Rieder: Mit Impfprogramm auf richtigem Weg

Studie zum Impfverhalten von Eltern von Vorschulkindern präsentiert

Wien, (OTS) "Die Impfstudie unterstreicht die Notwendigkeit
und Sinnhaftigkeit des Wiener Impfprogrammes, weil sie bestätigt, daß wir bei Kindern die optimale Durch-impfungsrate noch nicht erreicht haben und die Vertrauensbasis zum Kinderarzt ein wesentlicher Faktor für die Impfbereitschaft der Eltern ist", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder im Rahmen der Präsentation der Studie "Einflußfaktoren auf das Impfverhalten von Eltern" am Montag. "Umso wichtiger ist es, daß jetzt die unentgeltliche Impfung beim Kinderarzt und beim Hausarzt
ermöglicht wurde", so Rieder.

Bekanntlich hat der Wiener Gemeinderat am 6. November 1998
den Einsatz von 17 Millionen Schilling für die Umsetzung des
Wiener Impfprogrammes für 1999 genehmigt. Ziel dieses Programmes ist es, durch Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte, die aus Steuermitteln dafür bezahlt werden, die Impfbereitschaft für alle allgemein empfohlenen Impfungen für Kinder im Vorschulalter zu erhöhen.

Die jetzt präsentierte Studie war von der MA 15 – Gesundheitswesen in Auftrag gegeben worden, um die Zielrichtung
des Impfprogrammes zu überprüfen. Durchgeführt wurde die Studie (Sample: 777 Befragungen) vom Institute for Social Research and Analysis - SORA unter der Leitung von Günther Ogris, MA, der ebenfalls an dem Mediengespräch teilnahm. Basis für die Befragung waren die 7 vom Obersten Sanitätsrat allgemein empfohlenen Impfungen (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Haemophilus influenza
B, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis B). Zielgruppe waren Eltern von Kindern bis zum sechsten Lebensjahr.

Bisherige Durchimpfungsraten bei Kindern

Aus der Studie ergeben sich folgende Daten zu Durchimpfungsraten (bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr):

Von den Kindern, die knapp vor dem Schuleintritt stehen, ist ein Viertel (24 Prozent) noch nicht gegen die von Zecken übertragbare Hirnhautentzündung geimpft. 24 Prozent der Kinder haben zwei FSME-Impfungen und 45 Prozent bereits drei Impfungen bekommen.

Rund ein Viertel der Kinder ist nicht gegen Haemophilus geimpft.

Verschwindend gering sind die Impfraten bei der Hepatitis.
Nur 13 Prozent der Kinder sind gegen Hepatitis A oder B geimpft.

Mit 45 Prozent ist die Durchimpfungsrate bei Pertussis (Keuchhusten) ebenfalls gering. Vor allem wird die Auffrischungsimpfung in vielen Fällen nicht gegeben, obwohl sie seit 1994 empfohlen wird. Denn 82 Prozent der Kinder haben bis zum 6. Lebensjahr drei Impfungen, aber nur 45 Prozent vier Impfungen erhalten.

Bei Röteln und Polio liegen die Durchimpfungsraten bei 77 Prozent.

Am höchsten sind die Durchimpfungsraten bei Diphtherie und Tetanus: 89 Prozent der Kinder sind bis zum 6. Lebensjahr durchgeimpft. Gegen Masern und Mumps sind dies 83 Prozent.

Die unterschiedlichen Durchimpfungsraten hängen nicht ausschließlich vom Lebensalter der Kinder ab, in dem sie geimpft werden, und lassen sich auch nur zum Teil damit erklären, daß manche Impfungen erst vor kurzer Zeit vom Obersten Sanitätsrat empfohlen worden sind. Das gilt für Hepatitis und Haemophilus influenza B. Offensichtlich gibt es unterschiedliche Verhaltensweisen der Eltern je nach Einschätzung der Krankheitsrisken und der Impfrisken.

Vertrauensbonus Kinderarzt

Gerade bei der Masernimpfung zeigt sich der hohe Stellenwert des Einflußfaktors "Vertrauen in den Kinderarzt". Die Masern-Durchimpfungsrate liegt bei einer optimalen Beziehung der Eltern
zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin bei 86 Prozent, aber nur mehr bei 65 oder 50 Prozent, wenn dieses Vertrauensverhältnis nicht gegeben ist.

