Startschuß zum ersten Projekt der Familien Initiative gefallen: "Elternbildung für Eltern mit Teenagern"

Bundesminister Dr. Martin Bartenstein: "Zugang zur Elternbildung eröffnen"

Wien (OTS) - Anfang Februar 1999 fiel der Startschuß für das Elternbildungsprojekt der P&G Familien Initiative. Die konkreten Maßnahmen von Februar bis Mai: Vergabe von Elternbildungsgutscheinen, Neuauflage der "Elternbriefe" des Familienministeriums und eine Hotline, bei der erstmals flächendeckend das Angebot an Elternbildungsseminaren abgefragt werden kann. Die Initiative arbeitet zusammen mit dem Cartoonisten Bruno Haberzettl, versucht mit verschiedenen österreichischen Medien zu kooperieren, veranstaltet Marketingworkshops für ElternbildnerInnen und ein Journalistenseminar. Christian von Stieglitz, seit kurzem Vizepräsident von P&G Österreich , unterstreicht die Notwendigkeit eines Projektes für diese Altersgruppe: "Gerade für Eltern mit Teenagern gab es bisher relativ wenig breitflächige Unterstützung. Wir wollen die Marketing- und Kommunikationsexpertise unseres Unternehmens in den Dienst der Sache stellen."

In Österreich gibt es rund 600.000 Eltern mit Kindern im Teenager-Alter.

42 % der Teenager-Eltern wollen mehr Erziehungsinformation, 27 % geben einschlägige Artikel in Zeitschriften und Zeitungen als Informationsquellen für die Teenager-Erziehung an. Das geht aus einer im Juli 1998 durchgeführten Gallup-Umfrage hervor. In dieser schwierigen Erziehungsphase brauchen Eltern viel Unterstützung. Im Rahmen des Projekts werden die "Elternbriefe" des Familienministeriums für Eltern mit Teenagern neu gestaltet und aufgelegt. Unterstützt wird die Familien Initiative vom Cartoonisten Bruno Haberzettl, der die Anliegen des Projekts im Rahmen einer Bewußtseinsbildungs-Kampagne der breiten Öffentlichkeit nahebringen wird. An rund 500 Eltern in ganz Österreich werden Gutscheine für Elternbildungsseminare vergeben. Neben den Eltern selbst sind aber auch JournalistInnen eine wichtige Zielgruppe des Projektes. In einem eigenen Elternbildungsseminar wird "hautnah" Elternbildung vermittelt und über das Thema informiert werden. Auf Anregung der ElternbildnerInnen-Gruppe, einer Elternbildner-Expertengruppe, mit der das Projekt erarbeitet wurde, plant die Initiative des weiteren einen Marketingworkshop für ElternbildnerInnen, der von Procter&Gamble-MitarbeiterInnen im Rahmen der Familien Initiative gehalten wird und dem Transfer von Know how im Bereich des Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit dienen soll. "Es freut mich, daß es uns in Österreich gelungen ist, auf verschiedenen Ebenen Menschen und Unternehmen anzusprechen, sich für Familien zu engagieren. Ein Beispiel dafür ist die P&G Familien Initiative, in deren Rahmen sich ein Unternehmen zum Fürsprecher für die Anliegen der Eltern, Kinder und Familien macht", erklärte Dr. Martin Bartenstein, Bundesminister für Umwelt, Jugend und Familie, anläßlich der Vorstellung des neuesten Projektes. Auch das Familienministerium beteiligt sich an diesem Projekt und bietet eine Hotline an. Diese Hotline ist seit Februar unter der Telefonnummer 0660/5201 erreichbar. Die Hotline des BMUJF sowie viele Medien geben Seminarprogramme, Adressen, Telefonnummern und Ansprechpartner in der Elternbildung bekannt.

Unterstützung durch Institut für Familienforschung

Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Lutz, Forschungsdirektor des Österreichischen Instituts für Familienforschung, betont: "Gerade das Thema Pubertät wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Eine österreichweite Initiative, die den Eltern die Sicherheit gibt, mit ihren Problemen nicht allein zu sein, und damit die Scheu davor nimmt, sich helfen zu lassen und die vorhandenen und angebotenen Informationen auch aktiv zu nutzen, ist überaus begrüßenswert."

