ORF Sport- und Wettkanal

wien (OTS) - Mit großer Verwunderung nimmt der
Vorstandsvorsitzende der RTV-AG (Wien 1, RTV-NÖ, TV3 OÖ) Karl Matuschka die vollmundigen Ankündigungen des ORF- Generalintendanten Gerhard Weis zum Thema Sport- und Wettkanal auf.

Der Generalintendant des ORF spricht von einer technischen Reichweite von 70-100%, die der erwähnte Sport- und Wettkanal des ORF bei einer digitalen Verbreitung erreichen könnte. Hier dürfte der Generalintendant des ORF vor lauter Euphorie über die Jubelmeldungen übersehen haben, welche Szenarien derzeit für digitales Fernsehen in Österreich erkennbar sind.

Österreich hat ca. 3.000.000 TV-Haushalte, die vom ORF über analoge terrestrische Sender erreicht werden (ca. 95% aller österreichischen HH). Nur ein verschwindend kleiner Teil (ca. 10.000 bis 15.000 Haushalte) kann derzeit digitale Satellitenprogramme empfangen. Der weitaus größere Teil, nämlich ca. 40% der Empfangshaushalte (ca. 1.300.000 HH), erhält seine Satelliten-Fernsehprogramme über analoge Satelliten zugeliefert. Darüber hinaus sind ca. 30-35% der TV-Haushalte (ca. 1.000.000 HH) an das (überwiegend) analoge (!) Kabelfernsehen angeschlossen. Nur wenn binnen sehr kurzer Zeit ALLE analogen Satellitenempfänger (samt ihrer nicht-digital-tauglichen LNB´s) weggeworfen und durch digitale Empfänger und ihre "Außeneinheiten" (LNB's) ersetzt werden und wenn weiters ALLE Kabelnetze für digitalen Empfang umgerüstet werden, kann der ORF die angekündigte technische Reichweite erzielen. Dies ist eher unwahrscheinlich. Nachdem die Umrüstung sowohl für den Konsumenten als auch für die Kabelnetz-Betreiber mit beträchtlichen Kosten verbunden sind, ist die Aussage des Generalintendanten wohl mehr als Propaganda denn als Faktum zu sehen.

Will der ORF gar eine 100%ige Abdeckung des österreichischen Zuseher-Marktes mit Sport- und Wettfernsehen durch digitales terrestrisches Fernsehen ermöglichen, hat sich der ORF-GI die Latte sogar noch höher gelegt. Abgesehen davon, daß schon in der bisherigen analogen Welt der ORF wegen der schwierigen topographischen Situation Österreichs ca. 1.800 Radio- und TV-Sender installieren mußte ist es Fachleuten bekannt, daß es bei der Einführung eines neuen Dienstes ca. 8-10 Jahre dauert, bis ca. 50% der Haushalte diesen Dienst empfangen werden können. Erst ca. 15 Jahre nach Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens können nach bisherigen internationalen Erfahrungen die analogen Sender abgeschaltet werden. Auch hier erscheinen die Ankündigungen des ORF-GI zum Sport- und Wettfernsehen also mehr als unglaubwürdig, wenn man die Kostenstrukturen und die Zeiträume realistisch betrachtet.

Es ist auch weiters überhaupt nicht einzusehen, daß zwei Monopolunternehmen, nämlich der ORF und die Österreichische Casino AG., sich dafür stark machen, privatwirtschaftlich geführte Unternehmen in ihren Möglichkeiten einzuschränken oder diese gar zu verhindern - dies übrigens mit Geldern, die sie zum größten Teil nicht im Wettbewerb erwirtschaften, sondern die ihnen Kraft des Gesetzes zufließen.

Auch wenn Bundeskanzler und Vizekanzler von möglichst viel Wettbewerb im Markt sprechen - vom ORF und der Casino AG. ist offenbar das Gegenteil geplant, nämlich den Markt monopolistisch zu besetzen.

Der ORF sollte sich mit den Gebühren seiner Zuseher wieder viel mehr auf seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag konzentrieren, ohne statt dessen als Monopolist im privatwirtschaftlichen Bereich zu agieren. Der Generalintendant sollte dafür stehen, was er vor seiner Wahl angekündigt hat, nämlich mehr Kunst, mehr Kultur und mehr Information. Vom Wett-Fernsehen war weder in seiner Bewerbung noch in seiner Bestellung die Rede.

Bereits jetzt zeigt uns der ORF, daß er nicht in der Lage ist, das unter fragwürdigen Bedingungen produzierte digitale Satelliten-Programm "TW 1" zum Erfolg zu führen. Die Marktanteile von TW 1 liegen konstant bei 0,0%, obwohl das Programm in Salzburg auch analog terrestrisch verbreitet wird.

Weitere erfolglose Programm- und Ressourcen-Experimente durch ein Monopolunternehmen mit 0,0% Zuseherinteresse auf Kosten der Gebührenzahler sind daher abzulehnen.

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