ÖROK-Studie "Siedlungsstruktur und öffentliche Haushalte"

Sobotka: Flächensparen als wesentlichste Stoßrichtung

St.Pölten (NLK) - Unter dem Titel "Die Kosten der Baulanderschließung - Der Fluch der Großzügigkeit" informierte die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK) heute in Wien über die Studie "Siedlungsstruktur und öffentliche Haushalte", in der die Zusammenhänge zwischen Siedlungsstruktur und technischer Infrastruktur anhand der Straßen-, Wasserleitungs- und Kanalnetze von 18 ausgewählten Städten und Wohngemeinden empirisch untersucht wurden.

Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka bezeichnete die Studie als wesentliche Grundlage für klares Kostenbewußtsein und Folgeszenarien für politische Entscheidungen. In Niederösterreich verfolge man diesbezüglich mehrere Strategien, beginnend bei der Aufklärung der Bürger, daß auch verdichteter Flachbau Individualität zulasse. Zudem müsse unter Berücksichtigung der Erschließungskosten die Möglichkeit geschaffen werden, Bauland zu mobilisieren. Auch mittels Raumordnung, Straßenbaupolitik und Wasserwirtschaft könne man reagieren, wie die bereits jetzt spürbaren Aktivitäten im Rahmen der Infrastrukturabgabe zeigten.

Auch von der vorgesehenen Vertrags-Raumordnung und dem Flächenrecycling erwarte er sich, so Sobotka, einiges an Baulandmobilisierung. Beim Straßenbau sei zwar zur Landschaftserhaltung ein funktionierendes Straßennetz nötig, es gelte aber, kosten- und naturschonende Varianten zu berücksichtigen. Punkto Wasserwirtschaft sei es unumgänglich, die bestehende Klärphilosophie zu überdenken, die zu einem ungeheuren Boden- und Nährstoffaustrag führe, und sich an einer ökologisch gerechten Entsorgung mittels Kleinkläranlagen zu orientieren. Die wesentlichste Stoßrichtung des Flächensparens sei aber mit Gesetzen nur bedingt erreichbar. Das Bewußtsein, daß sowohl das Erweitern urbaner Zentren als auch Chancen für den ländlichen Raum möglich zu sein hätten, müßte in den Köpfen der Menschen beginnen.

Die Studie weist für die untersuchten Gemeinden Erschließungskosten mit Straße, Wasser und Kanal in einer Bandbreite von 300.000 bis 650.000 Schilling aus. Ein Bauwerber zahlt im besten Fall ein Drittel dieser Kosten, was günstige Voraussetzungen für Suburbanisierung, vermehrte Zweitwohnsitze und "Stadtflucht" mit sich bringt und durch die sehr liberale Haltung der Länder und vieler ländlicher Gemeinden mit begünstigt wird.

Wird der Trend des Siedlungsflächenverbrauches der letzten 25 Jahre fortgeschrieben, belaufen sich die Infrastruktur-Folgekosten der Siedlungsentwicklung zwischen 1991 und 2010 in einer Höhe von 218 Milliarden Schilling. Durch flächen- und infrastruktursparende Siedlungstätigkeit, durch bestehende Instrumente der Raumordnung wie eine restriktivere Flächenwidmung und eine aktive Bodenpolitik der Gemeinden könnte der Gesamtinvestitionsbedarf für Infrastruktur um 15 Prozent auf 180 Milliarden Schilling reduziert werden. Weitere im Rahmen dieser Studie nicht bezifferte Einsparungspotentiale liegen in den Bereichen Nahversorgungsförderung, Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs und Sicherung einer kostengünstigen Wohnungsversorgung.

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