Gruber: Forderung nach einer radikalen Arbeitszeitverkürzung

Steigerung der Produktivität erfordert begleitende Maßnahmen in der Beschäftigungspolitik

St. Pölten, (SPI) - "Die Produktivität jedes einzelnen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten, vor allem durch den technischen Fortschritt und die Computerisierung der Produktionsprozesse, gewaltig gesteigert. Verschiedene Berufsgruppen sind zur Gänze verschwunden, neue sind entstanden und die Menschen konnten sich durch ihren Einsatz einen hohen Lebensstandard erarbeiten. Die Entwicklung in der Beschäftigungspolitik ist allerdings hinter die Fortschritte der Produktivität und damit der Wirtschaftspolitik zurückgefallen. Dies ist mit ein Grund, warum die Geisel der Arbeitslosigkeit noch nicht entscheidend zurückgedrängt werden konnte", stellt der St. Pöltner SP-Abg.a.D. und Bezirksobmann der drittgrößten Bezirksorganisation Österreich, Karl Gruber, heute fest.****

Für eine friedvolle Gesellschaftsordnung, für die Demokratie, aber vor allem für eine perspektivenreiche Zukunft für unsere Jugend wird es daher von entscheidender Bedeutung sein, dieses Problemfeld der Arbeitslosigkeit zu lösen. Dies ist allerdings nur dann zu schaffen, wenn Fortschritte der Produktivität an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weitergereicht werden. Dies ist angesichts der heute vorherrschenden Verteilungsmechanismen nur mehr mit einer maßvollen Arbeitszeitverkürzung möglich, wie dies in anderen europäischen Ländern bereits praktiziert wurde. Die bereits erzielten Produktivitätsfortschritte würden zwar eine Wochenarbeitszeitverkürzung auf unter dreißig Stunden notwendig machen, die Durchsetzung dieser Maßnahme erscheint derzeit aber kaum wahrscheinlich.

Deshalb sollte die Politik sich der Forderung einer generellen Senkung der Wochenarbeitszeit auf 30 bis 35 Stunden wieder verstärkt annehmen. Dies nicht nur hinsichtlich einer Verbesserung der Verteilungsgerechtigkeit, sondern vor allem im Bezug auf die zu erwartenden Impulse am Arbeitsmarkt. Wir können sicher nicht alle Menschen ohne Beschäftigung damit wieder eine Arbeit verschaffen, doch Fachleute gehen bei einer radikalen Arbeitszeitverkürzung von rund 150.000 bis 180.000 neuen Beschäftigungsverhältnissen aus. Positive Beispiele finden wir in unserem Nachbarland Deutschland, wo beispielsweise in den VW-Werken eine 30-Stunden-Woche bei einer 15%igen Lohn- und Gehaltskürzung eingeführt wurde. Ohne die 30-Stunden-Woche im Metallerbereich, so berichten Experten, gäbe es um rund 800.000 Arbeitslose mehr in Deutschland. "Solidarität unter den Beschäftigten sicherte damit nicht nur tausende Arbeitsplätze, sie ermöglichte auch den Unternehmen eine gewaltige Flexibilisierung ihrer Arbeitsprozesse", so Gruber.

Positive Effekte würden sich nämlich auch im Bereich der Freizeitindustrie ergeben, die bereits heute zu den hoffnungsvollen Wachstumsbranchen zählt. "Wir müssen den Menschen wieder Perspektiven geben, die derzeitige Situation erfordert ein Denken in Generationen, nicht nach Wahlkalendern. Bei einem Fortbestand des Ungleichgewichtes bei der Beschäftigung einerseits, aber auch der Verteilung volkswirtschaftlichen Einkommens andererseits könnten wieder Schatten der Vergangenheit ihren Gräbern entsteigen, die wir alle bereits tot geglaubt haben", so der St. Pöltner SP-Bezirksobmann und Vorsitzende der SPNÖ-Freiheitskämpfer abschließend.
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