Werden HotelfachschülerInnen als Schwarzarbeiter missbraucht? Elternbrief: Lehrer kassieren für Vermittlung Schwarzgeld

Wien (HGPD/ÖGB). Eine Gruppe besorgter Eltern von SchülerInnen einer Wiener Hotelfachschule hat vor kurzem die Gewerkschaft
Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) darüber informiert, dass ihre Kinder "ohne Rücksicht auf Verluste" zu Praxiseinsätzen außer Haus gezwungen würden. Diese Praxiseinsätze würden von Lehrern organisiert, die dafür unversteuerte Entgelte von jenen Betrieben erhalten sollen, in die die Kinder zum Arbeiten
geschickt werden.++++

HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske dazu: "Da sich die Information der Eltern mit unseren Informationen aus einigen Betrieben deckt, wird die Gewerkschaft HGPD die Wirtschaftskammer und das Unterrichtsministerium schriftlich auffordern, diese illegalen Praktiken abzustellen."

"Gratiseinsätze" drosseln Nachfrage nach Arbeitskräften

HGPD-Vorsitzender Kaske wies darauf hin, dass seiner Gewerkschaft Informationen vorliegen, dass Praktikanten für ihre Einsätze – entgegen den Bestimmungen des Kollektivvertrages – keine Bezahlung erhalten. "Vor diesem Hintergrund wird erst klar, warum 1998, im besten Jahr in der Tourismusgeschichte Wiens, die Zahl der Beschäftigten um 0,8 Prozent oder 251 Personen auf 29.820 Beschäftigte zurückging und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor um 11,9 Prozent oder 700 Personen auf 6.601 Arbeit Suchende anwuchs. Es liegt der Verdacht nahe, dass hier die Nachfrage nach Tourismusarbeitskräften durch den illegalen Einsatz von HotelfachschülerInnen gedrosselt werden soll" meinte Kaske.

Praxiseinsätze bis spät in die Nacht gefährden Lernerfolg

Sowohl aus dem Schreiben der Elterngruppe, in der sich auch ein Unternehmer befindet, als auch aus den Informationen der Gewerkschaft aus Wiener Betrieben gehe hervor, dass die HotelfachschülerInnen von Betrieben auch außerhalb der für Jugendliche erlaubten Arbeitszeiten beschäftigt werden. Darunter, so beklagt sich die Elterngruppe, leide auch der Lern- und Prüfungserfolg der HotelfachschülerInnen.

Arbeitgeber schlugen Warnungen der Gewerkschaft in den Wind

Kaske dazu: "Das Maß ist voll. Wir haben die Arbeitgeber
wiederholt gewarnt, beim Einsatz von Praktikanten nicht über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus zu gehen. Wir bekennen uns
zur Ferialpraxis und zur betrieblichen Praxis von SchülerInnen unter legalen Bedingungen. Wir werden aber nicht zuschauen, wenn HotelfachschülerInnen von ihren Lehrern, die dafür offensichtlich auch noch 'unter der Hand' Provisionen kassieren, zu Gratiseinsätzen an Betriebe vermittelt werden, die ihren Arbeitskräftebedarf auf legalem Wege am Arbeitsmarkt decken müssten. Jetzt fordern wir ein Gipfelgespräch zwischen Regierung und Sozialpartnern über Regelungen, wie und unter welchen Bedingungen in Zukunft Praxiseinsätze von SchülerInnen erfolgen sollen."

Appell: Schulen haben Verpflichtungen gegenüber den SchülerInnen

Kaske appellierte weiters an die Schulleitung, sich ihrer Verpflichtung gegenüber ihren SchülerInnen zu besinnen. "Wenn junge Menschen sich für den Tourismusberuf entscheiden und dann bereits in den ersten Jahren ihrer Ausbildung mit den hässlichen und illegalen Praktiken in der Branche wie Nachtarbeit für Jugendliche, keine oder keine angemessene Bezahlung und Schwarzgeldprovisionen konfrontiert werden, wundert es mich nicht, dass sie nach dem Ende ihrer Schulausbildung der Branche für immer den Rücken kehren."

"Klassenkampf" unter den Lehrern auf Kosten der Kinder?

Bedrückend, so der HGPD-Vorsitzende, sei auch die Information der Elterngruppe, wonach an dieser Hotelfachschule derzeit unter den drei Lehrergruppen "Praktiker", "allgemein Bildende" und "Betriebswirte" ein interner "Klassenkampf" auf Kosten der Kinder ausgetragen werde. Kaske abschließend: "Rivalität unter den Lehrern, unversteuerte Provisionszahlungen, von den Betrieben unversteuerter Arbeitseinsatz der SchülerInnen und Beschäftigung außerhalb der legalen Arbeitszeiten: Wenn auch nur ein Teil davon stimmt, sind die Zustände an dieser Schule geeignet, dem gesamten Ausbildungssystem im Tourismus einen schweren Imageschaden zuzufügen." (ws)

ÖGB, 26. Februar 1999 Nr. 86

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