Eltern auch über deren Medienvorlieben kennen. In den Familien sind Filme und Stars, Geschichten und Dramen ein alltägliches Gesprächsthema - und zwar für beide Generationen. Manc= hmal gibt es hier Überraschungen: "Was, das fandest du gut?" sagt ein 14jähriger Sohn, als seine Mutter gerade einen alten Schlager mitsingt. Dieses Gespräch über einen Schlager ist auch ein Reden über sich se= lbst, denn mittels Medien-Inhalten werden eigene Themen und Gefühle, Situationen und Emotionen in einer verschlüsselten Form angesprochen. Eine Mutter: "Wenn 'Sissi' im Fernsehen kommt, dann sag' ich zu ihr: Komm', das mußt du dir anschauen, das ist die Jugend deiner Mutter". - Mit ihren Lieblingsfilmen und Lieblingsschlagern öffnen die Eltern ihren Kindern den Blick für ihre eigene Jugendzeit. Ihre Erfahrungen, ihre damaligen Bilder von Liebe und "ihre großen Gefühle" werden indirekt durch diese Filme und Lieder wieder lebendig. Gemeinsame Medienerlebnisse verstärken die Gefühle der Zusammengehörigkeit und Vertrautheit in der Familie.

"Medienerfahrungen von Jugendlichen von Familie und Peer-group" Projekt des Deutschen Jugendinstitutes, München

Veröffentlichung: Jürgen Barthelmes, Ekkehard Sander: Medien in Familie und Peer-group. Vom Nutzen der Medien für die 13- und 14jährigen.

Medienerfahrungen von Jugendlichen. Bd. 1. Verlag Deutsches Jugendinstitut München 1997. Band 2, der das Ergebnis der gesamten Untersuchung (vom 13. bis zum 20. Lebensjahr) enthalten wird, soll Ende 1999 erscheinen.

(Forts.)

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