Alternative Getreiderohstoffe

Wien (OTS) - Stärkereiche Samen und Wurzeln sind weltweit wichtige Träger der Versorgung mit Nahrungsenergie. Von der Vielfalt der potentiell für die menschliche Ernährung geeigneten stärkereichen Samen werden aber immer weniger tatsächlich genutzt. Vor allem bei den Getreidearten ist diese Entwicklung sehr weit fortgeschritten. Die drei Getreidearten Reis, Mais und Weizen dominieren die Ernährung der Weltbevölkerung. Aus vielen, für alle offensichtlichen Gründe ist diese Tatsache sicher nicht positiv zu bewerten.

Folgende Getreidearten und Pseudoceralien wären beispielsweise aufgrund ihrer ernährungsphysiologischen und funktionellen Eigenschaften geeignet die Palette an Stärkepflanzen für die menschliche Ernährung wieder zu erweitern: Einkorn (Triticum monococcum), Kulturemmer (Triticum dicoccum), Dinkel oder Spelzweizen (Triticum spelta): Diese drei Getreidearten werden seit der Steinzeit in unseren Breiten kultiviert und angebaut. Mit der Hochzüchtung des ertragreicheren Weizens haben sie im Laufe der Geschichte kontinuierlich an Bedeutung verloren. Nachdem der Ertrag heute nicht unbedingt die wichtigste Eigenschaft ist, könnten sich wieder Chancen für diese alten Getreidearten ergeben.

Mohrenhirse (Sorghum), Kolbenhirse, Rispenhirse: Von der Vielfalt der weltweit kultivierten Hirsearten werden in Europa für Ernährungszwecke heute kaum welche genutzt, obwohl bis in das Mittelalter der Anbau von Kolben- und Rispenhirse weit verbreitet war.

Pseudoceralien (Buchweizen, Amaranth, Quinoa): Sie unterscheiden sich von den Cerealien (Getreidearten) dadurch, daß sie zu den zweikeimblättrigen Pflanzen zählen. Buchweizen wurde ursprünglich in China kultiviert und verbreitete sich von dort aus nach Japan und schon im Mittelalter über Sibirien auch nach Europa. Der Name Tartaren- oder Heidenkorn deutet heute noch auf seine Herkunft hin. Buchweizen hat deshalb regional in Europa durchaus noch Bedeutung. Amaranth und Quinoa wurden wie so viele andere Pflanzen von den alten amerikanischen Zivilisationen kultiviert. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen, die der Welt von diesen Kulturen geschenkt wurden, haben sich aber diese beiden bis jetzt in Europa nicht wirklich durchgesetzt, obwohl sie bei den indianischen Kulturen mindestens genau so hoch geschätzt wurden wie beispielsweise der Mais. Ihre ernährungsphysiologische Zusammensetzung ist den meisten Getreidearten, auch dem Weizen, überlegen.

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Univ. Prof. Dr. Emmerich Berghofer
Leiter des des Fachbereiches Allg. Lebensmitteltechnologie
am Inst. für Lebensmitteltechnologie der Universität f. Bodenkultur
Wien

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