Peter Handke in FORMAT: "Die Journalisten sind die Vandalen"

Wien (OTS) - Nachdem der österreichische Schriftsteller Peter Handke sich in Paris neuerlich über Serbien zu Wort gemeldet hat ("Ich bin in Serbien, wenn die Nato-Verbrecher das Land bombardieren"), tritt er im Wochenmagazin FORMAT einmal mehr zur robusten Medien-, Dichter- und Journalistenschelte an: "Ich habe in Rambouillet bemerkt, daß die Journalisten einander unheimlich auf die Nerven gehen. Die können einander gar nicht mehr sehen. Deswegen stürzen sie sich dann auf einen, der nicht zu ihnen gehört. Sie sind fast begierig darauf. Dabei habe ich das Gefühl, die möchten ja was Anderes machen als das, was sie tun. Alle möchten was anderes, sogar die böswilligen Journalisten." Und Handke weiter: "Sie sind alle in der Falle, in ihrer eigenen Falle, die Medien. Sie sind gar nicht froh darüber, habe ich in Rambouillet das Gespür gehabt. Und deshalb haben sie auch all diese Dichter erfunden in Sarajevo, diese Pseudodichter, die sie dann immer als Zeugen für irgendetwas aufgeführt haben. Die wurden nur für den Krieg als Dichter eingesetzt, irgendwelche Ali Muhmets. Die waren plötzlich Dichter, und jetzt sind sie wieder die üblichen Trinker, wahrscheinlich. Jedenfalls haben die Medien für den Krieg Dichter gebraucht, die in Wahrheit keine waren. Und jetzt kommt wirklich einer - und der ist gegen sie. Nicht einfach, oder?"

"Mein Gefühl ist", so Handke zu FORMAT, "daß sich die Journalisten selber nicht mehr ertragen. Und daß sie dadurch in der Falle sitzen. Daß sie sich nicht leiden können. Und wenn man sich selber nicht leiden kann, wird man natürlich nicht gut. In keiner Hinsicht gut. Leistet man keine gute Arbeit, ist man auch keine gute Existenz. Und das wird irgendwann einmal explodieren, dieser Journalismus. Oder implodieren. Oder auch nicht. Vielleicht sind wir jetzt in einer Periode von Spät-Rom, mit den Amerikanern als einziger Weltmacht, und dieses Spät-Rom wird ewig dauern. Und es gibt keine Ostgoten oder Westgoten oder Vandalen. Leider. Vielleicht waren die Vandalen gar nicht so schlecht in dem Moment der Geschichte. Aber heute sind wahrscheinlich die Medien selber die Vandalen. Und sie treten als Menschenrechtsschützer auf."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Format
Tel.: 217 55/0

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS