Teure Lizenz zum Töten

Österreichische Hobbyjäger auf Eisbärenjagd in Kanada

Wien (OTS) - Mitte März 1999 beginnt die diesjährige Jagdsaison auf Eisbären in den kanadischen Northwest Territories. Verdeckte Recherchen des Tierhilfswerk Austria (THWA) haben ergeben, daß auch österreichische Jäger und Jagdreiseveranstalter an der weiteren Ausrottung der Eisbären beteiligt sind.

Herr B. (Name ist dem THWA bekannt) verwirklichte sich den großen Traum im Frühling 1997: "Am zweiten Tag war strahlender Sonnenschein. Wir fanden nach etwa 2 Stunden die Fährte eines männlichen Eisbären. Wir= verfolgten die Spur auf unseren Motorschlitten bis wir den Bär sichteten, stoppten und wechselten auf ein Hundeschlittengespann. Etwa 70 Meter vom Bären entfernt wurden die Hunde losgelassen, die sofort seine Verfolgung aufnahmen. Der Bär versuchte zu fliehen, dann sich zu verstecken, aber er hatte keine Chance, die Hunde stellten ihn. Als es keinen Fluchtweg mehr gab, richtete er sich auf, um die Hunde durch Drohungen zu verscheuchen. In diesem Moment habe ich ihm aus sicherer Entfernung einen Schuß verpaßt. Jetzt liegen sein Kopf und Fell bei mir Zuhause am Boden."

Seit 1995 wurden 7 Eisbären von österreichischen Hobbyjägern getöte. 2 österreichische Jagdreiseveanstalter bieten diese außergewöhnlichen Jagden an und verdienen sich damit eine goldene Nase. Eine 10tägige Eisbärenjagd in den kanadischen Northwest Territories kostet immerhin etwa ATS 250.000.-, bei sieben Buchungen in 4 Jahren ergibt das ATS 1,750.000.- Auch für 1999 läuft das Geschäft gut. In einer verdeckten Recherche konntedas THWA bei einem der beiden österreichischen Anbieter die letzte "Lizenz zum Töten" für 1999 vorläufig reservieren lassen.

Die geschätzte Gesamtzahl aller Eisbären liegt zwischen 22.000 und= 27.000, verteilt auf Kanada, USA, Grönland (Dänemark), Rußland und Norwegen. Auf kanadischem Territorium dürften 10.200 bis 10.500 Eisbären leben, d. h. fast die Hälfte der Weltpopulation. Angesichts dieser Zahlen verfällt die zuständige Provinzregierung der Northwest Territories in einen unverständlichen Freudentaumel und vergibt Abschußlizenzen wie warme Semmel. Und das obwohl wissenschaftlich erhobene, tatsächliche Bestandszahlen nicht vorhanden sind und Eisbären nach wie vor als gefährdete Tierart gelten. Die Vermutung liegt nahe, daß die= beträchtlichen Einnahmen aus der Eisbärenjagd das Kriterium für die Vergabe von Abschüssen sind.

Mag. Erich Schacherl, Bärenfachmann beim THWA: "Die Jagd auf Eisbären ist der Gipfel der Perversion Trophäenjagd und zeigt ungeschminkt die brutale Gier am Töten von bestimmten Tierarten. Die Eisbären werden mit Motorschlitten verfolgt, von Hunden gehetzt und haben keine faire Überlebenschance. In Österreich würde sich jeder Jäger mit derartigen Methoden Anzeigen wegen Verstößen gegen die Weidgerechtigkeit einfangen. Daß Eisbären noch immer als gefährdete Tierart gelten, kümmert Jäger und Jagdreiseveranstalter wenig, sie reden sich auf Gesetze aus, ohne deren Grundlagen und Sinnaftigkeit zu hinterfragen. Und auch die finanzielle Seite ist verrückt: Einige österreichische Familien haben in einem Jahr weniger Geld zur Verfügung, als ein Eisbärenjäger in 10 Tagen für den Abschuß eines Tieres ausgibt !"

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