Wiedereröffnung des Wiener Münzkabinetts

Zur Geschichte des Wiener Münzkabinetts

Wien (OTS) - Das Wiener Münzkabinett geht in seinen Ursprüngen auf die Sammlertätigkeit der Habsburger zurück, unter denen vor allem die Kaiser Maximilian I. (Y1519) und sein Enkel Ferdinand I. (Y1564), sowie dessen Sohn Erzherzog Ferdinand von Tirol (Y1595) eine wichtige Rolle innehatten. Unter Kaiser Ferdinand I. wurde im Jahre 1547 von seinem Kämmerer Leopold Heyperger das erste erhaltene Inventar angelegt, in dem 1567 Münzen - fast ausschließlich römische -verzeichnet sind. Kaiser Rudolf II., der in seiner Residenzstadt Prag ein großer Kunstsammler und Förderer gewesen war, bereicherte die Bestände der habsburgischen Münzsammlung und zeigte sich als großer Förderer der Medaillenkunst. Kaiser Karl VI. ernennt den schwedischen Gelehrten Carl Gustav Heraeus zum ersten Medaillen- und Antiquitäteninspektor. Die besondere Vorliebe dieses Kaisers für antike Münzen ist aus seiner "Nummothek" ein in Buchform angelegtes "Münzkabinett" ersichtlich. Franz Stephan von Lothringen, der Gemahl Kaiserin Maria Theresias, berief den hochbegabten Autodidakten Valentin Jamerai Duval nach Wien, um seine bedeutende Sammlung neuzeitlicher Münzen aus den verschiedensten Erdteilen zu ordnen und vor allem auch zu erweitern. Nach dem Tode des Herrschers (1765) wurde sein modernes Münz-Cabinet mit dem inzwischen bedeutend angewachsenen der Habsburger vereint.

1774 wurde der 1732 im niederösterreichischen Enzesfeld geborene damalige Jesuitenpater Joseph Hilarius Eckhel unter Duvals Oberleitung zum Direktor des antiken Münzkabinetts ernannt. Der heute noch weltbekannte Gelehrte veröffentlichte nicht nur die antiken Münzen der kaiserlichen Sammlung, sondern schuf mit seiner Doctrina Nummorum Veterum eine Grundlage für die wissenschaftliche Numismatik. Bedeutende Wissenschaftler waren auch in der Folge an dem nach Eckhels Tod (1798) so genannten Münz- und Antiken Cabinet tätig, die vor allem mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung und der Erweiterung dieser kaiserlichen Sammlungen beschäftigt waren. Im Jahre 1891 wurden die in verschiedensten Häusern untergebracht gewesenen kaiserlichen Sammlungen im Kunsthistorischen Museum vereint.

Bis 1899 war das noch vereinigte Münz- und Antikenkabinett in Räumen des Hochparterres untergebracht, 1909 übersiedelte die ab 1. Jänner 1900 von der Antikensammlung getrennte und Münzkabinett genannte Sammlung in den 2. Stock des Hauses.

Derzeit umfaßt die Sammlung des Münzkabinetts über 700.000 numismatische Objekte, die von Münzen, Medaillen, Papiergeld über Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen bis zu Wertpapieren und Kreditkarten reicht. Vor allem aufgrund der Bedeutung seiner Sammlungsstücke zählt das Wiener Münzkabinett mit dem Cabinet des Médailles in Paris, dem Coin Cabinet in London, der Münzsammlung der Eremitage in St. Petersburg und der Sammlung der American Numismatic Society in New York zu den fünf bedeutendsten derartigen Sammlungen in der Welt.

"Geld der Kelten"
Eine Sonderausstellung des Kunsthistorischen Museums
Münzkabinett, II. Stock
Wien 1, Maria-Theresien-Platz
18. Dezember 98 bis Sommer 99

Wollen Sie wissen, weshalb man Eulen nach Athen trägt, was ein Heller, was ein Batzen ist? Auf das und auf noch viel mehr erhalten Sie in der wiedereröffneten Ausstellung des Münzkabinetts Auskunft. Nach mehr als 5 jähriger Umbauarbeit wird sich die Schausammlung des Wiener Münzkabinetts mit einem neuen Gesicht präsentieren. Erschrecken Sie nicht, daß in 3 Sälen rd. 2.000 Objekte (Medaillen, Orden, Münzen, Papiergeld, Scheckkarten, Kaurimuscheln etc.) zu sehen sein werden. Es sind das einerseits nur rd 0,2% des Gesamtbestandes einer der größten und bedeutendsten Münzsammlungen der Welt und andererseits lediglich die wichtigsten Stücke daraus. Überdies sind sie gut und leicht faßbar beschrieben, so daß sich auch ein numismatischer Laie zurechtfinden kann. Der historische Bogen spannt sich von der Erfindung der Münze (7. Jh. v. Chr.) bis herauf in eine Zeit, in der Bargeld immer weniger Rolle spielt und die Vereinheitlichung durch den Euro schon spürbar wird. Verfolgen Sie nicht nur anhand unterschiedlichster Münzen, sondern auch auf den reich dokumentierten Medaillen historische und künstlerische Entwicklungen und Highlights und schauen Sie sich die Technikentwicklung bei der Münzherstellung, Entstehen und Auswirkungen von Inflationen, Münzpolitik und ihre Auswirkungen und die Zusammensetzung eines Schatzfundes an. Wußten Sie, daß der erste Taler aus Österreich stammt und in Hall in Tirol geprägt wurde? Auch er, der Guldiner aus dem Jahre 1486 ist selbstverständlich ebenso ausgestellt wie das Zwanzigkronenstück des letzten Österreichischen Kaisers Karl I. aus dem Jahr 1918 (alle anderen damals ausgeprägten waren ja eingeschmolzen worden).

Eine Sonderausstellung zeigt "Das Geld der Kelten" mit archäologischen Vergleichs- und Bezugsstücken! In ihr wird auf manche weniger bekannte Facetten dieses noch immer geheimnisumgebenen Volkes eingegangen.

Zugleich mit der Wiedereröffnung der numismatischen Ausstellung wird in den Räumen des Münzkabinetts auch die berühmte "Portraitsammlung des Erzherzog Ferdinands von Tirol" wieder zu sehen sein: 1080 Ölbildnisse, die im einheitlichen Format von 13 x 10 cm nach dem Wunsche Erzherzog Ferdinands von Tirol (1529-1595) angefertigt wurden und Porträts der damals regierenden Fürsten und ihrer Ahnen sowie von hervorragenden Zeitgenossen aus allen Ländern Europas zeigen. Für deren Herstellung waren u.a. Lukas Cranach d.J. und Cesare Curzio engagiert worden.

Dr. Günther Dembski

Wiedereröffnung des Münzkabinetts

Sonderausstellung:
"Geld der Kelten"
18. Dezember 98 bis Sommer 99

Kunsthistorisches Museum
1010 Wien, Maria-Theresien-Platz

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Donnerstag Abendöffnung 10 bis 21 Uhr
(Abendöffnung: gültig nur für Gemäldegalerie und "Bilder aus dem Wüstensand")

Eintrittspreise:
Einzelpersonen ÖS 100,--
Ermäßigt ÖS 70,--
Wien-Karte ÖS 90,--

Führungsanmeldung:
Tel.: (+43 1) 525 24-416/550

Katalog:
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 1500 Abbildungen zum Preis von öS 490,-

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