Sonntagsarbeit

Wien (OTS) - Zur APA-Meldung 244, vom 16.11.1998, von LIF-Wirtschaftssprecher Helmut Peter merkt der 52. Jahrgang C, der Wiener Gewerkschaftsschule im ÖGB, folgendes an:

Zu Abs. 1:

Sind wirklich alle, die für einen arbeitsfreien Sonntag eintreten, rückwärtsgewandt und wollen moderne Entwicklungen verhindern, oder versuchen sie vielmehr einer Ausbeutung der Arbeitnehmer durch die Wirtschaft entgegenzuwirken?

Ist es rückwärtsgewandt, wenn sich Arbeitnehmer für die Einhaltung bestehender Gesetze einsetzen?

Ist es eine moderne Entwicklung, wenn von der Sonntagsarbeit speziell im Handel wieder überwiegend Frauen betroffen werden?

Zu Abs. 2:

Jeder, der am Sonntag nicht arbeiten will, wird es auch in Zukunft nicht müssen, er wird halt früher oder später seinen Arbeitsplatz verlieren und nichts mehr verdienen.

Dann kann er am Sonntag sowieso nichts mehr einkaufen, aber von Montag bis Samstag auch nichts mehr. Man sieht also, wer dadurch profitiert.

Wenn sich jemand einbildet, Sonntags einkaufen gehen zu müssen, hat er auch nicht das Recht, Arbeitnehmer dazu zu zwingen an diesem Tag zu arbeiten.

Zu Abs. 3:

Auch hier sieht man, für wen diese Regelung gestrickt werden soll. Kleine und mittlere Gewerbetreibende können sich oft jetzt schon nicht leisten, jeden langen Samstag offen zu lassen, geschweige denn jeden Sonntag.

Die Umsatzzahlen haben bewiesen, daß die Jahresumsätze der einzelnen Branchen trotz langer Einkaufssamstage nicht in dem Ausmaß gestiegen sind. Es entsteht einzig und alleine ein Verdrängungswettbewerb zu lasten der kleinen und mittleren Betriebe. Die Großen fressen die Kleinen. Kleine und mittlere Gewerbetreibende, die es sich nicht leisten können, Sonntags offen zu halten, erleiden durch die Konsumentenabwanderung empfindliche Umsatzeinbußen, müssen zusperren und oder Arbeitnehmer kündigen.

Herausgestellt hat sich aber auch, daß durch längere Ladenöffnungszeiten nicht mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, wie uns die Wirtschaft gerne weismachen möchte, vielmehr wird der größere Arbeitsaufwand auf die zur Zeit Beschäftigten aufgeteilt beziehungsweise ein Heer von geringfügig Beschäftigten gezüchtet.

Zu Abs. 4:

Wie toll es funktioniert, individuelle Wünsche der Arbeitnehmer nach Zeitsouveränität mit den Notwendigkeiten des Betriebes in Einklang zu bringen, hat die Vergangenheit gezeigt. Flexiblere Arbeitszeitgestaltung heißt: Die Arbeitnehmer müssen immer dann da sein, wenn es die Geschäftsleitung will und dürfen nur dann Freizeit nehmen, wenn diese es erlaubt. Wie sieht die Freizeitgestaltung in der Familie aus, wenn sie Montag und Mittwoch und er Dienstag und Freitag frei bekommt? Wer übernimmt die Kinderbetreuung am Sonntag, wenn beide arbeiten müssen? Was mahcen allein erziehende Mütter beziehungsweise Väter. Natürlich versagt jede kollektive gesetzliche Lösung in einer "modernen Gesellschaft", in der es darum geht, Reiche noch reicher zu machen und Arme noch ärmer.

Bliebe nur noch die Frage, wie sich Hr. PETER den Arbeitnehmerschutz auf betrieblicher Ebene vorstellt. Vielleicht Unternehmer und Betriebsrat in einer Person?

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