Elternbildungsseminare: 30.000 TeilnehmerInnen österreichweit

Beste Prävention gegen Familienkonflikte unterstützt nächste Generation

Die von Experten einhellig als beste Vorbeugemaßnahme zur Verhinderung von Familienkonflikten bezeichneten Elternbildungsseminare sind bisher bereits von rund 30.000 TeilnehmerInnen in ganz Österreich besucht worden. Die im ganzen Bundesgebiet von den unterschiedlichsten Einrichtungen veranstalteten Seminare werden für mehrere Altersgruppen angeboten. Sie ermöglichen Vertiefung (Selbstreflexion) und Erfahrungsaustausch. Durch das gemeinsame Lösen von Problemen wird der nachhaltigste Erfolg in der Verhinderung von Kommunikationsproblemen - vor allem für Eltern mit Teenager-Kindern - erzielt. Elternbildungsseminare sind damit zum Meilenstein der Elternbildung in Österreich geworden. BM Dr. Martin Bartenstein: "Ich wünsche mir, daß noch viel mehr Eltern auf diese moderne Erziehungs-Unterstützung zurückgreifen - dann kann die nächste Generation wahrscheinlich viel konfliktärmer leben als wir bis dato." Aus diesem Grund hat sich die Procter&Gamble Familien Initiative zur Förderung von Elternbildungsseminaren im Jahr 1999 entschlossen.

Begonnen hat der österreichweite Aufschwung der Elternbildungsseminare im Jahr 1994. Damals hat das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie Qualitätskriterien für Anbieter von Elternbildungsseminaren erarbeitet. Diese Kriterien umfassen Inhalte, Methoden, Didaktik und Teilnehmeranzahl und bilden die Voraussetzung für eine allfällige finanzielle Förderung durch das Bundesministerium. Mittlerweile entsprechen 92 Anbieter von Elternbildungsseminaren für Eltern mit Teenagern in Österreich den ministeriellen Qualitätskriterien.

Die Seminare finden zumeist an mehreren Abenden in Gruppen bis zu maximal 20 Personen statt. Die bei den Teilnehmern bisher erzielten Erfolge sind Grund genug, nun verstärkt andere Eltern zum Besuch von Elternbildungsseminaren zu motivieren, befand der Experten-Beirat der Procter&Gamble Familien Initiative. "Solche Seminare vermitteln einen völlig neuen Zugang zur Eltern-Kind-Beziehung", sagt Ursula Wilde, Generalsekretärin dieser bis dato einzigartigen privatwirtschaftlichen Initiative für Österreichs Familien. Und:
"Deshalb fördern wir mit unserem ersten Projekt Elternbildungsseminare, damit noch wesentlich mehr Eltern als bisher von diesem Angebot profitieren können." Daneben werden im Rahmen der Familien Initiative u.a. Elternbildungsgutscheine vergeben oder die "Elternbriefe" des Familienministeriums neu aufgelegt.

Nur Seminare fördern Reflexion und Erfahrungsaustausch

Eltern können die Erziehungsmethoden, die sie selbst in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben, oft nicht auf die Erziehung der eigenen Kinder anwenden - einerseits haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen und Herausforderungen an die Erziehung zu sehr geändert. Andererseits haben es moderne Eltern auf Grund der Wertevielfalt aber auch zunehmend schwerer - trotz einer Überfülle an gedruckten Elternratgebern - sich zu orientieren.

Daher ist es wichtig, Eltern Informationen und Orientierungshilfen zu bieten, wo sie eigenes Verhalten reflektieren und vor allem auch mit anderen Eltern Erfahrungen austauschen können. Die beste Möglichkeit dazu sind Elternbildungsseminare.

Entscheidend ist für Österreichs Elternbildner der ganzheitliche Ansatz, der zusätzlich zu den immer den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepaßten didaktischen Methoden Bildung zum Erlebnis machen will.

Erfolg gibt recht

Das Feedback der TeilnehmerInnen auf Elternbildungsseminare ist beeindruckend: Mehr als 95 % sind in einem sehr hohen Maße zufrieden - die Seminare werden als sehr hilfreich für zukünftige schwierige Erziehungsfragen, aber auch als persönliche Bereicherung und als Anstoß, auch einmal neue Wege der interfamiliären Kommunikation zu gehen, gesehen. Konkret wird in den anonymen Frage- und Beurteilungsbögen von Seiten der TeilnehmerInnen von mehr Gelassenheit und auch Sicherheit im Erziehungsverhalten und von weniger Ängsten vor drohenden Gefahren wie Sekten, Drogen, etc. berichtet. Sie hätten wieder größeres Vertrauen in die eigene Erziehungskompetenz und mehr Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kinder, die sie jetzt auch besser deuten können. Außerdem: Nachdem die teilnehmenden Eltern Elternbildungsseminare als für sie hilfreich erfahren haben, stehen sie in der Folge bei Bedarf auch Beratungs-und Kriseninterventionsstellen (z. B. bei Eßstörungen oder massiven Schulproblemen) wesentlich offener gegenüber und nehmen diese auch eher und vor allem zeitlich früher in Anspruch. Dr. Edith Marktl, Elternbildnerin und Seminarleiterin: "Eltern, die bereits ein Elternbildungsseminar besucht haben, sind interessiert, in einer späteren Lebensphase ihres Kindes wieder einen entsprechendes Seminar zu besuchen."

