WKÖ: Qualitative, nicht quantitative Bildungspolitik gefragt

Wirtschaft warnt vor Fehlinterpretationen der OECD-Studie

Wien (Pwk) - Ein grundlegendes Mißverständnis bezüglich Zweck und Zielrichtung der jüngsten OECD-Studie über das österreichische Bildungswesen ortet die Wirtschaftskammer Österreich: Ziel der Studie war es festzustellen, was die Verwirklichung bestimmter bildungspolitischer Vorgaben der OECD bzw. die Realisierung eines bestimmten Konzeptes des "lebenslangen Lernens" in der Praxis kosten würde. Gefragt war ein "Preis für Visionen", über deren Durchführung und Durchführbarkeit Bildungspolitiker erst diskutieren und dann entscheiden sollten. ****

Weder ist eine hohe Akademikerquote ein Wert an sich, wie Länder mit hohen Akademikerquoten und entsprechend hoher Arbeitslosigkeit beweisen, noch ist die Erreichung "magischer Zielwerte" wie etwa eine 40-prozentige Beteiligung an der Weiterbildung von vornherein positiv, stellt die Wirtschaftskammer Österreich zu den Diskussionen der letzten Tage fest. Vermißt wird eine seriöse und profunde Auseinandersetzung mit dieser Studie, um aufgrund der durchaus diskutablen OECD-Vorgaben festzustellen, was deren Umsetzung in der österreichischen Bildungspraxis bedeuten würde.

Die Wirtschaft wendet sich gegen ein bloß quantitatives Denken, wie etwa eine Steigerung der Akademikerquote, ohne Berücksichtigung des berufsbildenden höheren Schulwesens. Oder eine Steigerung der Weiterbildungsquote, ohne Berücksichtigung informellen Lernens und von Kurzveranstaltungen. Oder die Forcierung von universitären Kurzstudien, ohne Berücksichtigung der bestehenden und bewährten österreichischen Bildungsstrukturen wie der BHS.

Schon heute liegt Österreich mit seinen Bildungsausgaben durchaus im Schnitt der EU- und OECD-Staaten. Sicherlich gibt es besonders bei der Förderung beruflicher Weiterbildung durch den Staat ein Defizit. Hier hat die Wirtschaft schon seit langem ein System der steuerlichen Absetzbarkeit privater Bildungsausgaben gefordert. Die Wirtschaft sieht aber etwa in einem generellen Ausbau des Universitätssektors keinen Sinn. Im Gegenteil: hier muß es zu Umschichtungen, etwa in Richtung Fachhochschulen, und zu Effizienzsteigerungen der Absolventen durch die Einführung eines "Bakkalaureats mit Arbeitsmarktrelevanz" kommen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

BW-Abteilung
Tel.: 50105/4072

Dr. Georg Piskaty

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK