WKÖ pocht weiter auf "Jahr 2000-Beauftragten" der Regierung

Stummvoll:"Verantwortung wird nur auf viele Akteure verteilt" Auch Elektroindustrie fordert Beauftragten für Millenium-Bug

Wien (Pwk) - Die Wirtschaftskammer Österreich ist unzufrieden mit der Aufforderung von Bundeskanzler Klima an alle Minister, die elektronischen Systeme ihrer Ressorts auf eine "Jahr 2000-Verträglichkeit" zu überprüfen. "Damit wird lediglich die Verantwortung auf viele Akteure verteilt, die Unsicherheit für die Wirtschaft und die Bevölkerung bleibt bestehen", kritisiert Günter Stummvoll, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich. Die Wirtschaftskammer fordert daher einen eigenen Regierungsbeauftragten für das Jahr-2000-Problem, der nicht nur sämtliche Aktivitäten der Republik Österreich koordiniert, sondern auch für den Informationsaustauch auf nationaler und internationaler Ebene verantwortlich ist. ****

Vor allem die lebenswichtigen Sektoren wie Energie, Telekommunikation, Verkehr, Geld-Kredit und Gesundheit brauchen eine koordinierte Aktions- und Informationsplattform, wie sie in vielen Staaten bereits selbstverständlich ist. Dort herrscht auch große Verwunderung darüber, daß eine solche Plattform in Österreich nicht existiert und Erfolge bei laufenden Vorbereitungsmaßnahmen nicht kommuniziert werden.

Der Regierungsbeauftragte sollte möglichst vollständig auf alle Informationen der staatlichen Verwaltung zugreifen können und die Informationsweitergabe an internationale Gremien und Partner koordinieren. Seine Aufgabe wäre es, die Bevölkerung über die Vorbereitungsmaßnahmen der Bundesregierung zu informieren und einen international abgestimmten Notfallplan für sensible Bereiche wie die Energieversorgung zu erstellen. Weiters sollte er nicht nur das Problembewußtsein bei österreichischen Unternehmen schärfen, sondern auch als Know-how-Vermittler für die ehemaligen Oststaaten zur Verfügung stehen.

Die Wirtschaftskammer Österreich steht mit ihrer Forderung nach einem Regierungsverantwortlichen für den "Millenium-Bug" nicht alleine da. Auch die Elektro- und Elektronikindustrie fordert die Regierung auf, die Öffentlichkeit und speziell die Unternehmen mehr darüber zu informieren, was in den öffentlichen Diensten wie Energie und Verkehr zur Jahr 2.000-Umstellung getan wird, oder ob es zu Katastrophen kommen kann. "Wie sollen die Industriebetriebe sonst wissen, ob ihre Primärversorgung - vor allem im Energiebereich - auch sichergestellt ist", bringt Robert Tencl von der ABB Adtranz die Sache auf den Punkt. Während man in den USA mit dem Thema offen umgeht und ein eigenes Lobbying betreibt, werde hier von der Regierung 'Geheimnistuerei' betrieben, so ein Vertreter von Siemens Matsushita. "Für die Elektroindustrie ist die Schaffung einer eigenen Jahr 2.000-Anlaufstelle auf Regierungsebene unabdingbar, um wichtige Informationsdienste für die Bevölkerung zu leisten", ist auch Albert Hochleitner, Vorsteher des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) überzeugt.

Während die meisten Unternehmen gar nicht wissen, in was für Katastrophen sie im Jahr 2000 vom öffentlichen Dienst hineingestoßen werden könnten, haben sich die Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) bereits sehr gut auf den ,Big Bang" vorbereitet. Neun von zehn Unternehmen werden noch im heurigen Frühjahr ihre Vorbereitungen auf das Jahr 2000 abschließen, ergab eine Umfrage des FEEI unter seinen Mitgliedsunternehmen. 94 Prozent der Firmen gaben an, daß sie spätestens im Dezember letzten Jahres mit der Umstellung begonnen haben. Ein Termin, der den notwendigen Zeitvorlauf einräumt, um größere Schäden durch notwendige Umprogrammierungen auszuschließen.

Etwa 75 Prozent der Betriebe der Elektro- und Elektronikindustrie haben bei ihren Vorbereitungen auf das nächste Jahrtausend bereits rechtliche Aspekte, wie Haftungsfragen gegenüber Kunden und Lieferanten oder Reaktionen auf Anfragen von Dritten berücksichtigt. Ein Aspekt, der erst im nächsten Jahrtausend eine tragende Rolle spielen wird.
(Schluß) MH

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