Bartenstein: Familie ist ein Gewinn ...

Verleihung der Grundzertifikate zum Audit Familie und Beruf

Wien (OTS) - "Herausforderung an eine Familien- und Wirtschaftspolitik ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur als individuelles Problem zu betrachten, sondern auch
als ein gesellschaftspolitisches, für dessen Lösung Frauen und Familien nicht allein zuständig sind. Wir müssen darüber eine öffentliche Debatte führen und bei der Lösung des Problems auch die Wirtschaft und die Väter als gleichberechtigte Betroffene mit einbinden", betonte Familienminister Dr. Martin Bartenstein heute, bei der Verleihung der Grundzertifikate für das "Familien Audit" des Familienministeriums an neun Unternehmen und das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie.

Nach Ansicht Bartensteins müsse der Anstoß zu einer familienfreundlicheren Personalpolitik aus den Unternehmen selbst kommen. Damit der Kontakt zur Arbeitswelt nicht verloren gehe,
wäre von staatlicher Seite die Ausweitung der Zuverdienstmöglichkeiten während der Karenzzeit anzustreben. Auch das Karenzgeld für alle könnte ein wesentlicher Beitrag zu mehr Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf sein, so der Familienminister.

Mag. Andreas Treichl, Generaldirektor der Erste Bank, betonte
in seinem Eröffnungsstatement, daß es seiner Meinung nach für Unternehmen nicht möglich sei, einen betriebswirtschaftlichen Erfolg zu erzielen, wenn die Mitarbeiter nicht zufrieden sind. "Druck und Belastung sind in letzter Zeit immer mehr gewachsen. Führungskräfte können ohne entsprechenden familiären Hintergrund dieser Belastung nicht standhalten, so Treichl. "Die Erste Bank
hat an der Pilotphase des "Familien Audits" teilgenommen, weil sie diese Zukunftsfrage sehr ernst nimmt, sagte Treichl.

Das Audit FAMILIE & BERUF ist ein vom Familienministerium gemeinsam mit einer Unternehmensberatung ausgearbeitetes
Instrument, das die Wirtschaft motiviert und unterstützt, familienfreundliche Maßnahmen zu setzen und davon zu profitieren. Es hilft dem Unternehmen mit einem umfangreichen Kriterienkatalog, seine Familienfreundlichkeit auf den Prüfstand zu stellen, die Ergebnisse von Maßnahmen zu bewerten und weiterzuentwickeln.

Das Audit FAMILIE & BERUF orientiert sich an dem in den USA entwickelten family-friendly-index. Dieser gibt an, wie familienfreundlich Unternehmen handeln. Dieser Index hat sich zu einem anerkannten Instrument innovativer Personalpolitik
entwickelt, das von zahlreichen Arbeitgebern eingesetzt wird.
Immer mehr Firmen vergleichen ihre Personalpolitik im Hinblick auf ihr "Familienbewußtsein", evaluieren die getroffenen Maßnahmen und entwickeln sie gezielt weiter. Dazu lassen sie sich freiwillig
nach einem Punktesystem bewerten. Ein positives Gutachten bringt dabei beachtliche Werbeeffekte mit sich.

Familienministerium unterstützt Audit-Unternehmen finanziell

Die Pilotphase für das Audit FAMILIE & BERUF wurde heuer mit zehn Unternehmen gestartet, die dafür heute ihr Grundzertifikat erhalten haben.

Es sind dies: Die ERSTE Bank (Wien), die Elk Fertighaus AG (Schrems), Die Strumpffabrik ÖLZ (Rankweil), der Neckermann
Versand (Graz), Die Seniorenresidenz Bad Vöslau, die Rieser Malzer Team GmbH (Mayerhofen), die Terra Verde Produktions GesmbH (Vorchdorf), die Intersport Eybl KG (Wels), die Inzersdorfer Nahrungsmittelwerke (Wien), sowie das Bundesministerium für
Umwelt, Jugend und Familie.