Beziehungsfragen im Zentrum, starke Nachfrage am Thema "Medienkonsum"

Themen wie die Entwicklung des Kindes/Jugendlichen, Erziehungsziele und Erziehungsstile, Fragen der Beziehung, der Kommunikation sowie der Lösung von Konflikten, der Gesundheit (im ganzheitlichen) Sinn, der Sexualerziehung, aber auch rechtliche und ökonomische Fragen und das Bekanntmachen von Serviceangeboten für Eltern mit Kindern sollen grundsätzlich in jedem Seminar behandelt werden. Darüber hinaus orientieren sich die Seminare sehr stark an den Bedürfnissen der jeweiligen TeilnehmerInnen: So soll zumindest eine Lebensphase der Kinder dabei abgedeckt werden (z. B. eben die Pubertät/die Teenagerzeit). Der sich verändernde Medienkonsum der Jugendlichen sowie die daraus entstehenden Konsequenzen zählen ebenfalls zu den meistgewünschten Inhalten. Akute Konflikte oder Probleme können durch den Besuch eines der Vorbeugung dienenden Elternbildungsseminars nicht bewältigt werden. Hier wird auf Einrichtungen wie die Elternberatungsstellen verwiesen.

Warum Elternbildung in Form von Seminaren?

· Weil diese Form der Elternbildung den nachhaltigsten Erfolg bringt. · Weil der mit Hilfe der Methoden moderner Erwachsenenbildung im Rahmen von Elternbildungsseminaren erworbene Zuwachs an Kompetenz, Bewußtsein, Wissen, Einsicht und Anregungen leichter in den eigenen Erziehungsalltag übertragbar ist als bei anderen Formen der Elternbildung.

· Weil Informationen aus der Sicht der eigenen Bedürfnisse sofort hinterfragbar und in der Gruppe diskutierbar sind.

· Weil die Gruppe den idealen Rahmen für einen Erfahrungsaustausch schafft, der nicht nur Entlastung bringt, wenn man sieht, daß es anderen Eltern ähnlich ergeht mit ihren Teenagerkindern wie einem selbst, sondern auch Anregungen und Denkanstöße, wenn man hört, wie andere Eltern versuchen, mit Problemen und Schwierigkeiten umzugehen. · Weil Seminare am "Lebenshintergrund" der TeilnehmerInnen ansetzen und sich an den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen orientieren können. · Weil Seminare die TeilnehmerInnen neugierig machen und sie ermutigen, Fragen zu stellen und neue Wege auszuprobieren.

· Weil ein Seminar für die TeilnehmerInnen die Möglichkeit schafft, ihre eigene Pubertät, ihre eigene Erziehung zu überdenken/zu reflektieren, sich bewußt zu werden, welchen Einfluß ihre eigene Erziehung auf ihr heutiges Erziehungsverhalten, ihre Wertvorstellungen, die sie ihren eigenen Kindern gegenüber vertreten, hat.

· Weil Problemfelder gemeinsam erarbeitet und individuelle Lösungen gesucht werden.

· Weil in Seminaren die Themen besser vertieft werden können und die einzelnen "Zugänge" der TeilnehmerInnen besser berücksichtigt werden können. · Weil erst die Verknüpfung neuer Informationen mit dem Erfahrungswissen und dem eigenen Tun der Eltern zu neuen Einsichten und Handlungsalternativen führt.

