HGPD fordert Reform der Lehrlingsausbildung im Tourismus

Burgenländische Schülerin präsentierte Reformkonzept

Wien (HGPD/ÖGB). Bei einem Pressegespräch zum Thema "Die Zukunft der Lehrlingsausbildung im Tourismus" präsentierte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), heute eine Reihe von Vorschlägen, wie die duale Lehrlingsausbildung in den Fremdenverkehrsberufen für Jugendliche attraktiver gestaltet werden kann. Kaske hatte zu diesem Pressegespräch auch die Schülerin Theresia Markovits aus Siegendorf (Burgenland) eingeladen, die für eine Arbeit zum Thema "Tourismus – Hat die Lehre wieder Zukunft?" einen Preis des "CA-Grand Prix Creativ 1998" errungen hat. Markovits schlug in ihrer Arbeit eine Reform der Lehrausbildung in den Tourismusberufen vor, die sich in vielen Punkten mit den Vorschlägen der Gewerkschaft HGPD deckt. ++++

Die junge Burgenländerin ist selbst im Gastgewerbe aufgewachsen
und kennt daher aus eigener Erfahrung die spezifischen Probleme
des burgenländischen Tourismus, der sich im Wesentlichen auf die Sommersaison beschränkt und es daher Betrieben schwer macht, Lehrlinge einzustellen und das ganze Jahr hindurch auszubilden.

Tourismuslehre in zwei Saisonbetrieben ermöglichen

Theresia Markovits schlägt in ihrer prämiierten Arbeit vor, die Möglichkeit zu schaffen, eine Tourismuslehre in zwei Betrieben zu absolvieren. Auf das Burgenland bezogen hieße das, dass Lehrlinge ihre Lehre in der Sommersaison in einem burgenländischen Betrieb, in der Wintersaison in einem Betrieb im Westen Österreichs ihre betriebliche Ausbildung erhalten. Dies stelle, so HGPD-
Vorsitzender Kaske, "eine interessante Variante des zwischenbetrieblichen Ausbildungssystems dar, das die Gewerkschaft HGPD seit einigen Jahren fordert".

Auch für die aus einem solchen Modell resultierenden Schwierigkeiten, beispielsweise wie der Beruf der Berufsschule geregelt werden kann, bietet Markovits in ihrer Arbeit Lösungsvorschläge an. Die Berufsschulzeit könne in die Zwischensaisonen verlagert werden, die darüber hinaus verbleibende Zeit zwischen den Saisonen für die Konsumation des Urlaubs und für Ausbildungswochen genützt werden. Auch für Detailfragen wie die Kostenaufteilung der Arbeitgeber-Abgaben oder die Behaltefrist
nach der Lehre bietet die Arbeit der jungen Burgenländerin bemerkenswerte Diskussionsansätze an.

Ausbildungswochen in artverwandten Betrieben

Markovits schlägt weiters vor; Lehrlinge sollten auch die Möglichkeit erhalten, im Rahmen der Lehrzeit auch
Ausbildungswochen in artverwandten Betrieben wie Fleischereien, Bäckereien, Konditoreien, Käsereien, Brauereien, Wein- bzw. Sektkellereien u. dgl. zu absolvieren. Die dort erworbenen Kenntnisse könnten eine gute Basis für eine spätere berufliche Spezialisierung, beispielsweise zum Sommelier oder zum "Food- an Beveragemanager" darstellen. Auch sollten Lehrlinge des Hotel- und Gastgewerbes schon in ihrer Lehrzeit stärker in betriebswirtschaftliche Ausgaben wie Einkauf, Preiskalkulation
usw. eingebunden werden.

Kaske: "Wünsche Arbeitgeberseite Kreativität dieser Schülerin!"

HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske wies in seinem Statement darauf
hin, dass die Gewerkschaft HGPD schon seit einigen Jahren eine Reform der Lehrlingsausbildung in den Tourismusberufen fordert.
Die Eckpfeiler dieser Reform seien ein gemeinsames 1. Berufsschuljahr für alle Tourismuslehren, ein betriebliches Verbundsystem für die Ausbildung, das der Einseitigkeit der Lehrlingsausbildung in spezialisierten Betrieben entgegenwirken könne sowie ein Baukastensystem für die berufliche Weiterbildung und Höherqualifizierung. Kaske: "Bisher sind fast alle unsere Vorschläge von der Arbeitgeberseite als unrealistisch oder unfinanzierbar abgetan worden. Ich wünsche den Verantwortlichen für den Tourismus auf der Unternehmerseite daher, dass sie endlich von jener Kreativität erfasst werden, die ihnen eine junge burgenländische Schülerin vorexerziert hat." Die Gewerkschaft HGPD jedenfalls werde nicht locker lassen, weiter eine grundlegende Reform, des Aus- und Weiterbildungssystems für Tourismusberufe einzufordern. (ws)

ÖGB, 19. März 1999 Nr. 131

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