EU - Einheitliche Bedingungen bei Lebensmittelbestrahlung

Wien (OTS) - Seit mehr als zehn Jahren wird über eine Harmonisierung der rechtlichen Bestimmungen betreffend die Lebensmittelbestrahlung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union verhandelt. Ende 1998 gelang unter österreichischer Präsidentschaft ein Durchbruch, der jetzt vor der formellen Billigung durch den EU-Ministerrat und das europäische Parlament steht. Ab dem Zeitpunkt der endgültigen Billigung gibt es in ganz Europa einheitliche Bedingungen für die Bestrahlung von Lebensmitteln und ihre Kontrolle. Nach einer Übergangszeit soll eine einheitliche Positvliste gelten, nach der die Strahlenbehandlung bei getrockneten Kräutern und Gewürzen zulässig ist. Während der Übergangszeit bis zum Wirksamwerden der Positivliste können nationale Verbote noch angewendet werden.

Österreich kann vorbehaltlich späterer Ergänzungen der Positvliste auf EU-Ebene sein Verbot für alle anderen bestrahlten Lebensmittel aufrechterhalten. Zur Information der Konsumenten müssen Lebensmittel, die bestrahlte Zutaten enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein. Länder, in denen auch die Bestrahlung anderer Lebensmittel erlaubt ist, dürfen ihre bestehenden Zulassungen zunächst beibehalten. Sie haben aber keinen Anspruch darauf, diese Lebensmittel in Mitgliedstaaten zu exportieren, in denen eine Bestrahlung derartiger Produkte verboten ist. Lebensmittel, die bestrahlte Zutaten enthalten, müssen in Österreich mit den Worten "mit ionisierenden Strahlen behandelt" oder "bestrahlt" ausreichend kenntlich gemacht werden. Damit ist für den Konsumenten das Recht auf Information und die Freiheit der Wahl gewährleistet. Die Konsequenz dieser Regelungen für die österreichischen Verbraucher liegt auf der Hand. In naher Zukunft werden sie im Supermarkt Lebensmittel mit den erwähnten Angaben vorfinden, die über eine Strahlenbehandlung Auskunft geben. Eine entsprechende Informationsoffensive ist notwendig, um die Verbraucher über die Sicherheit und Nutzen dieser Technologie aufzuklären.

Bei der Lebensmittelbestrahlung wird Energie als Gamma-, Röntgen-oder Elektronenstrahlung auf das Lebensmittel übertragen. Die Zulassungs- und Betriebsbedingungen für Bestrahlungsanlagen sind in den neuen EU-Richtlinien im Detail geregelt. Da die benötigte Strahlenenergie sehr gering ist, können die Lebensmittel selbst nicht radioaktiv werden. Bei jenen Lebensmitteln, bei denen ionisierende Bestrahlung eingesetzt wird, treten so gut wie keine chemischen und sensorischen Veränderungen auf. Auch die natürliche Radioaktivität, die alle Lebensmittel enthalten, wird durch die Bestrahlung nicht verändert.

Seit jeher dienen Verfahren wie das Trocknen, Salzen oder Räuchern der Sicherstellung und der Versorgung mit gesunden und zuträglichen Lebensmitteln. Das für Österreich neue Verfahren der Lebensmittelbestrahlung kann die traditionellen Verfahren nicht ersetzen, es ist besonders wirksam in Kombination mit Verfahren wie Erhitzen, Kühlen, Gefrieren und Verpacken und kann auch dazu beitragen, den Einsatz chemischer Konservierungsstoffe zu reduzieren. Für eine Bestrahlung kommen nach Expertenschätzung höchstens 1 % unserer Lebensmittel in Frage. Auch aus wirtschaftlichen Überlegungen ist dieses Verfahren nur für wenige Produkte sinnvoll, da Bestrahlungsanlagen relativ teuer sind und aus diesem Grund nur an zentralen Stellen errichtet werden können.

Der Vorteil dieser Methode ist, daß Mikroorganismen, die Krankheiten verursachen oder Verderb auslösen können, abgetötet werden, wobei das Lebensmittel nur geringfügig erwärmt wird. Mikroorganismen, wie beispielsweise Salmonellen, sind bekannte Verursacher von Lebensmittelvergiftungen. Die ionisierende Bestrahlung von Lebensmittel kann dazu beitragen, die mikrobielle Belastung von Lebensmittel zu reduzieren und so das Risiko von Lebensmittelvergiftungen praktisch ausschalten. Durch die Verringerung der allgemeinen Belastung mit Mikroorgansismen kann die Haltbarkeit verbessert werden. Dabei verändert die Bestrahlung die Qualität, Beschaffenheit und Identität der Lebensmittel kaum.

Der Einfluß von bestrahlten Lebensmittel auf die Gesundheit wurde in jahrzehntelangen Versuchen in internationaler Zusammenarbeit wissenschaftlich untersucht. Im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam eine Expertengruppe bereits 1980 zu dem Schluß, daß mindestens bis zu einer Energiedosis von 10 kGy (1 Gray entspricht

1 Joule/kg) keine Bedenken bezüglich Toxikologie, Mikrobiologie und Nährwert bestehen. Bedenken einzelner Wissenschafter ist die WHO 1992 mit einer Expertengruppe entgegengetreten, die anhand neuester Forschungsergebnisse das frühere positive Urteil ausdrücklich bestätigt hat.

Als Kritikpunkte bei der Bestrahlung von Lebensmittel wurde die Bildung von Radikalen ins Treffen geführt. Diese findet allerdings nur in sehr geringem Ausmaß statt. Radikale sind Moleküle oder Atome, bei denen aus der Atomhülle Elektronen herausgeschlagen wurden, und die entweder weiterzerfallen oder mit anderen Inhaltsstoffen weiterreagieren. Zur Relativierung ist aber anzumerken, daß auch im Anfangsstadium des Fettverderbs oder beim Mahlen von trockenen Lebensmitteln eine Radikalbildung eintritt. Wie bei anderen Konservierungsverfahren treten auch bei der Bestrahlung von Lebensmittel Vitamin- und Nährwertverluste auf. Diese sind aber bei den für die Praxis infrage kommenden Dosiswerten sehr gering und mit anderen Verfahren vergleichbar.

Die Autorin ist Frau Mag. Alexandra Gruber, Ernährungswissenschafterin

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