OeNB-Einschätzung der österreichischen Wirtschaftsentwicklung

Wien (OTS) Gesamtwirtschaftliche Prognosen stellen einen wesentlichen Bestandteil des Instrumentariums der konjunkturellen Analyse dar, wie sie zu den wichtigen Aufgaben nationaler Zentralbanken im ESZB zur Einschätzung der geldpolitischen Rahmenbedingungen gehört. Die OeNB trägt diesen analytischen Anforderungen durch die Erstellung halbjährlicher Prognosen auf einer verbesserten modelltheoretischen Basis Rechnung. Die vorliegende Prognose basiert auf einem gesamtwirtschaftlichen Modell für Österreich, welches nachfrage- und angebotsseitige Faktoren gleichermaßen einschließt und überwiegend auf Quartalsdaten aufbaut.

Die Finanzkrisen in Asien und Rußland, die erwartete Konjunkturabschwächung in den USA und die damit verbundenen pessimistischeren Erwartungen zeigen erste Auswirkungen auf die europäische Industrie- und Exportentwicklung. Auch das österreichische Exportmarktwachstum dürfte davon bereits in der zweiten Jahreshälfte 1998 beeinträchtigt sein. Allerdings gehen die internationalen Prognosen davon aus, daß es sich um vorübergehende Effekte handelt und sich die Exportmärkte gegen Jahresmitte 1999 wieder erholen sollten. Gleichzeitig stützt eine kräftige Zunahme der realen disponiblen Einkommen und günstige kostenseitige Investitionsbedingungen die Inlandsnachfrage. Das vielfach ungünstige Stimmungsbild scheint derzeit die in den realisierten Daten zum Ausdruck kommende tatsächliche Entwicklung zu überzeichnen. Basierend auf der Einschätzung der Rahmenbedingungen durch internationale Organisationen ergibt die OeNB-Modellprognose für Österreich Wachstumsraten des BIP von 3.2%, 2.6%, und 2.9% für den Zeitraum 1998 bis 2000. Nach einer leichten Wachstumsabschwächung im nächsten Jahr sollte sich also das Wirtschaftswachstum im Jahr 2000 infolge der besseren internationalen Rahmenbedinungen wieder erholen. Dazu trägt insbesondere auch die stabile Entwicklung der inländischen Nachfrage bei.
In Verbindung mit den verzögerten Effekten der Verbilligung der Rohstoff- und Energiepreise bleibt gleichzeitig der Inflationsdruck während des gesamten Prognosehorizonts gering. Der Anstieg des Konsumdeflators bleibt mit 1.2% im Jahr 2000 - nach 0.8% 1998 und 1.0% 1999 - historisch niedrig. Die realen Lohnstückkosten werden bis 2000 weiter fallen und die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft stärken.
Insgesamt ungewöhnlich hoch erscheinen jedoch unter den gegebenen Voraussetzungen die Prognoserisken. Sowohl die kaum zu quantifizierbaren Effekte von Finanzkrisen als auch mögliche Auswirkungen der verschlechterten Stimmungslage könnten das Konjunkturbild im Verlauf des Jahres 1999 auch stärker beeinträchtigen, als das die Daten derzeit erwarten lassen.

Details der Prognose werden in Heft 4/1998 der Berichte und Studien veröffentlicht werden.

Prognose für die österreichische Wirtschaft: 1998 - 2000

1997 1998 1999 2000
Endnachfrage (real)

BIP 2.5 3.2 2.6 2.9
Privater Konsum 0.7 2.0 2.2 2.1
Öffentl. Konsum 0.9 1.6 1.3 1.1
Anlageinvestitionen 3.6 5.7 3.9 4.9
Exporte 6.8 9.7 5.6 7.0
Importe 6.4 9.0 5.7 6.7

Arbeitsmarkt

Lohnstückkosten
(nominell) -0.6 -0.1 0.6 0.9
Bruttolöhne
je Beschäftigten 1.7 2.3 2.6 3.0 Arbeitsproduktivität 2.3 2.4 1.9 2.1
Reallöhne 0.3 1.3 1.3 1.8

Unselbständig
Beschäftigte 0.3 0.9 0.8 0.9
Arbeitslosenrate 1) 7.1 7.2 7.1 6.9

Preise

BIP-Deflator 1.3 0.9 1.2 1.2
Konsumdeflator 2.0 0.8 1.0 1.2
HVPI 1.2 0.8 0.9 ----
Importpreise (VGR) 1.1 0.7 0.2 1.1
Terms of Trade -0.6 0.6 0.5 0.2

Disponible Einkommen

(real) -0.1 3.3 2.7 3.1
Haushaltssparquote 7.9 9.0 9.5 10.3

Leistungsbilanz
(Mrd. S) -56.1 -48.3 -43.9 -38.4
(% des BIP) -2.2 -1.8 -1.6 -1.4

1) gemäß nationaler Definition

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.co.at

Oesterreichische Nationalbank

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/OTS