EU-Tiertransportskandal ohne Ende? Wieder schwerer Tiertransport-Unfall auf Tauernautobahn Übermüdeter Fahrer fuhr in Leitplanke, LKW kippte und fing Feuer, Tiere tot

Wien (OTS) - Bereits zum dritten Mal innerhalb von 10 Monaten ereignete sich auf der Tauernautobahn ein schwerer Unfall mit einem Transit-Tiertransporter wegen Übermüdung des Fahrers: Am 17. April 98 stürzte ein holländischer Schweinetransporter bei Villach auf dem Weg nach Süditalien um, wobei 68 Tiere gleich verendeten und 150 weitere notgeschlachtet bzw. erschossen werden mußten, weil sie sich in der Panik gegenseitig zu Tode trampelten. Der Fahrer gab damals an, von einem anderen Fahrzeug abgedrängt worden zu sein (?), nur konnte dieses bis heute nicht ausgeforscht werden...

In der Nacht zum 28 August 98 stürzte der Anhänger eines mit 29 Schlachtbullen beladenen LKWs aus Norddeutschland auf dem Weg in den Libanon auf einer Autobahnbrücke bei Werfen um. Ein Teil der Tiere stürzte dabei 40 Meter (!) über die Brücke in die Tiefe, der Rest irrte mehr oder weniger schwer verletzt auf der Fahrbahn herum. Die Fahrerin hatte in ihrer Müdigkeit beim Herausfahren aus einem Parkplatz einen anderen LKW übersehen und sie krachten zusammen.

Und heute der dritte folgenschwere (bekannt gewordene) Unfall: In den Morgenstunden fuhr wiederum ein mit 28 Schlachtbullen beladener Transporter bei Zedernhaus (vor St. Michael) in die Leitplanken und stürzte um; der Fahrer war eingeschlafen! Laut Teletext fing der LKW Feuer, mindestens zehn Tiere wurden getötet, der Rest rannte in Panik auf der Autobahn herum. Diese mußte stundenlang in beiden Richtungen für den gesamten Verkehr gesperrt werden.

In allen Fällen: Unermeßliches Leiden für die unschuldige Kreatur, die für einen einzigen Zweck über tausende von Kilometern lebend transportiert werden: die menschliche Profitsucht, gespeist durch den schier unerschöpflichen Subventionsfluß der EU (also unsere Steuergelder) für mafiöse Transportunternehmer. Denn all diese Transporte sind - wie der VgT bereits Dutzende Male aufgezeigt hat -nicht nur nach dem österr. Tiertransportgesetz illegal (max. 260 km oder 6 Stunden Fahrtzeit bis zum nächstgelegenen Schlachthof), sondern auch nach einer Reihe anderer Gesetze. So sogar nach der EU-Tiertransportrichtlinie, die zwar mehr als lasch ist, aber immerhin eine Pause und Versorgung der Tiere nach 14 Stunden mit sog. Spezial-LKWs bzw. nach 8 Stunden mit herkömmlichen Transportern vorschreiben würde. Ebenso die Versorgung bei eigens dafür bestimmten Labestationen (wovon es allerdings noch sehr wenige gibt). Nur wer kontrolliert's?

Auf jeden Fall verstoßen aber die meisten dieser Langzeittransporter gegen die ganz ge- wöhnliche Straßenverkehrsordnung: Danach dürften die Fahrer nicht länger als 9 Stunden täglich unterwegs sein. Durch routinemäßige Fälschung von Papieren, die wir nachweisen konnten, sowie von Tachoscheiben, die einfach ausgetauscht werden, um die Behörden hinters Licht zu führen, sind die Fahrer oft mehr als 20 Stunden am Steuer. Eine unverantwortliche Situation - nicht nur für die unschuldigen Tiere, sondern auch für unbeteiligte Autofahrer, die durch derartige Unfälle ebenfalls mit dem Leben bezahlen könnten. Daß diese skandalösen Vorfälle von der Exekutive nicht nur praktisch nie kontrolliert und somit bewußt in Kauf genommen werden (es könnten täglich mindestens ein Dutzend illegaler Ferntransporter angezeigt werden), sondern die illegalen Ferntransporter auch noch von unseren Beamten in Schutz genommen werden, haben wir bereits etliche Male miterleben müssen. Zuletzt wurde dieser Skandal durch eine Anfragebeantwortung des Innenministers Schlögl (Zahl 0117/1248-II/2398) an die Grünen bestätigt, worin gesagt wird, daß am 16.5.98 keine Kontrollen der Tiertransporter stattfanden, diese jedoch von der Gendarmerie eskortiert wurden, um sie vor ?gesetzwidrigen Aktionen" von Tierschützern zu schützen. Zudem konnte einer der Transporter vor den Augen der Exekutive, nachdem er einen Tierschützer angefahren hatte, Fahrerflucht begehen. Die Beamten waren nämlich gerade damit beschäftigt, Tierschützer wie Verbrecher zu behandeln, mit Handschellen abzuführen und sogar mit den Stiefeln auf den Boden zu drücken und mit demütigenden Schimpfwörtern zu belegen...

Wieviel muß eigentlich noch passieren - ja müssen endlich auch einige Menschen zu Tode kommen -- bis unsere laxen Behördenvertreter und Politiker endlich auf diesen Jahrhundertskandal reagieren? Die Politiker, die all das zu verantworten haben, dies vertuschen wollen bzw. zu all dem schweigen, haben wir ja gewählt - im Superwahljahr 1999 wäre Gelegenheit, das zu verändern!

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