Direktor des Jüdischen Weltkongresses, Elan Steinberg, zu "Format": Frankreich soll Beutekunst an Juden zurückgeben

Der Louvre sollte dem jüdischen Volk 678 Kunstwerke aus Beutekunstbeständen zurückgeben. Das hat der Direktor des Jüdischen Weltkongresses, Elan Steinberg, in einem Gespräch mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin "Format" gefordert. Insgesamt, so Steinberg, sollen die französischen Museen den Juden 2.058 Kunstwerke zurückerstatten, die meist aus jüdischen Sammlungen geplündert worden seien. "Seit 50 Jahren sitzen die französischen Museen auf zweitausend Kunstwerken, die ihnen nicht gehören. Was haben sie seither unternommen, um diese Kunstwerke zurückzugeben ?", fragt Steinberg polemisch. Er wolle auch wissen, wie hoch die Erlöse gewesen seien, die der französische Staat durch die Versteigerung von 13.000 Kunstwerken nach Kriegsende erzielt habe. "Ich verlange eine saubere Lösung, wie sie Österreich im Fall der Mauerbach-Auktion herbeigeführt hat", sagte Steinberg zu "Format".

Schon letzte Woche hatte Steinberg in New York gefordert, daß die französischen Museen die Namen der rechtmäßigen Eigentümer von Beutekunst in französischen Beständen herausfinden sollen. Hintergrund seines Vorstoßes ist die nächste Woche in Washington stattfindende Fortsetzung der Londoner Nazigold-Konferenz, wo das Thema Beutekunst auf der Tagesordnung steht.

Als die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 Paris besetzte, begannen Beschlagnahmekommandos wie der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), systematisch tausende von privaten und öffentlichen Kunstsammlungen in Frankreich zu plündern. Im Fall prominenter Sammlungen wie Rothschild, Rosenberg und Schloss sollen Hitler und Göring persönlich die Aufträge für die Beschlagnahmungen gegeben haben. Nach dem Krieg fanden Suchtruppen der Alliierten 61.000 Kunstwerke wieder und gaben sie an Frankreich zurück. 45.000 gingen an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurück. 15.000 Kunstwerke wurden ihren ehemaligen Eigentümern nicht zurückerstattet. Um diese Bestände geht es Steinberg. 13.000 Kunstwerke wurden als künstlerisch zweitrangig eingestuft und 1949 zur Versteigerung freigegeben, 2.000 Kunstwerke wählte man aus und verteilte sie zur "treuhänderischen" Aufbewahrung auf die Museen.

In seinem Buch "Das Verlorene Museum" warf der Journalist Hector Feliciano den französischen Museen schon 1995 vor, nie ernsthaft die Herkunft der ihnen anvertrauten Werke erforscht zu haben.

Inzwischen haben die französischen Museen ihr Beutekunst-Inventar via Internet zugänglich gemacht. Steinberg ist das nicht genug: Mit einer "virtuellen Restitution" könne er nichts anfangen. "Die französischen Museen sollen uns die Kunst zurückgeben. Dann stellen WIR sie ins Internet", sagte Steinberg zu "Format".

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