Die österreichische Zahlungsbilanz in den ersten drei Quartalen 1998

Wien (OTS) In den ersten drei Quartalen 1998 zeigte die Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis 1) ein Defizit von rd. 40 1/2 Mrd S gegenüber einem Defizit von etwas über 41 Mrd S im entsprechenden Zeitraum 1997. Die entsprechenden Werte ausgedrückt in Euro betragen 3,0 bzw. 2,9 Mrd. Entscheidend für den leichten Rückgang des Defizits um rund 1/2 Mrd S war eine beachtliche Erhöhung des Überschusses der Dienstleistungsbilanz um rd. 15 1/2 Mrd S, die aber durch Verschlechterungen in den sonstigen Hauptsalden der Leistungsbilanz kompensiert wurde.
Quartalsweise betrachtet nahm die Verbesserungstendenz der österreichischen Leistungsbilanz auf Transaktionsbasis im Jahresverlauf ab. Während das erste Quartal 1998 im Vorjahresvergleich noch eine Verbesserung von rund 2 1/2 Mrd S zeigte, belief sie sich im zweiten Quartal nur mehr auf rund 3/4 Mrd S. Im dritten Quartal verschlechterte sie sich um rund 2 1/2 Mrd S. Nach derzeitigem Wissensstand ist für das vierte Quartal 1998 keine weitere Verschlechterung zu erwarten. Erfreulich ist, daß sich der Reiseverkehr in allen bisher vorliegenden Quartalen positiv entwickelte.
In den ersten drei Quartalen 1998 lag sowohl der Anstieg der Güterexporte als auch -importe im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 1997 bei jeweils 9 %. Damit erhöhte sich das Defizit der Güter um fast 3 1/2 Mrd S. Während die Exporte bereits in vier Quartalen in Folge abnehmende Steigerungen aufweisen, sind bei den Importen seit zwei Quartalen rückläufige Zuwächse zu beobachten. Die jüngste - 1996 begonnene - Außenhandelskonjunktur scheint damit ihrem Ende entgegen zu gehen. War sie anfangs von überdurchschnittlichen Zuwächsen des Warenverkehrs mit Drittländern getragen, wurde sie 1998 im wesentlichen durch den Warenverkehr mit der EU gestützt. Der Überschuß der Dienstleistungen erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 1998 um 15 1/2 Mrd S auf über 35 Mrd S, wozu der Reiseverkehr mit rund 50 % einen entscheidenden Beitrag leistete. Der Reiseverkehrsüberschuß erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 1998 um rund 7 1/2 Mrd S auf 19 1/2 Mrd S, wobei die Eingänge um rund 4 1/2 Mrd S zu- und die Ausgaben der Österreicher für Auslandsreisen um über 3 Mrd S abnahmen. Nach einer sechs Jahre andauernden Periode ständig rückläufiger Zahlen an Ausländernächtigungen konnte in der Sommersaison 1998 erstmals wieder eine Zunahme um gut 2 % verzeichnet werden, womit die Verluste der vorjährigen Sommersaison beinahe wettgemacht werden konnten. Die Zuwächse konzentrierten sich in der abgelaufenen Sommersaison auf Italiener, Niederländer, Briten und Gäste aus Übersee, währen die Nächtigungen deutscher Gäste weiterhin stagnierten. Fortgesetzt hat sich auch der steigende Trend der Besucher aus Mittel- und Osteuropa, wobei deren Marktanteil aber noch immer nicht viel mehr als 2 % ausmacht.
Des weiteren entwickelten sich insbesondere der Transport, sowie die unter "Sonstige unternehmensbezogene Dienstleistungen" inkludierten übrigen unternehmensbezogenen, freiberuflichen und technischen Dienstleistungen in den ersten drei Quartalen 1998 sehr positiv. Mit einer Verbesserung um fast 9 Mrd S trugen die Nicht aufteilbaren Leistungen (im wesentlichen die Differenz aus Gütertransaktionen und Warenzahlungen) maßgeblich zur Steigerung des Überschusses der Dienstleistungbilanz bei.
Während das Defizit aus der Teilbilanz Einkommen in den ersten drei Quartalen 1997 ausgeglichen war, betrug der Abgang in der Berichtsperiode fast 10 Mrd S. Maßgebend dafür war die Entwicklung der Vermögenseinkommen, die aufgrund der Nettoschuldnerposition Österreichs und dem Status eines Nettokapitalimporteurs aus Direktinvestitionen per saldo Abflüsse zeigen. In den ersten drei Quartalen 1998 betrug das Defizit der Vermögenseinkommen rund 15 Mrd S gegenüber 5 1/2 Mrd S im Vergleichszeitraum 1997.
Der Abgang unter dem Titel laufende Transfers betrug in den ersten drei Quartalen 1998 annähernd 20 Mrd S gegenüber 18 Mrd S im entsprechenden Zeitraum 1997. Diese Verschlechterung ist im wesentlichen auf private Transfers und zwar aus dem Bereich Steuerzahlungen zurückzuführen.
Die Transaktionen Österreichs mit der EU sind größtenteils in den laufenden Transfers, zum Teil aber auch in den Vermögensübertragungen (Zuschüsse zu Infrastrukturmaßnahmen) enthalten. So wie in den ersten drei Quartalen 1997 beliefen sich die Beiträge Österreichs in der Berichtsperiode auf rund 22 Mrd S und die gesamten Rückflüsse auf rund 11 Mrd S.
Die gesamte Bilanz der Vermögensübertragungen schloß in den ersten drei Quartalen 1998 so wie im Jahr davor mit einem Abgang von rund 1 Mrd S.
Die Kapitalbilanz zeigte in den ersten drei Quartalen 1998 mit 45 1/2 Mrd S einen etwas höheren Nettokapitalimport (1997:42 Mrd S). Die entsprechenden Werte in Euro betragen für 1998 3,3 Mrd und für die Vergleichsperiode 3,1 Mrd.
Weiterhin sehr lebhaft entwickeln sich die Direktinvestitionen. Die Unternehmensbeteiligungen des Auslandes in Österreich lagen in den ersten drei Quartalen 1998 mit netto 37 Mrd S um rund 13 1/2 Mrd S höher als im entsprechenden Zeitraum 1997, die Investitionen Österreichs im Ausland nahmen netto um etwas über 9 Mrd S auf 26 Mrd S zu. Im Unterschied zu der monatlich publizierten Cashbilanz enthält die Statistik über die Direktinvestitionen gemäß Transaktionsbilanz Hochrechnungen der reinvestierten Gewinne ebenso wie die Kreditbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.
Im Bereich der Portfolioinvestitionen war in den ersten drei Quartalen 1998 eine weitere Steigerung der Wertpapierkäufe zu verzeichnen. Ausländer kauften inländische Wertpapiere im Wert von 158 1/2 Mrd S (1997: 124 Mrd S). Gleichzeitig kauften Österreicher ausländische Wertpapiere im Ausmaß von 141 1/2 Mrd S (1997: 132 Mrd S).
Die sonstigen Investitionen schlossen in der Berichtsperiode mit einem Nettokapitalimport von 14 1/2 Mrd S gegenüber 23 1/2 Mrd S. Die offiziellen Währungsreserven verminderten sich transaktionsbedingt in den ersten drei Quartalen 1998 um 4 Mrd S. Im entsprechenden Zeitraum 1997 waren sie um rd. 20 1/2 Mrd S zurückgegangen.
1) Mit heutigem Datum liegt das Ergebnis für das 3. Quartal 1998 und damit das Ergebnis für das 1. bis 3. Quartal 1998 in neuer Form vor. Diese Daten auf Transaktionsbasis, die mit einer Zeitverzögerung von ca. 3 Monaten publiziert werden, bieten die Grundlage für eine detailliertere und verbesserte Einschätzung der Zahlungsbilanzsituation Österreichs. Die Quartals- bzw. Jahresergebnisse werden - sowie die Monatsergebnisse in den "Statistischen Monatsheften der OeNB" publiziert.
Da die monatlichen Cashbilanzen Zahlungsströme messen, ist die Summe der Monate Jänner bis September 1998 nicht mit der periodenrichtigen Transaktionsbilanz für das 1. bis 3. Quartal 1998 vergleichbar.

