OECD- und AK-Studien kommen zum gleichen Ergebnis: International tätige Unternehmen konzentrieren strategische Funktionen und wertschöpfungsintensive Bereiche in ihren Mutterländern

Semmering (OTS) - Europäische Forschungsergebnisse zeigen, daß strategische Funktionen für die langfristige Unternehmensentwicklung von international tätigen Konzernen in ihren Mutterländern, vorzugsweise im Umfeld des Standortes der Konzernzentrale konzentriert werden. Das berichteten Dr. Franz HAHN, Experte des WIFO, und Mag. Maria KUBITSCHEK, Leiterin der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Bundesarbeitskammer, beim 10. Medienseminar des Verbandes der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) am Semmering.

Während die Produktivitätsentwicklung sowie die Investitionsquote unabhängig vom Standort und von den Besitzverhälntissen sehr ähnlich sei, das Lohn- und Gehaltsniveau in Konzerntöchtern meist sogar etwas höher liege als beispielsweise in österreichischen Betrieben, gebe es vor allem bei jenen Tätigkeitsfeldern die gravierendsten Unterschiede, welche für die langfristige Entwicklung entscheidend sind. Wertschöpfungsintensive Unternehmensbereiche wie Forschung und Entwicklung, Marketing sowie die maßgeblichen Managemententscheidungen bleiben demnach in den Konzernzentralen verankert oder werden dorthin rückgeholt, wie das auch im Falle Semperit geschah.

Konsequenzen: Konzentration auch der qualifizierten Arbeitskräfte, der industrienahen Dienstleistungen und der Finanzdienste im sozioökonomischen Umfeld des Head-quarters.

Als Gründe dafür wurden angeführt: Strategische Eigentümer bevorzugen Manager, die dem gleichen Wertesystem verbunden sind, sie erwarten davon auch die Verringerung der Informations-Asymmetrie zwischen Shareholder und Vorständen sowie geringere Informationskosten.

In Österreich fehlten echte strategische Eigentümer, betonte Kubitschek. 71 % der Netto-Neuinvestitionen allein in der Zeit zwischen 1993 und 1997 wurden durch deutsche Unternehmen getätigt, an zweiter Stelle rangieren Investoren aus Holland. Hauptgrund dafür ist die chronische Eigenkapitalschwäche der österreichischen Wirtschaft. Dies ist auch die Ursache dafür, daß zwei Drittel der Ausgaben für Forschung und Entwicklung nur 20 Großunternehmen aufbringen, wovon 13 in ausländischen Eigentum stehen.

In den "neuen deutschen Bundesländern" (der ehemaligen DDR) ersetzen den Mangel an privaten Großinvestoren immer häufiger gemeinsame Firmengründugnen von Ländern, Großgemeinden und Banken. Auf diese Weise werden strategische Unternehmenskerne von zumindest regionaler Bedeutung gebildet.

Erfolgreiche wirtschaftspolitische Strategien in Österreich müßten nicht nur auf traditionelle Industriebetriebe, sondern auch auf damit verknüpfte Dienstleistungsunternehmen abgestimmt werden, die schwerpunktmäßig auf zukunftsträchtige Branchen konzentriert sein sollten. Die Cluster-Bildung der KFZ- und Komponentenerzeugung in Graz, die auf vernetzte Anforderungen Rücksicht genommen habe, sei dafür ein vorzügliches Beispiel. Für Österreich biete darüber hinaus die Ostöffnung große Chancen, die nach Hahn bereits zu Reallokationen österreichische Unternehmungen geführt habe.

Abschließend wies Kubitschek darauf hin, daß es gesamtwirtschaftlich sekundär sei, ob es sich beim Kapitaleigner um Österreicher oder Ausländer handle. Entscheidend sei vielmehr die Nutzung der Standortqualitäten der österreichischen Regionen, die inländische Wertschöpfung und die Sicherung einer hohen Beschäftigung.

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