Qualitätskriterien des BMUJF für Elternbildungsseminare

1. Die Orientierung

· zielgruppenorientiert
· bedürfnisorientiert
· erlebnisorientiert
· themenorientiert
· lösungsorientiert

2. Für 5 Lebensphasen

· Schwangerschaft und Geburt
· 0-3 jährige Kinder
· 3-6 jährige Kinder
· 6-10 jährige Kinder
· Kinder über 10 Jahre

3. Die Themen

· Entwickung des Kindes
· Erziehungsziele und Erziehungsstile
· Beziehung, Interaktion und Kommunikation
· Umgang mit Konflikten
· Gesundheit (im ganzheitlichen Sinn) / Sexualität
· Rechtliche und ökonomische Fragen, Serviceangebote
· Kindergarten, Schule und Ausbildung
· Kinderbetreuungsmöglichkeiten
· Familienkultur / Familie und Gesellschaft
· Freizeit, Kreativität und Spiel
· Medien
· Miterzieher

4. Der Veranstaltungsmodus

· Veranstaltungsreihen

5. Die Teilnehmer

· min. 8, max. 20 TeilnehmerInnen
· keine spezifische Vorbildung erforderlich

Studie: TV ist "Kommunikationsbrücke"

Medienkonsum gute Chance für Familien-Gespräche

Fernsehen ist eine gute Chance für Eltern und ihre Teenager-Kinder, miteinander ins Gespräch zu kommen und einander besser kennenzulernen. Das ist die Quintessenz einer qualitativen Langzeitstudie, die das Deutsche Jugendinstitut/München in den Jahren 1992 bis 1998 durchgeführt hat. Damit ist die stereotype Behauptung, Fernsehen würde grundsätzlich zur Isolation und zum Abflauen jeglicher Kommunikation innerhalb der Familie führen, relativiert worden.

22 Jugendliche sowie deren Eltern (insgesamt 20 Familien mit unterschiedlichen Lebensformen und aus unterschiedlichen soziokulturellen Milieus) wurden jeweils getrennt befragt. Im Mittelpunkt der Studie standen Themen wie Gebrauch, Nutzen und Stellenwert verschiedener Medien und deren Auswirkung auf das Familienleben.

Die Ergebnisse sind jedenfalls verblüffend:

· Kommunikation vor, während und nach dem gemeinsamen wie getrennten TV-Konsum führt zu Gesprächsthemen wie "Beziehung zwischen Mann und Frau", "Trennung und Scheidung", "Tod", "Schule", aber auch Tabu-Themen wie Aids, Drogen oder Sexualität.

· Mithilfe der dadurch entstehenden wechselseitigen Kommentare oder Diskussionen in der Familie haben Eltern und Teenager sogar eine hervorragende Möglichkeit, Einstellungen und Emotionen des anderen kennenzulernen und damit auch besser zu verstehen.

· Der gemeinsame Konsum alter TV-Produktionen gibt den Teenagern einen Einblick in die Jugendzeit ihrer Eltern und so ein größeres Verständnis für elterliche Werte - umgekehrt begreifen Eltern, die sich moderne TV-Sendungen oder -Serien anschauen, viel klarer, was Jugendliche heutzutage prägt und bewegt.

Wie aus einer weiteren, von Procter&Gamble in Auftrag gegebenen Studie von Info Research hervorgeht, sehen 50 % aller österreichischen Eltern bis zu einer halben Stunde pro Tag gemeinsam mit ihren Kindern fern. 40 % geben an, bis zu 2 Stunden täglich zusammen vor dem Fernsehgerät zu verbringen. Ursula Wilde, Generalsekretärin der Procter&Gamble Familien Initiative:

"Obwohl wir Pionier der TV-Werbung und Produzent zahlreicher Serien sind, hat uns dennoch das Potential des Mediums Fernsehen für die Kommunikation zwischen Eltern und Teenager überrascht."

Network-Generation mit höherem Selbstbewußtsein

Identitätssuche Jugendlicher durchs Internet beeinflußt?

Das Internet prägt die Persönlichkeitsstruktur unserer Jugendlichen entscheidend. Dies ging aus einem ein Jahr laufenden Projekt des Kanadiers Don Tapscott hervor, der 300 Teenager via Internet interviewt hat. Einerseits fördert die interaktive Nutzung des Mediums Internet das eigene Selbstwertgefühl, andererseits geben Chat-Groups, in denen man auch unter anderen Identitäten auftreten kann, die Chance, risikolos auszuprobieren, wie man bei wem ankommt.

