AK Tumpel: Kein Bedarf an steuerlicher Besserstellung des Eigenkapitals

Wien (OTS) - Keinen Bedarf sieht AK Präsident Herbert Tumpel
für eine steuerliche Besserstellung des Eigenkapitals. "Wir
fordern eine spürbare Senkung der Lohnsteuern, eine Reduzierung
der Abgaben auf Arbeit und die Herstellung von mehr Gerechtigkeit
im Steuersystem", umreißt AK Präsident Herbert Tumpel die Position der Arbeiterkammer zur Steuerreform. Während die Bezüge der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer praktisch vollständig
steuerlich erfaßt werden, entziehen sich andere Einkommensarten ganz oder zum Teil dem Zugriff der Finanz. Nicht nur durch Steuerhinterziehung, sondern auch durch legale Möglichkeiten der steuerschonenden Einkommenserfassung.****

Eine Absage erteilt Tumpel neuerlichen Forderungen nach einer steuerlichen Besserstellung des Eigenkapitals: "Im internationalen Vergleich der Finanzierungskennzahlen fällt auf, daß die österreichischen Unternehmen - was die Fremdkapitalquoten betrifft - durchaus günstig liegen. Es ist ein deutsches und österreichisches Spezifikum, daß die Rückstellungsquoten relativ hoch sind, was wiederum zu entsprechend niedrigeren Eigenkapitalquoten führt. Das muß bedacht werden, wenn man über Eigenkapitalquoten diskutiert".
Nach dem jüngsten Ausweis der OeNB sind die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten kleinerer Gewerbebetriebe so niedrig, daß man sich fragen muß, wie diese Betriebe überhaupt wirtschaftlich überleben können. Für den AK Präsidenten bleibt offen, ob dies tatsächlich die wirtschaftliche Situation in diesem Bereich widerspiegelt, oder ob es sich um ein "steuertechnisches Gesamtkunstwerk" handelt.

Die Bezüge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden mit dem Lohnzettel dem Finanzamt gemeldet und somit steuerlich voll
erfaßt. Bei anderen Einkommensarten klaffen versteuertes und dem tatsächlich erzieltes Einkommen oft weit auseinander.

Gewinneinkünfte werden rein formal "ungünstiger" besteuert als Löhne und Gehälter. In der Realität verhält es sich so, daß nur etwa 50 Prozent der erzielten Gewinne überhaupt steuerlich erfaßt werden. Der Rest entgeht dem Staat durch legale und illegale "Gestaltungsmöglichkeiten". So werden etwa die "Schwarzumsätze" zwischen 80 und 225 Milliarden Schilling pro Jahr geschätzt. Die wirtschaftlichen Ergebnisse werden auch dadurch verzerrt, daß im Bereich der kleineren Unternehmungen die Verheimlichung von Teilen des Umsatzes oder das Buchen privater Ausgaben "auf den Betrieb" durchaus vorkommen. Größere Unternehmen nutzen die Gestaltungsmöglichkeiten des Steuerbilanzrechts aus (zB Errichtung von Privatstiftungen, Bildung von Rückstellungen, Übertragung von stillen Rücklagen etc). Bei Großunternehmen und Konzernen kommen noch Gestaltungsmöglichkeiten "über die Grenze" hinzu (der Gewinn wird in Steueroasen transferiert, der Verlust in "Hochsteuerländern" mit entsprechenden Abschreibmöglichkeiten angegeben, Lizenzgebühren werden über dem tatsächlichen Wert angegeben usw.).

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