Der Industriekonjunktur geht die Luft aus

In den meisten Fachverbänden dominiert die Stagnation Lamel: "Wir erwarten für 1999 keinen Beschäftigungsschub"

Wien (Pwk) - "Schon im Sommer "98 konnten wir aufgrund der
Berichte der Fachverbände feststellen, daß ein Abflauen der Industriekonjunktur zu erwarten sein wird. Leider hat man uns nicht geglaubt. Die neuesten Daten bestätigen unsere Prognose klar und deutlich", erklärte Joachim Lamel, Syndikus der Bundessektion Industrie, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Industriekonjunktur. ****

Fast alle Fachverbände melden eine Stagnation. Der große Druck auf die Erzeugerpreise verstärkt die negative Entwicklung. "Daß dabei kein Beschäftigungsschub entstehen kann, ist verständlich", ergänzte Lamel. Diese Entwicklung sei umso bedauerlicher, da noch im Herbst, im Zeitraum der Tarifverhandlungen für die Industriemitarbeiter, die Konjunkturforscher der Industriekonjunktur weitere Höhenflüge prophezeit haben und damit eine Erwartungshaltung erzeugten, die nicht realistisch war.

Zwölf Fachverbände melden bereits eine stagnierende Produktionsentwicklung (Stahl, Glas, Säge-, holzverarbeitende Industrie, Nahrungs- und Genußmittel, Ledererzeugung und Lederverarbeitung, Gießerei, Metall, Fahrzeug, sowie Bekleidung und Bauindustrie), bereits negative Entwicklungen berichten Metallwaren, Chemie, Papiererzeugung, Papier- und Pappeverarbeitung, Bergwerke und die Stein- und keramische Industrie. Noch steigende Produktionsentwicklung melden nur mehr die Maschinen und Stahlbauindustrie, die Elektro- und die Textilindustrie.

Die Auftragseingänge stagnieren oder sind rückläufig. Positive Auftragsentwicklungen weisen nur Maschinen- und Stahlbau, Elektro-und Elektronikindustrie, sowie die Bekleidungsindustrie auf.

Die ungünstige Weltwirtschaftslage hat über Drittmärkte Österreich voll erfaßt. Dazu kommt auch ein starker Druck auf die Erzeugerpreise. Vor allem die Grundstoffindustrie und Bereiche der technischen Verarbeitung sind davon betroffen. Dies wirkt sich in Österreich aufgrund der hohen Grundstofflastigkeit der österreichischen Industrie besonders stark aus.

Konjunkturforscher glauben allerdings, daß der Konjunkturrückgang bereits im Herbst 1999 überwunden sein wird. Selbst in diesem optimistischen Fall ist für heuer mit einem Beschäftigungsrückgang um rd. 3.000 Personen zu rechnen, während "98 die Beschäftigung um rd 2.200 zunahm. Den für "99 prognostizierten Produktionszuwachs von 3% (anstelle 5,5% für "98) sieht Lamel als "optimistische Obergrenze".

Insgesamt bezeichnet Lamel 1999 als ein schwieriges Jahr. Darüber darf auch nicht das relativ hohe Investitionsvolumen hinwegtäuschen. Viele der Investitionsvorhaben - rund 70 Millionen Schilling werden erwartet (real um 6,3% mehr als 1998) - betreffen Ersatzinvestitionen. Kapazitätsausweitungen planen rd. 22% der Unternehmen.

Auch international sieht sich die österreichische Industrie einem "Kälteausbruch" gegenüber. Die Industrieproduktion in den USA war eher schwach, 1997 nahm die Güterproduktion noch um 6%, 1998 nur mehr um 3,7% zu, die Kapazitätsauslastung lag im Dezember "98 um 2,5% unter dem Wert von 97. Die Unternehmensergebnisse werden schwächer. Die Erwartungen, über die Entwicklung des Auftragsbestandes sind stark ins Minus abgerutscht. Österreichs größten Handelspartnern in Europa geht es auch nicht viel besser. Deutschland kann für das 4. Quartal nur ein sehr schwaches Plus von 0,5% der Industrieproduktion aufweisen, England 0,9% und Italien gar ein Minus von 0,4%. "Die Deflation bei den Erzeugerpreisen weitet sich ebenfalls weiter aus", warnte Prof. Dr. Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Institutes.

Positiv ist die Einführung des Euros zu bewerten. Die stabilen Umrechnungskurse verhindern jene Abwertungswettkämpfe, die unsere Wirtschaft in der Vergangenheit schon öfters stark zurückgeworfen haben.

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