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Keine Pensionszeiten bei Lehrlingsausbildung im Heim? Volksanwältin Krammer fordert Gleichstellung für alle Lehrlinge

Wien (OTS) - Eine böse Überraschung erwartet derzeit jene, die Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre ihre Lehre nicht in einem Betrieb, sondern in einem Jugendheim absolviert haben. Denn für
die Pension werden diese Zeiten nicht angerechnet, auch wenn die Lehre erfolgreich mit der Gesellenprüfung abgeschlossen wurde. Volksanwältin Krammer fordert jetzt Abhilfe: "Das ist eine
sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung, die rasch beseitigt werden muss."****

Hans S., ehemaliger Zögling des Jugendheims in Eggenburg, der Ende der 50er Jahre dort eine Maurerlehre absolviert hatte,
erlebte bei der Pensionsversicherung der Arbeiter eine böse Überraschung. Im Hinblick auf eine künftige Pensionierung ließ sich Herr S. eine Aufstellung seiner Versicherungszeiten aushändigen. Ergebnis: Die Zeit seiner im Heim absolvierten Lehrlingsausbildung war nicht berücksichtigt. Grund genug für Herrn S., mit diesem Problem der Versicherungslücke bei der Volksanwaltschaft Hilfe zu suchen.

Volksanwältin Christa Krammer: "Dass Betroffene, die ohnehin eine schwere Kindheit hatten und ihre Lehre in einem Heim machen mussten, schlechter gestellt sind als alle anderen Lehrlinge,
halte ich für eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung. Solche Ungerechtigkeiten müssen beseitigt werden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese Zeiten für die gesetzliche Pensionsversicherung berücksichtigt werden."

Die Lehrlinge im Eggenburger Heim wurden wie auch in vergleichbaren Institutionen erst für die Zeiträume ab 1. Jänner 1964 zur gesetzlichen Pensionsversicherung angemeldet. Und zwar zunächst nur auf Basis einer festen Beitragsgrundlage, ab 1. Juli 1971 auf der Grundlage der arbeitsrechtlich gebührenden Lehrlingsentschädigung. Frühere Lehrlingszeiten in Heimen wurden auf Grund eines Urteils des Verwaltungsgerichtshofes aus dem Jahr 1959 nicht als versicherungspflichtig behandelt und zählen daher für die Pensionsversicherung nicht.

Für Jugendliche, die von der Jugendwohlfahrt oder dem Jugendgericht in Heimen untergebracht wurden, gab es bereits Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre die Möglichkeit, in den Werkstätten solcher Jugendheime eine Lehrlingsausbildung zu absolvieren, die wie bei anderen Lehrlingen auch mit einer Gesellenprüfung abgeschlossen wurde. Als Gegenleistung für ihre Tätigkeit erhielten die Jugendlichen freie Unterkunft und Verpflegung sowie ein Taschengeld, das allerdings unter der regulären Lehrlingsentschädigung lag.

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VA Dr. Krammer

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