Im April 1999 beginnt der Regelbetrieb für ganz Österreich. Das Familienministerium unterstützt die einzelnen Unternehmen finanziell, wobei die Höhe der Förderung von der Anzahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und der Höhe der externen Beratungs- und Begutachtungskosten abhängt. Das Audit ist nicht
nur für Wirtschaftsbetriebe, sondern auch auch für den öffentlichen Dienst einsetzbar, daher hat das Familienministerium schon in der Pilotphase teilgenommen.

Entscheidend ist, daß mit Hilfe des Audits ein unternehmensinterner Prozeß in Gang gesetzt wird, bei dem
innerhalb von drei Jahren Ziele einer familienbewußten Personalpolitik umgesetzt werden. Da auch quantitative
unternehmens- und familienbezogene Daten erfaßt, verknüpft und analysiert werden, entsteht für das Unternehmen die Basis für eine Kosten-Nutzen-Analyse familienbewußter Maßnahmen. So kann ermittelt werden, wie und in welchem Ausmaß sich Familienfreundlichkeit rechnet. Das gilt im übrigen nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für Klein- und Mittelbetriebe, die insgesamt für etwa 80 % der österreichischen Beschäftigung sorgen.

Familienfreundlichkeit sorgt für positive betriebswirtschaftliche Effekte

Daß sich Familienfreundlichkeit betriebswirtschaftlich rechnet, läßt sich belegen. So zeigt eine Untersuchung des deutschen Familienministeriums zu den Auswirkungen familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle in Klein- und Mittelbetrieben bemerkenswerte betriebswirtschaftliche Effekte: In vier von fünf Unternehmen verbesserte sich die Personalkostenquote, ausgedrückt durch die Produktivität per Stunde. Eine bessere Produkt- und Dienstleistungsqualität und damit eine Stärkung der Marktposition sind, so die Studie, Folgen der familienfreundlichen Arbeitszeitgestaltung.

Mehr Motivation, weniger Streß - die Mitarbeiter profitieren

Wo die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf möglich ist, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivierter. Die Effekte familienfreundlicher Maßnahmen sind vielfältig:

verbesserte Motivation
höhere Leistungs- und Einsatzbereitschaft im Betrieb
reduzierte Streßbelastung
Verringerung der kostenintensiven Mitarbeiterfluktuation
geringere Abwesenheitsquote
Pflege und Verbesserung des Unternehmensimages gegenüber Öffentlichkeit und Kunden bzw. Auftraggebern

Familien und Wirtschaft sind unverzichtbare Leistungsträger unserer Gesellschaft. Das wird bei den Familien allzuoft als selbstverständlich angenommen. Nur: Würde man die unbezahlten Leistungen, die in den Familien erbracht werden, in Geld ausdrücken, beträgt ihre "Wirtschaftsleistung" nach Expertenschätzungen mindestens 600 Milliarden Schilling.

Teilnahme am Audit

Ein Unternehmen, das am Audit teilnehmen will, setzt sich mit
dem Familienministerium in Verbindung. In der Abteilung für Familienpolitik kann man sich informieren und beraten lassen und sich unverbindlich anmelden. Nach einer Anmeldung bekommt das Unternehmen vom Ministerium Unterlagen und eine Liste von
geschulten Unternehmensberatungen, die bei der Durchführung des Audits dem Betrieb beratend zur Seite stehen.

Das Ergebnis des Audits stellt den Ist-/Soll-Zustand an familienfreundlichen Maßnahmen im Betrieb dar. Nach Begutachtung und Gültigkeitserklärung dieser Darstellung durch einen geprüften Gutachter erhält das Untenehmen das Grundzertifikat "Familie & Beruf". Nach drei Jahren erfolgt eine Wiederholung des Audits. Wurden die Maßnahmen des Soll-Planes umgesetzt, erhält das Unternehmen das endgültige Zertifikat Familie & Beruf.

Interessierte Unternehmen wenden sich an:
Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie
Abteilung IV/4 (Dr. Angelika Schiebel)
Franz-Josefs-Kai 51, 1010 Wien
Telefon: 01 / 53475 - 119, E-Mail: angelika.schiebel@bmu.gv.at

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Tel.: (01) 515 22 DW 5051

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