Dabei ist zu beachten, daß das Vertrauen in die Kinderärzte in Wien sehr hoch ist, nur einzelne vertrauen ihrem Kinderarzt überhaupt nicht. Vier Fünftel der Befragten haben ein sehr hohes Vertrauen in die Kinderärzte. Übrigens lassen drei Viertel der Betroffenen ihre Kinder beim Kinderarzt impfen.

Einflußfaktor Kindergarten

Die Tatsache, daß das Kind in den Kindergarten geht oder nicht, wirkt sich am stärksten bei der Keuchhusten-Impfung aus. Jene Eltern, deren Kinder keinen Kindergarten besuchen, lassen
ihre Kinder im Schnitt wesentlich seltener impfen (30 Prozent
statt 53 Prozent Durchimpfung bis zum sechsten Lebensjahr). Auch bezüglich der Polio-Impfung besteht ein deutlicher Unterschied zwischen jenen Kindern, die in den Kindergarten gehen, und jenen, die zu Hause betreut werden (86 Prozent statt 66 Prozent Durchimpfung bis zum sechsten Lebensjahr).

Die Impfbereitschaft der Eltern ist Meinungsbildung oft nur vom Hören-Sagen. Wichtig sind allgemeine vertrauensbildende Maßnahmen im Sinne der Vorsorgemedizin statt Versuchen, medizinisches Detailwissen zu vermitteln.

Entscheidungsfaktor "Kosten" - Wiener Gratisimpfprogramm erhöht Durchimpfungsrate

Auch der Kostenfaktor spielt bei der Entscheidung, sein Kind impfen zu lassen oder nicht, eine Rolle. Für 44 Prozent der Befragten ist ein Impfung für 600 Schilling erschwinglich, dagegen halten 56 Prozent diese Kosten für kaum oder gar nicht leistbar. Betrachtet man diese Fragestellung nach Regionen, so erkennt man, daß die Eltern der Regionen Innen-Ost (2. und 20. Bezirk) und Ost (21., 22. Bezirk) sich eine Impfung in der Höhe von öS 600 am wenigsten leisten können, während jene in der Region Nord (18., 19. Bezirk) diesbezüglich am wenigsten Schwierigkeiten haben.

Dies ist der Hautpgrund, warum Eltern ihre Kinder in den Impfstellen der MA 15 oder den Elternberatungsstellen impfen
lassen.

Aus der Studie ergeben sich folgende Erkenntnisse

Eltern zögern in erster Linie dann, ihre Kinder impfen zu lassen, wenn sie von Impfschäden gehört haben oder ihre allgemeine Abwägung zwischen Impfungen und Krankheiten zuungunsten der Impfungen ausfällt. Solche Befürchtungen sind nicht als verfehlte Risikoabschätzungen zu verstehen, denen mit wissenschaftlich gestützter Aufklärung alleine beizukommen wäre, sondern eher als generalisierte Angst.

Haben die Eltern in ihrem Bekanntenkreis von dauerhaften Impfschäden gehört, so ist die Impfrate der Kinder bei Mumps um 12 Prozent und bei Masern und Röteln um jeweils 9 Prozent geringer. Auch die Impfraten bei Diphtherie und Tetanus sinken.

Bis zu einem Drittel (34 Prozent) der Befragten gibt an, die Gefahr bleibender Schäden nicht einschätzen zu können, bis zu 18 Prozent haben keine Vorstellung über die tatsächliche Ansteckungsgefahr der Krankheiten.

Nur im Falle von Polio führen Krankheitsängste auch zu einer erhöhten Impfbereitschaft. Wenn die Eltern bleibende Schäden bei Polio für möglich halten, wirkt sich das – wenn auch schwach – positiv auf die Polio-Impfrate (+3 Prozent) aus.

Halten die Eltern bleibende Schäden bei Röteln für möglich, so hat das zwar schwache Auswirkungen auf die Impfrate, allerdings nicht auf jene der Röteln-Impfung, sondern auf andere Impfungen.

Schätzen die Eltern die Ansteckungsgefahr bei Mumps größer ein, so wirkt sich das zwar nicht auf die Bereitschaft aus, das
Kind gegen Mumps impfen zu lassen, erhöht aber die Impfraten der Diphtherie- und der Tetanus-Impfung. (Schluß) mmr

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