"Ich muß nicht selber Wurst schneiden."

Julius Meinl V. über das erzwungene Comeback seiner Handelsfirma

Wien (OTS) - Format: Herr Meinl, ist ein Beweggrund, doch im österreichischen Handel weiterzumachen, daß Rewe und Billa gegen andere Konkurrenten gerne den Rücken frei haben möchten?

Meinl: Wir denken kaufmännisch und tun niemandem etwas zuliebe. Was wir vorhaben, muß sich rechnen.

Format: Woher nehmen Sie plötzlich den Optimismus, daß Meinl Gourmet funktioniert?

Meinl: Aus der Erkenntnis, daß der beste Mitbewerber auf dem Markt diese Nische ebenfalls gesehen hat. Billa hatte ja eine Gourmet-Linie geplant. Wir sind geeignet, das auch zu schaffen. Eine Marktstudie dazu ließen wir schon vor dem Sommer erstellen. Wer würde beispielsweise Zwettl als Standort für eine Gourmet-Filiale ansehen? Aber wir machen dort hervorragende Umsätze.

Format: Billa wird also von einer eigenen Delikatessen-Schiene jetzt Abstand nehmen?

Meinl: Zumindest in Ostösterreich wird Billa das nehme ich an wohl nicht machen.

Format: Und wieso haben Sie nicht von Anfang die jetzige Variante ins Auge gefaßt, wenn Sie gute Geschäfte erwarten?

Meinl: Rewe wollte das Ganze haben. Das wäre vor allem im Hinblick auf die Erhaltung der Arbeitsplätze der Meinl-Mitarbeiter die beste Lösung gewesen. Aber nachdem Plan A nicht zum Zug gekommen ist, tritt jetzt Plan B in Kraft.

Format: Das klingt etwas halbherzig. Kann man ein Unternehmen führen, hinter dem der Eigentümer nicht voll steht.

Meinl: Das ist die Argumentation der Spar, und die ist subjektiv. Der Unternehmer muß dahinter stehen, aber das heißt nicht, daß ich hinter der Ladentheke stehen muß und Wurst abschneide. Das Management muß 24 Stunden Feinkost denken, nicht ich.

Format: Die Meinl AG hatte in der Vergangenheit ein gravierendes Managementproblem. Ist die neue Führung wieder nur eine Interimslösung?

Meinl: Nein. Die Leute sollen jetzt arbeiten, aber wir werden die Erreichung von Zielen sehr genau kontrollieren. Wenn es nicht funktioniert, werden wir schneller reagieren als in der Vergangenheit und gegebenenfalls austauschen.

Format: Sie haben angekündigt, den Einkauf schärfen zu wollen. Bedeutet das auch Konsequenzen für jene Lieferanten, die sich in einer Fragebogen-Aktion der EU gegen die Übernahme durch Rewe/Billa ausgesprochen haben?

Meinl: Wir werden schon schauen, wer unsere Freunde waren und wer nicht. Von etlichen Lieferanten sind wir ja nicht gerade gut behandelt worden.

Format: Rechtsexperten meinen, Sie hätten von Beginn an wissen müssen, daß der Deal mit Rewe/Billa kartellrechtlich nicht durchgeht. Waren Sie falsch beraten?

Meinl: Ich bin kein Kartellrechtsexperte. Aber die ersten Kontakte mit der Kommission wiesen in eine andere Richtung. Erst die massive Einflußnahme aus Österreich hat offenbar den Umschwung verursacht.

Format: Aber Minister Farnleitner hätte sich mit viel milderen Auflagen zufrieden gegeben. Die harte Haltung kam von der EU.

Meinl: Wenn der Minister die Kommission x-Mal telefonisch bestürmt, wie furchtbar das Ganze ist und daß die Fusion keinesfalls akzeptabel ist, dann gilt das als die offizielle Stellungnahme. Etwas, was danach ohne jede rechtliche Grundlage ausgehandelt wird (der Kompromiß zwischen Rewe und Farnleitner, Anm.), interessiert die Kommission überhaupt nicht mehr. Ein typischer Fall: Österreich wurde die Geister, die es rief, nicht mehr los.

Format: Herr Meinl, Sie sind Banker, und Sie reden davon, den Wert des Rest-Meinl nun steigern zu müssen. Das klingt sehr danach, als wollten sie so schnell wie möglich die Wertsteigerung auch realisieren. Werden Sie verkaufen, sobald Meinl Gourmet läuft?

Meinl: Ich überlege mir fast täglich die Bewertung aller Unternehmen, an denen wir beteiligt sind. Das ist der große Unterschied zu Unternehmen der alten Schule, bei denen die Führung einer Firma Selbstzweck war. Solange der Wert nach oben geht, bin ich zufrieden. Vielleicht gehen wir mit Meinl dann irgendwann an die Börse. Vielleicht werden wir in vier Jahren einen Teil des Wertgewinns auf andere Weise realisieren. Ich sage keinesfalls, daß wir nie verkaufen werden.

(Schluß)

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