Transaktionenbilanz
1.bis3.Quartal
1997 1998
Credit Debet Netto Credit Debet Netto in Mrd S
Leistungsbilanz 910,2 951,4 -41,2 994,4 1034,9 -40,6
Güter,Dienstleistungen
und Einkommen 886,8 910,2 -23,4 969,3 990,0 -20,7
Güter und Dienst-
leistungen 794,7 817,7 -23,0 873,1 883,8 -10,7

Güter 521,6 564,3 -42,7 568,5 614,5 -46,0

Dienstleistungen 273,1 253,4 19,7 304,6 269,3
35,3

davon:
Transport 37,0 26,7 10,2 42,4 29,5
12,9

Reiseverkehr 107,2 95,4 11,8 111,5 92,2
19,3

Bauleistungen 9,2 4,4 4,8 6,1 4,0
2,1

Finanzdienstleistungen 5,2 4,9 0,3 6,9 6,4
0,5

Patente und Lizenzen 1,8 5,4 -3,6 0,9 7,1
-6,3

Sonstige
unternehmensbezogene
Dienstleistungen 41,1 33,1 8,0 45,4 34,4
11,0

Regierungsleistungen 4,0 1,2 2,8 3,6 1,1
2,5

Nicht aufteilbare
Leistungen 56,5 68,8 -12,4 74,2 77,8
-3,6

Einkommen 92,1 92,5 -0,4 96,2 106,2 -10,0

Laufende Transfers 23,4 41,2 -17,8 25,1 45,0 -19,9
Vermögensübertragungen
und Kapitalbilanz 41,4
44,2
Vermögensübertragungen 4,1 5,0 -0,8 4,5 5,8 -1,4
Kapitalbilanz 42,3
45,6

Direktinvestitionen 6,4
10,7

im Ausland 112,7 129,5 -16,8 15,2 41,2 -26,0

in Österreich 36,3 13,1 23,2 43,8 7,1 36,7

Portfolioinvestitionen -8,1
16,8

ausländische Wertpapiere -132,1
-141,6

österreichische Wertpapiere 124,0
158,4

Sonstige Investitionen 23,5
14,4

Forderungen -81,6
-28,0

Verpflichtungen 105,0
42,4

Offizielle Währungsreserven 20,6
3,7
Statistische Differenz -0,3
-3,7

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