Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich und Anzahl der Bankstellen im Jahr 1998

Wien (OTS)
- Die Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute wuchs im Jahr 1998 um +10,3%
- Großer Zuwachs des inländischen Zwischenbankverkehrs
- Beträchtliche Zuwächse bei Termin- und Sichteinlagen, der Zuwachs bei Spareinlagen war allerdings schwächer als in der Vergleichsperiode
- Fremdwährungskredite expandierten sehr stark
- Die besonderen außerbilanziellen Geschäfte haben im Jahr 1998 einen leichten Rückgang zu verzeichnen
- Anzahl der Bankstellen weiter gesunken

Geschäftsentwicklung
Die Bilanzsumme weitete sich 1998 mit +616,5 Mrd S oder +10,3%
im Vergleich zu 1997 (+6,2%) deutlich stärker aus. Dies ist hauptsächlich auf einen starken Zuwachs des inländischen Zwischenbankverkehrs, die gesteigerte Vergabe von Direktkrediten
in Fremdwährung sowie die wesentlich höhere Hereinnahme von Schillingeinlagen zurückzuführen.

Die gesamten Einlagen von inländischen Nichtbanken in
Schilling und Fremdwährung nahmen 1998 mit +110,1 Mrd S (+5,0%) deutlich stärker zu als 1997 (+38,9 Mrd S). Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf den Zuwachs der Schillingeinlagen, während hingegen die Fremdwährungseinlagen abnahmen (im 3. Quartal 1998 konnte noch ein gegenläufiger Trend - steigende Fremdwährungs-einlagen und sinkende Schillingeinlagen - verzeichnet werden).
Die Entwicklung der Schillingeinlagenseite zeigt, daß sowohl die Sichteinlagen (+44,0 Mrd S) als auch die Termineinlagen
(+47,9 Mrd S) deutlich stärker zunahmen als im Jahr 1997. Die S-Spareinlagen stiegen 1998 allerdings mit einer Zunahme von
+29,9 Mrd S etwas schwächer als 1997. Der Stand der Fremdw-ährungseinlagen reduzierte sich 1998 um -11,7 Mrd S, während er
im Jahr 1997 um -0,5 Mrd S zurückging. Zum 31. Dezember wurden
- trotz des gestiegenen Spareinlagen-Aufkommens - aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus nur 47,1 Mrd. ATS an Spareinlagenzinsen gutgeschrieben, was einen leichten Rückgang (-0,1 Mrd ATS) gegenüber 1997 bedeutet.

Der Umlauf eigener Inlandsemissionen an Nichtbanken, der 1997 (+8,1 Mrd S) noch leicht gewachsen war, verringerte sich in der Berichtsperiode um -27,3 Mrd S (-4,5%). Betragsmäßig ist dies vorwiegend auf den Rückgang der Schillingemissionen zurück-zuführen (24,3 Mrd S), die Fremdwährungsemissionen reduzierten sich um -3,0 Mrd S. Die Spareinlagenentwicklung wie auch jene
des Absatzes eigener Emissionen ist im Zusammenhang mit der Expansion des Fondsvolumens österreichischer Investmentfonds zu sehen, welches sich gemäß der Quartalsmeldung der Kapitalanlage-gesellschaften heuer bereits um + 198,6 Mrd S erhöht hat.

Die an inländische Nichtbanken vergebenen Direktkredite in Schilling und Fremdwährung entwickelten sich 1998 mit
+104,6 Mrd S oder +3,9% etwas dynamischer als im Jahr davor. Während die Fremdwährungskredite um +113,9 Mrd S oder +51,4 % anstiegen und damit einen mehr als doppelt so hohen Zuwachs als
im Jahr 1997 verzeichnete, war bei den Schillingkrediten eine geringfügige Abnahme in Höhe von -9,3 Mrd S (-0,4%) zu verzeichnen (1997: +38,9 Mrd S oder +1,6%).

Im Gegensatz dazu wiesen die titrierten Kredite an
inländische Nichtbanken mit -24,2 Mrd S (-6,1%) einen
wesentlich stärkeren Rückgang als 1997 (-9,1 Mrd S) auf. Dies
ist vor allem auf den Rückgang der Bundesschatzscheine
(-12,7 Mrd S) und anderer Schuldtitel öffentlicher Stellen
(-11,3 Mrd ATS) zurückzuführen.

Im Auslandsgeschäft weiteten sich in der Berichtsperiode
sowohl die Forderungen mit +73,5 Mrd S (+5,1%) als auch die Verpflichtungen mit +97,4 Mrd S (+5,9%) deutlich schwächer aus
als im Jahr 1997. Betragsmäßig stiegen auf der Aktivseite im
Jahr 1998 vor allem die Forderungen an ausländische Kunden sowie Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere ausländischer Emittenten. Passivseitig wurden die betragsmäßig größten Zuwächse bei den ausländischen verbrieften Verbindlichkeiten und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Kunden erzielt. Der Anteil der Auslandforderungen und Auslandsverbindlichkeiten gemessen an der Bilanzsumme betrug
1998 23% bzw. 26%. Im Jahr 1997 war der Anteil der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten an der
Bilanzsumme um je einen Prozentpunkt höher als im Jahr 1998.