"Generation N - Network-Generation" nennt Tapscott die Geburtenjahrgänge ab 1980 (für die USA ab 1975), die sich aus seiner Sicht grundsätzlich durch eine größere Unabhängigkeit, durch Innovationsfreude und Authentizität, durch Integration statt Diskriminierung und die bewußte sowie kritische Auswahl von Informationen und Medien auszeichnen. Das Medium Internet spielt dabei eine besondere Rolle und wird so zu einem innerhalb der Erziehung von Teenagern immer stärker zu berücksichtigenden Faktor. Eltern der "Network-Generation" sollten zwei Aspekte in ihren pädagogischen Ansätzen in Betracht ziehen: Übers Internet beteiligt sich der Jugendliche an diversen Diskussionen, tritt mit verschiedenen Service-Einrichtungen in Beziehung, verwendet aktiv Spiele, fragt Freunde per e-mail um Rat und sucht nach Informationsquellen. Der Prozeß jugendlichen Forschens und Entdeckens fällt also in der Network-Generation facettenreicher aus als bisher -die Folge ist eine überaus selbstbewußte Generation mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl. Übers Internet bietet sich die Chance probezuhandeln, ohne daß etwas passiert. Während Kinder auf der Suche nach ihrer eigenen Identität im wirklichen Leben schon früh ein Etikett verpaßt bekommen oder sich ihre eigene Fassade aufbauen, können sie beispielsweise über die Chat-Groups erst einmal verschiedene Verhaltensweisen testen. In textzentrierten Chatrooms ist das äußere Erscheinungsbild oder die soziale Herkunft eines Teenagers (vorerst) unbekannt - ein Vorteil, der vor allem Behinderten hilft, frei von Hemmungen mit anderen zu kommunizieren. Welche Folgen es hat, wenn ein Kind sich mithilfe des Internets mehrere "Fassaden" aufbaut und so ein multiples Selbst entwerfen kann, ist noch nicht erforscht. Tapscott sieht die Entwicklung positiv und zieht den Schluß, daß die Generation N zur ersten werden könnte, die die zahlreichen Facetten des Ichs, die jeder von uns in sich trägt, akzeptieren und gezielt steuern kann.

Die Nutzung des Internets schreitet dramatisch schnell vorwärts: Laut einer Integralstudie stieg die Anzahl der Internetbenutzer in Österreich von 1996 auf Mitte 1998 um satte 100 % (von 550.000 auf 1.100.000). Dabei surfen doppelt so viele Männer wie Frauen (24 % zu 11 %).

Anmerkung zum Autor: Don Tapscott ist der weltweit führende Cyber-Berater, wenn es um die Einführung von Technologien in Unternehmen geht. Im Auftrag von Unternehmen und Behörden leitet Don Tapscott Untersuchungen in bezug auf Informationstechnologien und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Tapscott ist renommierter Berater und Referent zu Themen wie Neue Medien und Digitale Revolution, außerdem ist er Autor zahlreicher Business-Bestseller, darunter auch "Die digitale Revolution".

Tips für Eltern von Teenagern für den Umgang mit Medien

Nehmen Sie den Fernseh- und insgesamt Medienkonsum der Jugendlichen ernst und sprechen Sie in der Familie darüber. Wenn Sie den Medienkonsum Ihres Kindes ablehnen oder ignorieren, lehnen Sie damit Bereiche, die bei der Suche nach der eigenen Identität im Leben Ihres Kindes eine wichtige Rolle spielen, ab! Nutzen Sie das Gespräch über die Medienvorlieben Ihrer Kinder dazu, die Themen, die sie gerade beschäftigen, besser kennenzulernen.

Liefern Sie durch konstruktive Stellungnahmen beim gemeinsamen Medienkonsum dem Jugendlichen Argumente in Bezug auf Medienangebote (inhaltlich, formal, wirtschaftlich, politisch, ideologisch, Beziehung der Geschlechter etc.) und sorgen Sie für Konsumerziehung im weitesten Sinn: Was brauche ich? Was möchte ich? Auf welche Botschaften reagiere ich? Warum tu ich das? Wie wird mir etwas präsentiert - mit welchen Argumenten nahegebracht und welchen Stellenwert haben diese Argumente für mich? Habe ich bekommen, was ich wollte?

Hinterfragen Sie beim gemeinsamen Medienkonsum die dargestellten Verhaltensweisen (z. B.: Was glaubst Du, würde passieren, wenn das eine Frau machen würde?) und Konfliktlösungsmuster ( z. B. Wie könnte man diese Situation anders - wenn auch nicht massenwirksam - lösen?)

