Baugewerkschaften koordinieren grenzüberschreitende Tarifpolitik

Verstärkte Kooperation zwischen den Baugewerkschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz

Wien (GBH/ÖGB). "Die intensivere und grenzüberschreitende Koordination der Kollektivvertrags- beziehungsweise Tarifpolitik für mehr als drei Millionen Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz", haben die deutsche Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), die schweizer Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) und die österreichische Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) heute in einer weiteren Kooperationstagung in Wien vereinbart. ++++

Gemeinsamer Weg ins neue Jahrtausend

Inhaltlicher Schwerpunkt dieser Arbeitssitzung war die gewerkschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der Kollektivvertrags-beziehungsweise Tarifpolitik, die angesichts der Globalisierung,
der Wirtschafts- und Währungsunion in Europa und des eventuell kommenden bilateralen Vertrages Schweiz-EU immer dringender wird. Weiters macht die enge Kooperation der drei Baugewerkschaften eine noch bessere Berücksichtigung europäischer und internationaler Entwicklungen möglich.
"In einem vereinten Europa müssen auch die Arbeitnehmer ihre Interessen effizienter koordinieren", stellte der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG-Bau, Ernst-Ludwig Laux, fest. Die Herausforderungen können nur durch eine Abstimmung der Lohn- und Tarifpolitik und durch verstärkte internationale Solidarität bewältigt werden. Michel Buchs, Vizepräsident der GBI, der schwierige Lohnrunden in den Baubranchen erwartet, stellte dazu fest: "Wir werden auch diese Herausforderung meistern, indem wir unsere Zusammenarbeit noch stärker intensivieren und uns gegenseitig solidarisch beistehen." Für den GBH-Bundesvorsitzenden Johann Driemer steht fest, " dass sich die Zusammenarbeit nicht
nur auf die Tarifpolitik beschränken wird, sondern sich auch mit Bereichen wie Arbeitnehmerschutz, Ausbildungsfragen und Öffentlichkeitsarbeit ergänzen wird."

Gleicher Lohn - für gleiche Arbeit - am gleichen Ort

Die grenzüberschreitende Bautätigkeit zwischen den drei Ländern ist zunehmend und damit stellen sich auch vermehrt die Probleme
der "entsandten Arbeitnehmer"; das sind Arbeitnehmer, die von
ihrer Bauunternehmung auf Baustellen in einem anderen Land beschäftigt werden. Daher war ein wesentliches Thema bei dieser Tagung auch die Fragen der Umsetzung der Entsende-Richtlinie in Österreich und Deutschland beziehungsweise der entsprechenden rechtlichen Absicherung in der Schweiz.
Die Spitzenfunktionäre der drei Baugewerkschaften sind der
Meinung, "dass der Grundsatz "gleicher Lohn - für gleiche Arbeit -am gleichen Ort" auch zwischen diesen drei Ländern konsequent angewendet werden muss und alle Lohn-, Arbeitszeit- und Ferienbestimmungen der am Ort der Bauleistung geltenden Kollektivverträge auch bei der Betreuung der entsandten Arbeitnehmer Geltung haben."

Die Erfahrungen der deutschen Baugewerkschaft im Gesetzgebungsverfahren konnten auch dem Schweizer Kollegen Mut machen. "Dieses Grundprinzip darf nicht an EU-Grenzen halt
machen", erklärte Buchs.

Gewerkschaftsmitglieder profitieren

Schon beim letzten Treffen der drei Gewerkschaften in Zürich wurde festgestellt, dass nicht nur die materiellen Bestimmungen in den Gesamtarbeitsverträgen ähnlich sind, sondern dass auch die Arbeitgeber in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine fast identische Strategie verfolgen. Die Regelungsdichte ist im Baugewerbe der drei Länder relativ hoch, die Durchsetzung und Kontrolle der Kollektivverträge wird jedoch zunehmend schwieriger.

Eine bessere Abstimmung der Vorgangsweise und ein intensiver Informations- und Kommunikationsaustausch wird die Schlagkraft gegenüber der Arbeitgeberseite weiter stärken, aber auch das Service für die Gewerkschaftsmitglieder optimiert. Die Effizienz bei der Durchsetzung der Interessen der Mitglieder wird auf nationaler und europäischer Ebene erhöht.

Zielgerichtet - zukunftsorientiert ins neue Jahrtausend

"Der Gedankenaustausch über aktuelle Themen zeigt, wie wichtig diese Arbeitstagungen sind, die auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der Gewerkschaftsarbeit der Baugewerkschaften der drei Länder sein werden", meinte Driemer.

Die Vertreter der drei Baugewerkschaften sind sich einig:
"Gemeinsam wird es gelingen, die Interessen unserer Mitglieder im nationalen Bereich sowie auf der Basis der Grundsätze der internationalen Gewerkschaftsbewegung auch in Zukunft mit einer abgestimmten Gewerkschaftspolitik noch effizienter zu vertreten. Denn Kooperationen sind ein wichtiger Schritt für die Bewältigung der neuen Herausforderungen - denen sich eine moderne europäische Gewerkschaftsbewegung bei der Durchsetzung
gesamtgewerkschaftlicher grenzüberschreitender Ziele - zu stellen hat."

ÖGB, 18. März 1999 Nr. 124

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