Nußdorf soll vorsichtig weiter entwickelt werden

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Wien, (OTS) Bei der heutigen Ausstellungseröffnung zum Thema "Nußdorf" bekräftigten sowohl Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg als auch der Bezirksvorsteher von Döbling, Adolf Tiller, daß die Zukunft einer Großstadt, eines Bezirkes und eines Grätzls nicht dem Zufall überlassen werden dürfe. Für den Bereich Nußdorf, ein sensibler Randbereich zum Wald- und Wiesengürtel, gebe es neue Planungsüberlegungen, die ihren Niederschlag in einem Entwurf zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan fänden.

Weiters werde eine Bebauungsstudie für den vormals geplanten "Schulbauplatz" an der ehemaligen Zahnradbahntrasse vorgestellt.
Vom Bund wurde dieser Schulstandort aufgegeben und die
Liegenschaft verkauft. Es sei daher notwendig, die Bebauungsbestimmungen für dieses Gebiet neu zu überdenken, um dort eine neue, ortsübliche Wohnbebauung zu ermöglichen. Da diese Grundstücke zu den wenigen noch unbebauten Baulandflächen dieser Größe im 19. Bezirk zählen, sei große Sensibilität gefordert.

Mit der anspruchsvollen Planungsaufgabe wurde niemand geringerer als Arch. Prof. Wilhelm Holzbauer beauftragt. Das Ergebnis der Studie sowie alle anderen Planungsvorschläge für Nußdorf sollen jetzt allen interessierten Bürgerinnen und Bürger, in dieser Ausstellung nähergebracht werden. Die Ausstellung wird von bis 8.3.-21.3. am Nußdorfer Platz zu sehen sein.****

Die Zahnradbahn

Der Schriftsteller Friedrich Nicolai berichtet in seiner "Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im
Jahre 1781" über Nußdorf, das damals aus 109 Häusern mit 865 Einwohnern bestand: "Es ist dies ein sehr großes und angenehmes Dorf nahe der Donau. Es ist voller Lusthäuser von Privatpersonen, welche sehr gut gebaut und zum Teil drei bis vier Geschoß hoch sind, daher der Ort eher einem hübschen Städtchen ähnlich sieht." Für alle jene, denen bei einem Ausflug auf einen der Wiener Hausberge der Fußweg zu beschwerlich war, stand damals ein besonderes Verkehrsmittel bereit: Eselritte von Grinzing auf den Kahlenberg.

An deren Stelle trat ab dem Jahr 1874 die anläßlich der Weltausstellung in Wien errichtete Zahnradbahn auf den Kahlenberg bei ihrer Eröffnung und auch noch in den folgenden Jahrzehnten
eine Attraktion für die Wiener. Die Strecke führte von Nußdorf über die Stationen Grinzing und Krapfenwaldl zum 1872 eröffneten Kahlenberg-Hotel. Auf 5,5 km Länge waren 316 Meter Steigung zu überwinden. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 12 km/h für die Bergfahrt und 15 km/h für die Talfahrt festgesetzt. Im
Durchschnitt fuhren jährlich etwa 8.000 Züge mit rund 180.000 Passagieren.

1919 mußte der Betrieb wegen des Kohlenmangels eingestellt werden. In der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde alles abmontiert, was abmontiert werden konnte - Schienen und Schwellen bis hin zur Einrichtung der Stationen. Am 21. September 1920 wurde die Bahn endgültig eingestellt.

Zur aktuellen Situation

Das Plangebiet liegt zwischen dem alten Ortskern von Nußdorf und den Weinbergen des Nußberges. Auf einer Fläche von 79 ha leben hier 1.336 Menschen. In 82 Kleinstbetrieben sind 379 Personen beschäftigt. Das Gebiet ist durch die Straßenbahnlinie D und die Schnellbahnlinie S 40 gut mit den zentralen Stadtbereichen verbunden.

Warum wird geplant

Mit 8. Jänner 1997 wurde der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für den Bereich nördlich der Nußberggasse, Eichelhofstraße und östlich der Kleingartenanlage ”Nußberg Gruppe I” durch den Verfassungsgerichtshof wegen Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes teilweise aufgehoben. Seither ist eine zeitlich unbegrenzte Bausperre wirksam. Östlich der Eichelhofstraße und südlich des Hammerschmiedgrabens muß die Flächenwidmung nach § 23 des Wiener Kleingartengesetzes überprüft werden.

