Unilever-Betriebsräte wehren sich gegen Arbeitsplatzabbau

SPERRFRIST: MONTAG, 22.2.1999, 11.00 UHR

Wien (ANG/ÖGB). Der Euro-Betriebsrat des Unilever-Konzerns nimmt die Veröffentlichung der Bilanz von Unilever zum Anlass, auf die Diskrepanz zwischen Gewinnentwicklung und Arbeitsplatzminimierung hinzuweisen. Dividendenauszahlungen in mehrstelliger Millionenhöhe steht der Verlust Tausender Arbeitsplätze gegenüber.++++

Von 1991 bis 1997 hat Unilever 57 Betriebe in Europa geschlossen, das ist mehr als ein Viertel aller Standorte. Innerhalb eines einzigen Jahres, von 1996 auf 1997, reduzierte sich die Anzahl der Unilever-Arbeitsplätze in Europa von 99.000 auf 82.000.

In Österreich sank die Zahl der Arbeitsplätze von rund 4000 im Jahr 1992 auf 1200 zum Ende des Jahres 1998. Das ist nicht einmal ein Drittel des Beschäftigtenstandes vor wenigen Jahren! Geschlossen wurde die Eiserzeugung (Eskimo) in Großenzersdorf und das Werk Simmering (Waschmittel, Parfumerieartikel). Starke Produktionseinschränkungen musste auch das Werk Atzgersdorf ("Kuner") hinnehmen.

Verkauft wurden von Unilever in den letzten Jahren eine Reihe namhafter Betriebe wie Bensdorp, Nordsee, Allpack oder der Tiefkühlvertrieb TKL.

Unilever muss seine Politik ändern

Der Unilever-EBR stellt fest, dass die Ertragslage des Konzerns hervorragend ist und "das Geld in der Tasche brennt".
International sind Milliarden zurückgestellt. Der Unilever-EBR fordert diese Rückstellungen für Investitionen zur Stärkung und Ausweitung der Geschäfte statt für weitere Restrukturierungen zu verwenden.

Mit übermotivierten Aktionären und demotivierten Belegschaften sind auf Dauer keine erfolgreichen Geschäfte zu machen. Der Unilever-EBR verlangt deshalb einen Stimmungsumschwung und
kündigte entsprechende Reaktionen an, so sich Unilever weiterhin seiner sozialen Verantwortung entzieht.

Einseitige Managemententscheidungen, die nur zum Verlust von Arbeitsplätzen führen, können und wollen die Unilever-Betriebsräte nicht mehr länger hinnehmen.

Die Gewerkschaften Agrar-Nahrung-Genuss (ANG) sowie der Privatangestellten (GPA) haben den Betriebsräten ihre volle Unterstützung zugesagt. GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter
verurteilt in diesem Zusammenhang die Shareholder value - Politik des Unternehmens, bei der höhere Börsenkurse mit dem Verlust von Arbeitsplätzen erzielt werden. Der ANG-Vorsitzende Dr. Leopold Simperl weist darauf hin, dass die Entscheidung für Betriebsschliessungen in vielen Fällen nicht deshalb erfolgt, weil das Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt,
sondern nur der Erzielung höherer Gewinne dient.

Die Protestbetriebsversammlungen in allen europäischen Unilever-Niederlassungen am Dienstag, dem 23. Februar 1999 dienen daher vorerst der Information der Unilever-Beschäftigten, sind jedoch
als deutlicher Hinweis an die Konzernführung zu verstehen, dass
ein weiterer Arbeitsplatzabbau auch gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen nach sich ziehen wird.

ÖGB, 22. Februar 1999 Nr. 81

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