Stein- und keramische Industrie kämpft mit Umsatzrückgängen

Bundesregierung soll "Investitionsbremse" lösen - Beschäftigungsverträglichkeits-Prüfung für MinRoG gefordert

Wien (Pwk) - Die Stein- und keramische Industrie kämpft mit strukturell bedingten Rückgängen. Der Umsatz der rund 400 Betriebe sank 1998 um ein Prozent auf 28,3 Mrd Schilling. "Das ist der stärkste Rückschlag seit 1995", erklärte Leopold Helbich, Vorsteher des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, bei einer Pressekonferenz seines Verbandes in Wien. Die Exporte von 12 wesentlichen Produkten der Stein- und keramischen Industrie stiegen in den ersten drei Quartalen 1998 um 5,6 Prozent, während sich die Importe um 3,5 Prozent erhöhten. Die Zahl der Beschäftigten ging um 3,7 Prozent auf knapp 18.000 zurück. ****

Nach einem guten Start zu Beginn des Jahres ließ die Geschäftstätigkeit ab dem Frühsommer stark nach, was besonders ausgeprägt in den Monaten September und Oktober zu spüren war. Helbich macht für diese Entwicklung in erster Linie den Rückgang im Wohnbau um rund 10% verantwortlich, der von der leichten Erholung im Tiefbau nicht wettgemacht werden konnte.

Besonders hart hat es 1998 die Ziegelindustrie (-10%), die Feinkeramische Industrie (-8%), die Transportbetonindustrie (-5%) sowie die Sand- und Kiesindustrie getroffen. Etwas besser lief es für die Schleifmittelindustrie (+10%), die Kalkindustrie (+5,3%) und die Putz- und Mörtelindustrie (+4,2%).

Das Außenhandelsdefizit dürfte 1998 nach ersten Schätzungen rund 1,5 Mrd Schilling betragen. Das entspricht einer Erhöhung um 2,4 Prozent. Die Importe stiegen um 3,1 Prozent.

Die Bauwirtschaft wird heuer - wenn überhaupt - nur um 0,5% wachsen. Daher rechnet der Fachverband damit, daß sich der Umsatzrückgang in der Stein- und keramischen Industrie weiter beschleunigen wird. Die Lage dürfte sich frühestens ab dem Jahr 2000 entspannen, "vorausgesetzt, die Regierung löst die Investitionsbremse und signalisiert grünes Licht für baureife und auch finanzierbare Projekte", so Helbich. Laut Sozialministerin Eleonore Hostasch gibt es derzeit einen Investitionsstau bei Bauvorhaben in der Höhe von fast 125 Mrd Schilling, obwohl die Projekte seit Jahren auf dem Tisch liegen und die Zinsen in Österreich so niedrig wie noch nie sind.

"Unsere Betriebe sind aber auch mit eine Reihe von Strukturveränderungen konfrontiert, die sich bereits in den Umsatzzahlen niederschlagen" sagte Helbich. So werde im Wohnbau immer stärker auf Adaptierungen und Sanierungen gesetzt, bei denen deutlich weniger Material eingesetzt wird als im Neubau. Dazu kommt ein immer heftigerer Kampf um Marktanteile, der mit alternativen Baustoffen ausgetragen werden muß.

Sorgen bereitet der Branche die zunehmende Bdrängnis, in die der Abbau heimischer Bodenschätze gerät.

Das neue Mineralrohstoffgesetz (MinRoG) verhängt großflächige Abbauverbotszonen.

Der Entwurf eines Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP) führt schutzwürdige Gebiete an, wie etwa über 100 nach der NATURA 2000, bzw. in den 6 Nationalparks sowie unzähligen Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

Darüber hinaus bringt die überörtliche niederösterreichische Raumordnungsverordnung weitere Verbotszonen für die Gewinnung grundeigener mineralischer Rohstoffe mit sich. All das läuft laut

Wienerberger-Generaldirektor Erhard Schaschl darauf hinaus, den Rohstoffsektor lahm zu legen.

An Umweltminister Bartenstein appellierte Schaschl, die EU-UVP-Änderungs-Richtlinie maßvoll umzusetzen und den Entwurf zum UVP-Gesetz mit dem MinRoG zu harmonisieren. "Es besteht die Gefahr, daß wir als Musterschüler der EU ein Gesetz überhastet durchpeitschen, das mit praxisfernen, bürokratischen Bestimmungen und österreichischen Besonderheiten gespickt ist, die in anderen Ländern völlig unbekannt sind" mahnt Schaschl. So würde der aktuelle Entwurf des UVP in Kombination mit den Bestimmungen des MinRoG eine wahre Flut an Umweltverträglichkeits-Prüfungen provozieren. Alleine 80% aller Steinbrüche müßten sich dieser kostenintensiven Prozedur unterziehen. "Wenn wir nicht aufpassen, sind der Rohstoffabbau in Österreich und damit tausende Arbeitsplätze in kürzester Zeit massiv gefährdet", warnt Schaschl und schlägt vor, sowohl den Entwurf zum UVP als auch das MinRoG einer Beschäftigungsverträglichkeits-Prüfung zu unterziehen. "Dann wird sich zeigen, ob der Vorschlag von Kanzler Klima ernstgemeint war oder nicht", schloß Schaschl.
(Schluß) MH

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