Erziehen Sie Ihre Kinder zu einem bewußten Umgang mit Medien. Es ist wichtig, sich bewußt zu machen, warum man sich eine Fernsehsendung, einen Film anschaut, ein Buch liest. Vergessen Sie dabei nicht, daß auc= h der Wunsch nach Entspannung und Unterhaltung beispielsweise durch das Fernsehen berechtigt ist.

Leben Sie Ihrem Kind Analyse- und Kritikfähigkeit auch im Hinblick auf Medien vor - lassen Sie aber auch Kritik an sich selbst zu. Vergleichen Sie z. B. mit Ihren Kindern die Darstellung eines Ereignisses durch mehrere Medien (Zeitungen, Radio, Fernsehen).

Wenn Sie der Auffassung sind, daß eine Sendung für Ihren Sohn, Ihre Tochter nicht geeignet ist, sagen Sie "nein" und bleiben Sie dabei, aber begründen Sie Ihr Nein. Weisen Sie Ihre Kinder auch auf Grenzen aufgrun= d Ihrer persönlichen und auch der gesellschaftlichen Verantwortung hin (z. B. Jugendschutzgesetz).

Ob Teenager viel oder wenig sehen, hängt auch vom Fernsehverhalten der Eltern ab. Sie sind gerade auch beim Fernsehen Vorbild. (Dauer, bewußte Auswahl,....)

Fernsehen und Werbung sind nicht voneinander zu trennen. Vermitteln Sie Ihren Kindern daher einen kritischen Umgang mit der Werbung. Sprechen Sie mit Ihnen über das in der Werbung vermittelte Menschenbild und Werbestrategien ("Glaubst Du, daß die Leute wirklich das Produkt kaufen, weil "Goldi" es anpreist?)

Zeitliche Limits, die vorher "ausgehandelt wurden", bzw. vereinbart wurden, sollten auch im Teenageralter noch beachtet werden. Aber auch inhaltliche

Limits sollten eingehalten werden, vor allem im Hinblick auf Gewaltdarstellungen.

Sprechen Sie das Thema Gewalt im Fernsehen und vor allem Gewalt als Konfliktlösungsmittel in Gesprächen mit Ihren Kindern an. Finden Sie gemeinsam alternative Konfliktlösungsmöglichkeiten.

Bringen Sie in Gesprächen über Medien Ihre Meinung und Ihren Standpunkt ein - am besten mit "Ich-Botschaften". Versuchen Sie nicht zu sagen: "Das ist ja furchtbar!", "Was schaust Du Dir da wieder Brutales an!", "Das ist ja lauter Blödsinn!", sondern formulieren Sie: "Ich finde das brutal, weil ...", "Ich finde den Film dumm, weil ...") und geben Sie auch Ihrem Kind Gelegenheit zu sagen, was ihm an dem Film oder an der Hauptfigur gefällt (ev. mit offenen Fragen, beginnend mit was, wer, etc . ... nachfragen).

Der Streit um das Fernsehen ist ein besonders häufiges Konfliktthema zwischen Kindern und Eltern. Entwickeln Sie auch in diesem Bereich Konfliktkultur und vermeiden Sie unbegründete Verbote. Auch Kompromisse müssen ihren Platz haben.

Regen Sie Ihre Kinder dazu an, selbst Medien zu gestalten: z. B. ein Interview mit den Großeltern über die Jugend der Eltern auf Kassette oder Videofilm aufzunehmen, Eltern und Kinder machen jeder einen kurzen Videofilm zu einem vorgegebenen Thema und besprechen anschließend ihre Filme und deren Gestaltung; eine "Fotosafari" kann die Wahrnehmung schulen und erkennen helfen, wie jedes Bild nur einen (vom Fotografen) bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit darstellt.

Ermöglichen Sie Ihren Kindern alternative und anregende Freizeitangebote und - wenn nötig - den Kontakt zu ihren Freunden und Freundinnen.

Unternehmen Sie viel mit Ihren Kindern gemeinsam - dabei sollen die Bedürfnisse aller Familienmitglieder beachtet werden.

Seien Sie ein wirklicher Partner mit Orientierungsfunktion im Leben Ihres Kindes und für das Leben mit Medien in der Medien- und Informationsgesellschaft.

Dr. Ingrid Geretschlaeger / Dr. Edith Marktl

Für Ihre Fragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Frau Mag. Ursula Wilde, Generalsekretärin der P&G Familien Initiative, Telefon 01/ 588 57-229 sowie

Frau Mag. Petra Tischler, Agentur escalero, Telefon 01/ 505 70 95-10.

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