Die Planungsziele

Im Stadtentwicklungsplan 1994 wurden für das "locker bebaute Gebiet” von Döbling folgende Zielvorstellungen formuliert:

o Erhaltung des naturräumlichen Charakters des Gebietes durch

generelle Beschränkung der Bebaubarkeit der einzelnen Bauplätze. o Berücksichtigung des Wald- und Wiesengürtels und des

"Landschaftsschutzgebietes Döbling”. Prüfung der in den Schutzgebieten gelegenen Bebauung, insbesondere der bestehenden Kleingartenanlagen.
o Sicherung und Rekultivierung der an den Hängen des Wienerwaldes

gelegenen Weingärten als charakteristisches Landschaftselement.

Mit der Bearbeitung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes werden folgende Ziele im Plangebiet angestrebt:

o Ausweisung von Bauland entsprechend der Bevölkerungsentwicklung,

Abstimmung zwischen Bauland- und Grünlandwidmungen.
o Erhaltung des örtlichen Stadtbildes im alten Ortskern von

Nußdorf durch Festsetzung einer Schutzzone und durch bestandsorientierte Ausweisung der historischen Objekte.
o Sicherung und Ausbau der Erholungsflächen, insbesondere des

Wald- und Wiesengürtels.
o Ausweisung der bestehenden Verkehrsflächen entsprechend ihrem

Bestand und der rechtlichen Notwendigkeit.

Der Entwurf

Entsprechend den Planungszielen werden im Diskussionsentwurf des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes folgende allgemeine Grundsätze verfolgt:

o Widmung Wohngebiet für das gesamte Bauland.
o Bauklasse I beiderseits der Nußberggasse mit Ausnahme der

südlich gelegenen Wohnhausanlage; Beschränkung der Gebäudehöhe auf 7,5 m, im Übergangsbereich zum Grünland auf 5,5 m.
o Verbesserung des Kleinklimas durch gärtnerische Ausgestaltung

unbebauter Flächen im Bauland, Beschränkung der Fläche der Nebengebäude auf 30 m2 je Bauplatz. Die Versiegelung der unbebauten Bauplatzfläche soll mit 20% begrenzt werden.
o Um dominante Gebäudefronten zu vermeiden, soll die Firsthöhe

generell höchstens 4,5 m über der Traufenhöhe liegen.
o Neu-Festsetzung der Schutzzone in Abstimmung mit der

Magistratsabteilung 19, Architektur und Stadtgestaltung.
o Vorwiegend geschlossene Bauweise und Bauklasse II zum Teil

höhenbeschränkt für die größeren Wohnhausanlagen im südöstlichen Teil des Gebiets.
o Weitgehende Berücksichtigung des Wald- und Wiesengürtels und des

"Landschaftsschutzgebietes Döbling" bei der Grünlandabgrenzung. o Die Verkehrsflächen sollen im allgemeinen der Nutzung und den

rechtlichen Notwendigkeiten entsprechend festgelegt werden.

Bebauungsstudie Zahnradbahntrasse

o Wohnen statt Schule

Neben dem Schreiberbach, an der Trasse der ehemaligen Zahnradbahn befinden sich jene Grundstücke, die früher für die Errichtung einer Schule des Bundes vorgesehen waren. Die Grundstücke sind im rechtsgültigen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan als Bauland Wohngebiet, Bauklasse II, geschlossene Bauweise mit der Zusatzbestimmung für öffentliche Zwecke festgesetzt.

Nach dem Verkauf der Liegenschaft durch den Bund müssen die Bebauungsbestimmungen für dieses Gebiet neu überdacht werden, um eine ortsübliche Wohnbebauung zu ermöglichen. Dafür ist grundsätzlich eine Umwidmung sowie ein Anschluß der Liegenschaften an eine öffentliche Verkehrsfläche notwendig.

Die Grundstücke zählen mit einer Gesamtfläche von 49.000 m2 zu den wenigen großen und noch unbebauten Baulandflächen im 19. Bezirk. Aus diesem Grund ist besondere Sensibilität erforderlich. Als Vorstufe für eine Änderung der Bebauungsbestimmungen wurde daher eine Bebauungsstudie von niemand geringerem als Arch. Prof. Wilhelm Holzbauer erstellt, um grundsätzliche Varianten der Erschließung und Gestaltung aufzuzeigen.

o Rahmenbedingungen

Die zur Zeit gültigen Bebauungsbestimmungen sind auf die Anforderungen des Schulbaues abgestimmt und würden die Errichtung eines Baukörpers mit 12 m Höhe und einem ausgebauten Dachgeschoß ermöglichen. Die geschlossene Bauweise, die zulässige Kubatur sowie der Maßstab der Bebauung würden in der kleinteiligen, stark durchgrünten Bebauungsstruktur des umgebenden Gebiets als extremer Fremdkörper wirken.

