Rieder: "Fordere Strukturreform bei niedergelassenen Ärzten"

Grippewelle zeigt Mängel der Versorgung auf; Grippeimpfung verstärkt anbieten

Wien, (OTS) "Auch wenn aus heutiger Sicht die diesjährige Grippewelle zu keinen dramatischen Zwischenfällen geführt hat, bestätigt sich die Notwendigkeit, sowohl das Angebot der Grippeimpfung auszubauen, als auch die Struktur im Bereich der niedergelassen Ärzte zu reformieren", betonte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder im Rahmen des Bürgermeisterpressegespräches am Dienstag. Rieder kündigte dabei den Ausbau des Wiener Impfprogramms an: "Wir wollen das Angebot
der Grippeimpfung bei niedergelassenen Ärzten, in den Schulen und in Betrieben ausbauen. Es geht vor allem darum, Menschen, die mit vielen anderen Menschen in beruflichem Kontakt stehen, den Zugang zur Impfung zu erleichtern." Hintergrund dabei: In Wien ließen
sich im Rahmen der letzten Influenzaimpfaktion (28.9.1998 bis 31.12.1998) in den Impfstellen der MA 15 – Gesundheitswesen 34.964 Personen impfen. Das sind um 4.640 Personen weniger als Jahr
davor. Erhebungen der ARGE INFLUENZA gehen von einer Durchimpfungsrate in Wien von rund 14 Prozent (1997) aus.****

"Offensichtlich fehlt auch die Motivation, sich einen Krankenstand zu ersparen, was zeigt, daß es noch mehr Aufklärungsarbeit bedarf, um von der Notwendigkeit der Grippeimpfung zu überzeugen", so Rieder. Weniger der volkswirtschaftliche Schaden als vielmehr der gesundheitliche
Aspekt der Folgewirkungen nach einer echten Grippe stehe dabei im Vordergrund, so Rieder.

Rieder fordert Strukturverbesserungen im niedergelassenen Bereich

"Es hat sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal die Spitalslastigkeit unseres Gesundheitswesens gezeigt", so Rieder, denn "die Hauptlast der Versorgung der Grippepatienten lag bei der Wiener Rettung und den Wiener Krankenhäusern, die diese Aufgabe
mit großem Einsatz gemeistert haben, wofür ich Ihnen meinen Dank aussprechen möchte."

"Ohne den persönlichen Einsatz der niedergelassenen Ärzte schmälern zu wollen, zeigt dies jedoch, daß die Strukturen im niedergelassenen Bereich verbessert werden müssen. Es ist ein volkswirtschaftlicher Unsinn, bei den Hausärzten zu sparen und
die viel teureren Rettungsdienste und Spitäler einzusetzen", betonte Rieder. Noch dazu seien die klassische "Ein Frau/Ein Mann-Ordination" ohne Wochenenddienst aber auch der viel zu kleine Ärztefunkdienst in einer solchen Situation naturgemäß überfordert.

Rieder weiter: "Nach der bevorstehenden Ärztekammerwahl werde ich die Ärztevertreter zu einem Runden Tisch einladen, um eine verbesserte Zusammenarbeit in der Gesundheitsvorsorge und der Erstversorgung von Erkrankungen wie der Grippe zu besprechen."

1999: Bisher rund 139.500 Grippekranke

Seit Beginn der Influenzawelle 1998/1999 wurden bisher
mittels des Grippemeldesystems 139.500 Erkrankungen an echter
Grippe (Influenza) und grippalen Infekten in Wien registriert. Auslöser der diesjährigen Grippewelle ist der Virustyp A(H3N2) – Stamm Sidney. Der Beginn der Grippewelle war in der ersten Woche
des Jahres 1999, momentan befinden wir uns in der 8. Woche, wobei der Höhepunkt in der 5. Woche mit 28.500 Neuerkrankungen zu verzeichnen war. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre gehen die Experten der MA 15 von weiteren Grippewochen aus, die Zahl der Neuerkrankungen ist jedoch rückläufig. So wurden in der Vorwoche (7. Woche ) "nur" noch 23.900 Neuerkankungsfälle registriert.

o 1. Woche (4.1.-10.1.): 11.800 Erkrankungen
o 2. Woche (11.1.-17.1.): 13.600 Erkrankungen
o 3. Woche (18.1.-24.1.): 14.900 Erkrankungen
o 4. Woche (25.1.-29.1.): 20.300 Erkrankungen
o 5. Woche (1.2.-7.2.): 28.500 Erkrankungen
o 6. Woche (8.2.-14.2.): 26.500 Erkrankungen
o 7. Woche (15.2.-21.2): 23.900 Erkrankungen

Die Wiener Gebietskrankenkasse vermerkte seit Beginn des
Jahres insgesamt 69.436 grippebedingte Krankmeldungen, was
bedeutet, daß rund jede dritte Krankmeldung auf Grippe bzw. grippale Infekte zurückzuführen ist.

Wieviele Todesfälle auf die Grippewelle zurückzuführen sind, wird sich erst retrospektiv anhand der Ganzjahres-Sterbestatistik ermitteln lassen. Internationale Erfahrungen gehen bei einer Grippewelle von 2-50 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern aus.

Viele Grippekranke in Spitälern aufgenommen

Die hohe Zahl der Grippeerkrankungen in der Woche der Semesterferien (5. Woche, 1.-7.Februar) in Wien hat zu einer massiven Inanspruchnahme aller medizinischen Einrichtungen
geführt. Da die Grippe oft mit sehr hohem Fieber und möglichen Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung einhergeht, und Hausärzte und der Ärztefunkdienst überlastet waren, wurden der Notruf der Wiener Rettung (Telefon 144) sowie
die Wiener Krankenanstalten verstärkt in Anspruch genommen.

Die Wiener Rettung (MA 70) verzeichnete am Höhepunkt der Grippewelle bis zu 550 Ausfahrten pro Tag. (durchschnittliche Ausfahrtszahl: bis zu 350) So hatte die Rettung alleine in der 5. Woche der Grippewelle 3403 Ausfahrten zu verzeichnen. Das sind um
39 Prozent mehr Ausfahrten als in einer "durchschnittlichen"
Woche. Im zentralen Bettencomputer der Wiener Rettung, in dem zur Verfügung stehende leere Krankenhausbetten rund um die Uhr abgerufen werden können, mußten die Aufnahmekontingente der einzelnen Internen Abteilungen der Städtischen Krankenhäuser aber auch der Ordensspitäler und des Hanuschkrankenhauses immer wieder erhöht werden, um die Grippepatienten unterbringen zu können.

Dies führte dazu, daß am Höhepunkt der Grippewelle in den Internen Abteilungen der Spitälern der Stadt Wien bis zu 200 Grippe-Notbetten aufgestellt werden mußten. Ebenso suchten viele Grippe-Patienten die Notfallambulanzen auf, wobei der Großteil dieser Patienten ihre Grippe nach dem Besuch in der
Spitalsambulanz zu Hause auskurieren konnte.

Grippemeldesystem

In das Wiener Grippemeldesystem sind 29 niedergelassene Ärzte für Allgemeinmedizin sowie 5 niedergelassene Kinderfachärzte eingebunden. Aufgrund der wöchentlich von diesen Ärzten ermittelten Zahl der Neuerkrankungen an Influenza oder grippalen Infekten errechnen Experten der MA 15 eine Gesamtstatistik für Wien. So können Beginn und Höhepunkt der Grippewelle genau erfaßt werden. (Schluß) nk/

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