Zusätzlich 30 Mrd für Bildung? Studienautoren warnen vor übereilten Schlußfolgerungen

Wien (OTS) - Mit einem dicken Fragezeichen versieht das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft - ibw - die Pressemeldung des Unterrichtsministeriums zur OECD-Studie zur Finanzierung des Bildungssystems. Ziel dieser Studie, an der ibw-Experten mitgewirkt haben, war es festzustellen, welcher Preis für die Umsetzung bestimmter bildungspolitischer Visionen zu bezahlen ist. Nach Meinung von Klaus Schedler und Petra Wimmer vom ibw stellt die Meldung, wonach in Österreich die Ausgaben für Bildung um 40 % erhöht werden müssen, um die in der OECD gegebenen Standards zu erreichen, eine höchst eigenwillige Interpretation der tatsächlichen Studienergebnisse dar.

Tatsache ist, daß die OECD bislang im Rahmen dieses Projektes noch keinerlei internationale Vergleiche durchgeführt hat, doch ist seit langem bekannt, daß der österreichische Anteil aller Bildungsausgaben am Bruttoinlandprodukt dem Durchschnitt der OECD-Länder entspricht. Der in der Studie errechnete zusätzliche finanzielle Mehraufwand für Bildung ergibt sich demgegenüber aus Modellrechnungen für die Realisierung bestimmter bildungspolitische Ziele, die von der OECD als erstrebenswert definiert wurden.

Dabei ließen sich manche der Vorgaben nur bedingt auf das österreichische Bildungssystem übertragen: So trägt etwa die Vorstellung, daß 30 % eines Altersjahrganges universitäre Kurzstudien absolvieren sollten, in keiner Weise dem Umstand Rechnung, daß vergleichbare Bildungsprogramme hierzulande an berufsbildenden höheren Schulen angeboten werden. Ähnlich auch die Situation bei der Erwachsenenbildung, wo die Vorgabe einer Beteiligungsquote von 40 % in der Praxis schon in fast greifbarer Nähe erscheint, jedoch in der weiteren Folge durch eine relativ enge Definition, was als berufliche Weiterbildung gewertet werden darf, auf 26 % zu reduzieren war.

Ferner wird von den Mitarbeitern an der Studie kritisch vermerkt, daß die Zielvorgaben der OECD weitgehend formal bestimmt wurden und somit die Funktion des Bildungswesen, im Sinne der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedürfnisse auszubilden, unbeachtet geblieben ist. Von einer erst vor kurzem festgestellten OECD-Studie, an der ebenfalls das ibw beteiligt war, wissen wir aber, daß das österreichische Bildungssystem hinsichtlich der Eingliederung der Absolventen ins Beschäftigungssystem durchaus erfolgreich ist. Ein Umstand der nicht zuletzt in den im internationalen Vergleich günstigen Arbeitsmarktdaten zum Ausdruck kommt.

Die Ergebnisse der Studie sollten also nicht mißverstanden werden:
Ziel war nicht die Feststellung von Bildungsdefiziten in Österreich, sondern es ging darum zu zeigen, daß mit der Realisierung bildungspolitischer Visionen beträchtliche Ausgaben erforderlich werden können. Die Frage ob und in welcher Form die von der OECD definierten Bildungsziele in Österreich wirklich angestrebt werden sollen, ist jedoch nach wie vor von den österreichischen Bildungspolitikern zu prüfen.

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