SKANDAL: SVIHALEK ENTSCHEIDET GEGEN NATIONALPARK WWF: Neue Verordnung zu Fischerei in der Lobau ist Affront gegen Nationalparkidee

Wien (OTS) - Im Nationalpark Donauauen wurde Wien vom
Musterschüler zum Sorgenkind: Umweltstadtrat Fritz Svihalek entschied gegen die Natur und gab bei der jetzt bekannt gewordenen Verordnung zur Fischerei in der Lobau den Fischern den Vorzug. Er verhinderte die Ausweisung von Schongebieten und die Reduktion der Fischereilizenzen - ein Affront gegen die Nationalparkidee. Weitere Bedrohungen: Bei der Verordnung zur Jagd, die in Kürze von der MA 22 beschlossen wird, steht Ähnliches zu befürchten, und Verkehrsprojekte wie die sechste Donaubrücke und der Donau-Oder-Kanal drohen die Lobau weiter zu entwerten. Und das alles mit Unterstützung von Umweltstadtrat Svihalek.

Herbe Kritik mußten bei der gestrigen Wiener Beiratssitzung Stadtrat Fritz Svihalek und der Wiener Nationalpark- Koordinator DI G. Haubenberger von Seiten der Naturschutzorganisationen einstecken. Anlaß ist die Verordnung zum Fischereimanagement in der Lobau für 1999: Danach darf im Wiener Teil des Nationalparks genauso gefischt werden wie vor der Einrichtung des Nationalparks. Der Vorschlag, den die Nationalparkverwaltung in Abstimmung mit dem Wiener Nationalparkbeirat eingebracht hat, wurde auf Entscheidung von Stadtrat Svihalek ohne Abstimmung in 13 Punkten abgeändert - die neue Verordnung liest sich wie ein Forderungskatalog der Fischerei. Die Einschränkungen sind wesentlich geringer als im niederösterreichischen Teil des Nationalparks.

Kein Platz für die Natur: Svihalek verhindert Schongebiete Die wesentlichsten Veränderungen: Die geplante Ausweisung von größeren Schongebieten, in denen die Fische nicht gefangen werden dürfen und die für viele Vogelarten wichtige Ruhegebiete sind, wurde von Svihalek auf Druck der Fischer wieder rückgängig gemacht. "Ohne weitere Schongebiete ist der ganze Nationalpark eine Farce. Die bestehenden Schongebiete, auf die Fischer immer wieder hinweisen, führen großteils kein Wasser mehr und sind heute trockene Schilfflächen. So werden hier nie Schwarzstörche oder Seeadler nisten", warnt DI Ulrich Eichelmann, Auenökologe des WWF.

Fischer statt Fische

Die vorgesehene Reduzierung der Fischer auf ein verträgliches Maß, findet 1999 ebenfalls nicht statt – obwohl derzeit die Anzahl der Fischer die eigentliche Tragfähigkeit der Gewässer um bis zu 500% überschreitet. "In jedem Gewässer kann nur eine bestimmte Menge Fische leben und sich vermehren. An dieser Tragfähigkeit muß sich die Fischerei orientieren. Nicht so in Wien, denn hier hat sich die Natur anscheinend an der Zahl der Fischer orientieren", ist DI Eichelmann empört. Deshalb müssen die Altarme regelmäßig mit Massen von Karpfen, Hecht, Zander etc. besetzt werden. DI Eichelmann: "Im Wiener Nationalpark wird jetzt per Verordnung so gefischt wie an einem jedem Schotterteich."

Affront gegen Nationalpark-Verwaltung

Das Faß zum Überlaufen bringt die Vorgangsweise der Wiener. Die neue Verordnung wurde zwar mit Vertretern des SPÖ-nahen "Verbands der Sozialistischen Arbeiter Fischereivereine" abgestimmt, die Nationalpark-Verwaltung und der Wiener Nationalparkbeirat wurden von den Änderungen aber nicht einmal informiert. "Ein klarer Affront gegen die Nationalparkverwaltung und Direktor Carl Manzano", so Ulrich Eichelmann, Auenökologe des WWF. "Stadtrat Svihalek soll endlich klarstellen, ob er für einen gesamtheitlichen Nationalpark steht."

Sorgenkind Wien

War in der Vergangenheit Wien in der Nationalparkfrage das Vorbild und Niederösterreich das Sorgenkind, so hat sich das Blatt grundlegend geändert. Fischerei und Jagd sind im angrenzenden Niederösterreich wesentlich ökologischer als in Wien: Dort wurden große Schongebiete ausgewiesen und die Anzahl der Fischer wesentlich reduziert. In Wien hingegen droht schon der nächste Substanzverlust durch eine geplante Trasse durch die Lobau und den von der Stadt Wien forcierten Donau-Oder Kanal.

Forderungen des WWF an Stadtrat Svihalek: ? Einbindung von Nationalpark-Verwaltung und -Beirat in die Verhandlungen um Jagd- und Fischerei-Verordnungen in der Lobau ? Festlegen mittelfristiger Naturschutzziele, an denen sich die Jagd- und Fischerei-Verordnungen orientieren ? Klare Absage an den Donau-Oder-Kanal und die Lobau-Trasse

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