Zur Aussendung von GR Heidemarie Unterreiner bezüglich der Kunsthalle Wien stellt Kulturstadtrat Peter Marboe fest:

Wien (OTS) - Frau Unterreiner sendet derzeit ein obszönes Bild an Zeitungsredaktionen, spricht darüber bei Veranstaltungen und bei jeder nur möglichen Gelegenheit, stellt eine Kopie davon zur Verstärkung ihrer Wortmeldungen im Gemeinderat neben dem Rednerpult auf und macht APA/OTS-Aussendungen. Sie scheint alles tun zu wollen, um eine möglichst flächendeckende Verbreitung der abstoßenden Darstellung sicherzustellen. Das Bild zeigt nämlich, wie Frau Unterreiner nicht müde wird anzuführen, einen "erigierten Penis, der zwischen die Beine eines Babys fährt".

Das Bild ist tatsächlich schleußlich, grauslich, es erzeugt Wut, es ist abstoßend und vor allem abschreckend. Es entstand vor bald einem halben Jahrhundert als Teil eines Zyklus der Wiener Gruppe, an dessen Ende man sich selbst reflektierend in den Spiegel schaut. Damals wurde über Kindesmißbrauch nicht gesprochen. Die Wiener Gruppe war angetreten, um gesellschaftliche Tabus zu brechen, darunter auch das verlogene Schweigen zu einem der grauenhaftesten Verbrechen überhaupt, nämlich dem des Kindesmißbrauches. Dieses mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen, ist nicht nur vorrangiges Ziel der ÖVP, sondern, wie zu hoffen ist, aller politischen Parteien. Ob das mit derartig quälenden Darstellungen geht, darüber kann man sicher verschiedener Meinung sein. Wie man in diesem Zyklus eine Einladung zum Kindesmiß-brauch und nicht die abstoßende, ekelerregende Anklage sehen kann, ist unbegreiflich.

Sind etwa die grauenhaften Bilder der zerfetzten Leiber im Kosovo eine Einladung zu Gewalt und menschenverachtender Brutalität - oder spüren wir nicht eine unbändige Wut gegen die Urheber dieses Verbrechens?

Die ganze Doppelbödigkeit der Frau Unterreiner und jener, die sie unterstützen (erfreulicherweise sind das nicht alle im FPÖ-Klub) zeigt sich wohl am klarsten darin, daß sie selbst mit der FPÖ im Kulturausschuß ausdrücklich für diese Ausstellung in der Kunsthalle gestimmt hat.

Die Ausrede, man hätte dieses Bild nicht gekannt, ist ziemlich lächerlich. Wenn man sich dokumentarisch mit der Wiener Gruppe, die den Tabubruch und die Provokation als Stilmittel verstanden hat, beschäftigt, dann hat man als Kultursprecherin zu wissen, wofür man stimmt. Ein Minimum an fachlicher Kompetenz sollte man von den Bereichssprechern aller Parteien erwarten dürfen.

Und wenn Frau Unterreiner jetzt noch ein Mal bei Veranstaltungen oder öffentlichen Wortmeldungen behauptet, ich oder die ÖVP hätten zu diesem Bild keine klare Stellungnahme abgegeben (siehe oben), dann wird man ihr wohl neben dem Vorwurf der Doppelbödigkeit auch jenen der Unwahrheit nicht ersparen können. Ihr neuerlicher Hinweis auf Otto Mühl, zu dem es ebenso klare Äußerungen gibt, macht sie zur parteipolitisch motivierten Wiederholungstäterin.

Es ist entlarvend, daß Menschen, die sich zu einer urbanen, offenen, also zu einer "bürgerlichen" Kulturpolitik bekennen, von Frau Unterreiner panikartig als "linksaußen stehend" denunziert werden. Mit einer solchen Politik des Zensurierens, des Unverständnisses und vor allem der mangelnden Fähigkeit zur kulturpolitischen Auseinandersetzung, kann und will die Kulturpolitik dieser Stadt nichts zu tun haben. Frau Unterreiner bewegt sich mit ihren Wortmeldungen außerhalb der Bandbreit des (kultur)-politischen Dialogs, auf einem Terrain, das alles andere, aber sicher nicht das einer "bürgerlichen" Gesellschaft ist.

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