"Der ungesunde Wettbewerb ruiniert die Preise"

Der Bau-Holding-Chef und ehemalige LIF-Spitzenpolitiker Hans Peter Haselsteiner über die Neuordnung der Bauindustrie und die Affären seiner Branche

Wien (OTS) - Format: Herr Haselsteiner, Sie haben bereits vor fünf Jahren prophezeit, daß in Österreich mittelfristig nur drei bis vier Baukonzerne überleben werden. Ihre Erwartungen scheinen sich zu bestätigen. Ihr Konzern hat Strabag, Stuag und ERA-Bau geschluckt, Konzerne wie Maculan und Mayreder sind verschwunden, die Universale steht zum Verkauf und Raiffeisen will sich von Porr trennen.

Haselsteiner: An meiner Einschätzung hat sich im wesentlichen auch nichts geändert. Der Markt wird sich auf drei bis vier industrielle Baugruppen mit österreichischen Background reduzieren. Dieser Prozeß ist unaufhaltsam.

Format: Welche Gruppen werden diesen Prozeß überleben?

Haselsteiner: Das sollten wir bald wissen. Ich hatte eigentlich erwartet, daß zumindest die Bank Austria mit Universale, Porr, Teerag-Asdag und Wibeba ein Pendant zu unserer Gruppe bilden würde. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Da eröffnen sich natürlich Chancen für andere, die eigene Gruppe zu vergrößern. Ob die nun Alpine-Universale heißen werden werden, Porr-Wibeba-Teerag-Asdag oder Swietelsky-Teerag-Asdag, ist heute nicht abschätzbar.

Format: Haben Sie Präferenzen?

Haselsteiner: Nein. Wir gehen unseren eigenen Weg. Ob dieser der richtige ist, werden wir in ein paar Jahren wissen.

Format: Top-Manager messen hierzulande Größe allzugerne am Umsatz, aber nur selten am Profit.

Haselsteiner: Es bedarf gerade in der Baubranche einer gewissen Größe, um die Ertragskraft zu verbessern. Sonst hätten Fusionen ja gar keinen Sinn. Wenn ich keine kritische Masse auf die Waage bringe, um bei großen Projekten dabei zu sein, werden diese Geschäfte an mir vorbeigelenkt. Da kann man sich leicht ausrechnen, daß darunter die Ertragskraft leidet.

Format: Gerade die österreichische Bauindustrie hat in den vergangenen Jahren deutlich schlechter verdient, als die europäische Konkurrenz

Haselsteiner: Das ist auch ganz normal. Wenn die Strukturen in einer Branche nicht stimmen, kommt es zu einem ungesunden Wettbewerb, der letzten Endes die Preise ruiniert. Die Auswüchse sind nach meinem Dafürhalten symptomatisch: Auf der einen Seite eine andauernde Pleitewelle, auf der anderen das Thema Preisabsprachen.

Format: Gibt es also das Preiskartell am Bau?

Haselsteiner: Sagen wir so, es gibt gewisse Indizien. Anders sind manche Vorgänge in unserer Branche nicht erklärbar. Aber ich will da niemandem vorgreifen. Das sollen die Gerichte abhandeln.

Format: Die Justiz wirft der Bauindustrie vor, besonders öffentliche Ausschreibungen durch unzulässige Absprachen manipuliert zu haben

Haselsteiner: Wir werden uns natürlich damit auseinandersetzen müssen. Aber erst einmal muß Klarheit darüber herrschen, was an den Vorwürfen dran ist, und was aus politischen oder anderen Überlegungen überzogen wird. Das ganze ist natürlich giftig, weil die öffentliche Hand der wichtigste Auftraggeber der Bauindustrie ist. Wir werden jedenfalls alles daran setzen, daß sich das in der Zukunft nicht wiederholt.

Format: Es fällt auf, daß bisher kein Vorstand eines großen österreichischen Bauunternehmens persönlich die Verantwortung übernehmen wollte. Haben die Preisabsprachen etwa nur kleine Prokuristen und Bauleiter getroffen?

Haselsteiner: In einem modern und gut geführten Bauunternehmen werden unternehmerische Entscheidungen eben sehr weit hinunterdelegiert. Der Vorstand ist damit nicht mehr Bauunternehmer im engeren Sinn. Er koordiniert, kontrolliert und bestimmt die Strategie. Das Geschäft passiert weiter unten. Das fängt beim Prokuristen an und geht dann vielleicht bis zu den Geschäftsführern oder Direktionsleitern hinauf.

Format: Haben möglicherweise die Vorstände ihre Kontrollpflichten vernachlässigt?

Haselsteiner: Ich muß zugeben, daß bisher zu wenig hinterfragt wurde, wie einzelne Geschäfte zustandekamen. Hauptsache war, die Performance paßt. Wenn ein Prokurist in einem Bauunternehmen gute Ergebnisse abliefert, war er bisher immer der Kaiser.

Format: Aber zahlreiche Top-Manager österreicher Baukonzerne waren irgenwann einmal auch Prokuristen. Da muß doch der eine oder andere von den Vorgängen im operativen Tagesgeschäft gewußt haben

Haselsteiner: Das mag schon sein. Tatsache ist, daß sich die Vorwürfe heute Gott sein Dank nicht gegen die Vorstände richten. Auch wenn die Journalisten das so gerne hätten.

(Schluß)

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