Holender und Gürtler: Radikalreform des Opernballs

Wien (OTS) - Der morgen stattfindende Wiener Opernball - der
letzte unter der Obhut des aufzulösenden Bundestheaterverbandes -bezeichnet auch eine Zäsur in der Ballgeschichte: In der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS geben der ab 2000 ballzuständige Operndirektor Ioan Holender und die von ihm beauftragte Organisatorin Elisabeth Gürtler weitreichende Veränderungen bekannt.

1) Hausordnung. Als Sofortmaßnahme angesichts aktueller Blamagen haben Holender und Gürtler jeden Kartenvorverkauf für den Opernball 2000 untersagt und sich die Verteilung der Logen selbst vorbehalten. Es tritt in Kraft, was Gürtler als "Hausordnung" bezeichnet und Holender in NEWS so definiert: "Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Wir werden die Logen also entsprechend der Würde und der Wichtigkeit der Gäste für dieses Land und dieses Haus vergeben. Wir nehmen unser Hausrecht in Anspruch und verkaufen niemanden eine Karte, der dem Ruf des Balls und des Hauses Schaden zufügt." Als Beispiel nennt Holender das in Umlauf gesetzte Gerücht, Monica Lewinsky könnte den Ball frequentieren ("schadet uns bei amerikanischen Sponsoren"). "Negativwerbung" sei es auch, Stars für Geld zu leasen und damit den Eindruck zu erwecken, Leute müßten für den Ballbesuch bezahlt werden.

2) Holender will dem Ball die Identität mit dem Haus zurückgeben. Der Opernball solle wieder ein Ball der Staatsoper werden, Plagiate in Hongkong oder Bangkok müßten mit Opern-Logo versehen und finanziell abgegolten werden. Um das Prädikat "Ball der Künstler" zu verstärken, soll es künftig einen feierlichen Einzug der Regierung mit namhaften Sängern und Schauspielern geben. Vor der Regierungsloge werden drei terassenförmig angeordnete Sitzreihen für namhafte Schauspieler und Sänger der Stadt geschaffen.

3) Holender laut NEWS will auch Einfluß auf die ORF-Übertragung nehmen. "Der Opernball ist eine Ware, und wir wollen bei der Vermarktung mitreden. Wir möchten mitbestimmen, mit wem geredet wird - und auch wer redet. Künstler unseres Hauses sollen aktiv in die Berichterstattung einbezogen werden."

4) Das Haus ist, so Holender in NEWS, am Balltag für 6.500 Menschen kommissioniert und immer ausverkauft. Dennoch machen sich in der Kassa nur 4.000 zahlende Besucher bemerkbar. Holender will den Verbleib der Karten stärker kontrollieren.

5) Die Zahl der Eintrittskarten soll verringert werden, dafür werden die Preise die teuersten Logen (derzeit 170.000 Schilling) erhöht. Mindestens eine Million Schilling wird einem von der Regierung zu bezeichnenden wohltätigen Zweck zugeführt.

6) Der Ball wird geöffnet, indem man ihn auf Video-Wände vor die Oper überträgt. Das Haus bleibt - so Holender in NEWS - künftig an drei statt an zwei Tagen geschlossen, um teure Nachtumbauten zu reduzieren. Am Vorabend des Balls soll es dafür in der schon fertigen Dekoration ein erschwingliches Crossover-Konzert für junge Besucher geben.

7) Der Ball soll ab sofort unter dem Motto des jeweiligen EU-Präsidentschaftslandes stehen. Im nächsten Jahr ist das Portugal, Spitzen des Landes werden erwartet. Das Ballmotto soll über Damenspenden, den Blumenschmuck, eventuell ein Ethno-Restaurant sichtbar werden. Unterhaltungsprogramme während des Balls soll es keine mehr geben.

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