Bei der Lösung der Planungsaufgabe war daher in erster Linie auf die Einbindung des Bebauungsvorschlages in das örtliche Stadtbild und auf eine verträgliche Verkehrsanbindung zu achten:

o Differenzierte Gebäudehöhe von 6,0 m+DG bis 9,0 m+DG in der

offenen oder gekuppelten Bauweise
o Architektonische Ausprägung der Baukörper als differenziert

gestaltete Stadtvillen
o Gärten und Grünräume, die den Maßstab der Umgebung aufnehmen. o Eine Verkehrslösung, bei der das ortsübliche Verkehrsaufkommen

und der gewohnte Schallpegel beachtet wird.
o Anordnung der Stellplätze für die Neubebauung in einer

unterirdischen Garage.
o Beachtung der Planungen zur Renaturierung des Schreiberbaches

durch die MA 45, Wasserbau.
o Nutzung des SWW-Streifens am Schreiberbach für die

Öffentlichkeit

Bebauungsvarianten

Im Zuge der Bearbeitung wurden, aufbauend auf einer städtebaulichen Untersuchung des Umgebungsbereiches, eine Reihe
von Bebauungsvarianten entwickelt, die auf die städtebaulichen Gegebenheiten sensibel reagieren. Bei dieser Aufgabe stand dem Planverfasser als beratendes Gremium eine Expertenrunde aus Architektur, Raumplanung und Grünraumplanung zur Verfügung, in der u.a. die Architekten Peichl und Nehrer, Bezirksvorsteher Tiller sowie Vertreter des Gemeinderates und der Fachdienststellen der Stadt Wien mitwirkten.

Verkehrserschließung

Gleichlaufend mit den Überlegungen zur Bebauung wurden sämtliche Randbedingungen und Möglichkeiten der verkehrlichen Anbindung untersucht, um eine sinnvolle Integration der neuen Erschließung in das bestehende Verkehrssystem sicherzustellen.
Nach eingehender Diskussion des Expertengremiums fand eine Erschließung des Gebiets vom Osten bei gleichzeitiger Maximierung des Grünraumes aus folgenden Gründen die größte Zustimmung:
o Abrücken der Zufahrt von der ehemaligen Zahnradbahntrasse und

zum Gebiet.
o Maximierung des öffentlichen Grünraumes und Gestaltung eines

Parks als Erholungsbereich.
o Berücksichtigung des charakteristischen Baumbestandes.
o Ausbildung der Verkehrsfläche mit Grüngestaltung.
o Anbindung der Grundstücke über eine Sackgasse mit Umkehrplatz;

dadurch keine Durchfahrtsmöglichkeit.
o Anordnung der für die Bebauung benötigten Stellplätze in

unterirdischen Garagen.

Der Bebauungsvorschlag

Der dargestellte Bebauungsvorschlag ist das Ergebnis eines intensiven Diskussions- und Reflexionsprozesses. Die Diskussion
der Vorschläge im Rahmen der Expertengespräche erfolgte unter Berücksichtigung der schwierigen Bebauungsmöglichkeiten der untersuchten Grundstücke. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile konnte eine Empfehlung zur weiteren Überarbeitung des
dargestellten Entwurfs formuliert werden.
o Offene bzw. gekuppelte Bauweise entsprechend dem

Umgebungsbereich.
o Bebauung des Gebiets in Form von Stadtvillen und Winkelhäusern.
o Aufnahme der Bauflucht der im Westen angrenzenden Bebauung.
o "Offenlassen” von Grünräumen durch die aufgelockerte Bebauung;

die ehemalige Abgrenzung zwischen Bauland und Grünland bleibt weitgehend erhalten.
o Durch Einzelbaukörper und differenzierte Höhenstaffelung können

die Baumassen gut in das geneigte Gelände integriert werden.
o Anordnung der Pkw-Stellplätze ausschließlich in Tiefgaragen.
o Zusammenhängendes Ensemble, das die einzelnen Liegenschaften zu

einer Einheit verbindet.
o Gestaltung eines zusammenhängenden Grünraums an der

Zahnradbahntrasse/Schreiberbach.
o Erhalten des Baumbestandes im öffentlichen Grünbereich.
o Vorschlag eines öffentlichen Durchgangs zwischen

Zahnradbahntrasse und Kahlenberger Straße. (Schluß) lei
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