Im Bereich der besonderen außerbilanziellen Geschäfte war im Jahresverlauf nach einem starken Einbruch im August ein in
Summe leichter Rückgang in der Höhe von -224,4 Mrd S (-3,6%) zu beobachten:
Betragsmäßig am stärksten sanken die Zinssatzverträge
(-321,6 Mrd S oder -7,3%), die Wechselkurs- und Goldverträge hingegen konnten einen Zuwachs von +141,8 Mrd S (+8,2%)
erzielen.

Bankstellen
Der Rückgang der Bankstellen fand auch 1998 seine Fortsetzung.
Die Anzahl der selbständigen Kreditinstitute verringerte sich gegenüber 1997 um 24 auf 971 Hauptanstalten. Das Netz der Niederlassungen reduzierte sich netto um 115 Zweigstellen auf
4.576, womit sich die Bankstellendichte auf rd. 1.460 Einwohner
pro Bankenstelle erhöhen dürfte. In den mehrstufigen Sektoren (Sparkassen, Volksbanken, Raiffeisenkassen) wurden weiterhin kleinere Banken durch größere Institute übernommen, wodurch regionale Einheiten entstanden. Ende 1998 unterhielten österreichische Banken im EU-Raum 9 von insgesamt 20 im Ausland tätigen Filialen. In Osteuropa betreiben zwei regionale
Sparkassen Filialen in Tschechien. Daneben sind 12 öster-reichische Kreditinstitute an 33 ost- bzw. mitteleuropäischen Banken zu zumindest 25 % beteiligt. Schließlich gibt es noch
26 Repräsentanzen von österreichischen Kreditinstituten in Osteuropa. Von ausländischen Kreditinstituten wurden 1998 in Österreich 17 Banken, 12 Zweigstellen und 31 Repräsentanzen betrieben, wovon 8 selbständige Kreditinstitute und 10 Zweig-niederlassungen aus dem EU-Raum stammen.

Anzahl der in Österreich tätigen Kreditinstitute
und Bankstellendichte

Haupt- Nieder- Bankstellen Bankstellen-anstalten lassungen insgesamt dichte Ew./BSt.
1985 ..... 1.241 4.090 5.331 1.419
1990 ..... 1.210 4.497 5.707 1.360
1995 ..... 1.041 4.686 5.727 1.406
1996 ..... 1.019 4.694 5.713 1.412
1997 ..... 995 4.691 5.686 1.422
1998 ..... 971 4.576 5.547 1.458 1)

1) vorläufiger Wert

GESCHÄFTSENTWICKLUNG DER KREDITINSTITUTE IN ÖSTERREICH

STAND VERÄNDERUNG
1998/12 1-12/1998 1-12/1997
Mrd S Mrd S in% Mrd S in%

Einlagen von inländ.
Nichtbanken ............. 2.293,98 110,10 5,00 38,86 1,80 ATS-Einlagen ........... 2.146,55 121,78 6,00 39,35 2,00 hievon Spareinlagen . 1.647,71 29,88 1,80 33,68 2,10 Fremdwährungs-Einlagen . 147,43 -11,69 -7,30 -0,49 -0,30 Eig.inl.Emissionen an
Nichtbanken (ATS u.FW) .. 576,37 -27,33 -4,50 8,15 1,40 Geldkapitalbildung v.inl.
Nichtbanken(ATS u.FW) ... 2.870,35 82,77 3,00 47,01 1,70 Direktkredite an inl.
Nichtbanken ............. 2.756,00 104,55 3,90 92,89 3,60 ATS-Direktkredite ...... 2.420,47 -9,33 -0,40 38,88 1,60 Fremdwährungs-Direktkred. 335,53 113,88 51,40 54,01 32,20 Titrierte Kredite an inl.
Nichtbanken (ATS u.FW) .. 376,35 -24,24 -6,10 -9,07 -2,20 Gesamtkredite an inländ.
Nichtbanken (ATS u.FW) .. 3.132,35 80,32 2,60 83,82 2,80 Auslandsaktiva .......... 1.523,79 73,55 5,10 195,62 15,60 Auslandspassiva ......... 1.746,71 97,40 5,90 269,71 19,50 Bilanzsumme ............. 6.616,77 616,54 10,30 349,25 6,20 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte ............... 6.587,49 -133,06 -1,98 875,16 14,52 hievon besondere außer-
bilanzmäßige Finanzgesch.5.975,93 -224,39 -3,62 859,13 16,08 Eigenmittel absolut ..... 457,87 61,65 15,60 49,54 14,30 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage*) ... 14,27

*)Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von

Eigenmitteln verpflichtet sind.

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