Die Lassing-Akte

- News bringt exklusiv die Lassing-Anzeige im Wortlaut. - Anzeige der Exekutive enthält juristische Bombe: Gegen alle neun Verantwortlichen "Verdacht der fahrlässigen Tötung". - Ursache war laut Gutachten "menschliches Versagen". - Vorausmeldung zu NEWS 52-53/98 vom 23.12.98

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe exklusiv berichtet, werden alle neun Verantwortlichen der Bergwerkskatastrophe von Lassing von der Gendarmerie wegen des "Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" angezeigt. Der Schlußbericht der steirischen Kriminalabteilung, der am 16.11.1998 fertiggestellt wurde, war bisher unter strengem Verschluß gehalten worden. NEWS druckt nun den Wortlaut der Anzeige, die 20 Seiten umfaßt, in den wesentlichen Auszügen. Die Fahnder der Gendarmerie werfen darin den Verantwortlichen von Werksleiter Hermann Schmidt bis hin zum Leiter der Bergbaubehörde Wolfgang Wedrac unter anderem vor, daß das Unglück ausschließlich auf "menschliches Fehlverhalten" zurückzuführen sei.

Beschuldigt werden im Detail,

* Werksleiter Schmidt für "die Beantragung des Abbruchs im Bereich der Sicherheitsschwebe (der Bereich knapp unterhalb der Erdoberfläche; Anm. d. Red.) ohne Beantragung im Hauptbetriebsplan".

* Ing. Bernhard Gutternig "für die fehlende Erkundung der Zusammensetzung und der Tiefe der Lockermassen über dem Abbaufeld".

* DI Franz Friesenbichler "für das Fehlen der den Abbau begleitenden Vermessungen".

* DI Mag. Alfred Zechling "für die Genehmigung des Hauptbetriebsplanes für das Jahr 1994, obwohl in diesem Jahr ein Abbau in der Sicherheitsschwebe beantragt wurde und diese bei sorgfältiger Prüfung hätte untersagt werden müssen".

* DI Wolfgang Wedrac "für die Genehmigung des Hauptbetriebsplanes" für das Jahr 1995.

* DI Josef Jachs "für die Genehmigung des Hauptbetriebsplanes" für das Jahr 1996.

* DI Hans Dieter Faißner "für die Nichtbeanstandung des Abbaus auf Scheibe 1A".

Neben Schmidt und Gutternig macht die Exekutive weiters noch

* Dr. Leopold Weber und

* Dr. Herbert Gagerer dafür verantwortlich, trotz ihrer fachlichen Ausbildung und Kennntisse nich erkannt zu haben, "daß es jederzeit zu einem neuerlichen Wasser- und Schlammeinbruch" in der Grube hätte kommen können.

Die Gendarmerie kommt zu der Schlußfolgerung, daß alleine aus diesem Grund nach der Verschüttung des Bergmannes Georg Hainzl "jegliches Befahren der Grube" untersagt hätte werden müssen.

Neben dem schwersten Anzeige-Punkt der "fahrlässigen Tötung" wirft der Schlußbericht der Gendarmerie den Verantwortlichen außerdem noch das Delikt der "fahrlässigen schweren Körperverletzung" und der "fahrlässigen Gemeingefährdung" vor.

Im Falle einer Anklage und Verurteilung droht den Betroffenen eine Höchststrafe von drei Jahren Haft.

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