HÖGER : GEWERKSCHAFTEN NATIONAL UND INTERNATIONAL UNVERZICHTBAR

Landeskonferenz des ÖGB-NÖ in St.Pölten

Wien (ÖGB-NÖ) Die Diskussion der Auswirkungen der "Globalisierung" und der Möglichkeiten, einem immer menschenverachtender agierenden internationalen Kapital entgegenzutreten, hat eine Renaissance der intensiven politischen Auseinandersetzung mit Arbeitnehmerfragen weit über den gewerkschaftlichen Bereich hinaus bewirkt. Das Grundprinzip der reinen Gewinnmaximierung in einer globalen Wirtschaft, für die Aktienkurse alles und Menschen nichts mehr zählen, in der sich Manager selbst "Sachzwänge" schaffen, die nur einem Zweck dienen, nämlich einige wenige immer reicher zu machen, und die selbst davor nicht zurückschreckt, auch gewinnbringende Betriebe auszulagern, hat ein neues Problembewußtsein geschaffen, erklärte der Landesvorsitzende des ÖGB-NÖ, Landeshauptmannstv. Ernst Höger, Freitag bei der Landeskonferenz des ÖGB-NÖ in St.Pölten, in dessen Mittelpunkt Referate von ÖGB-Vorsitzenden Fritz Verzetnitsch und Höger, sowie die Wiederwahl Högers an die Spitze der NÖ-Arbeitnehmer standen.

Ist es uns in diesem Jahrhundert gelungen, das Kapital national in die Schranken zu weisen und durchzusetzen, daß die ArbeitnehmerInnen von den erarbeiteten Werten profitieren, so müssen wir nun dem internationalen Kapital auch eine schlagkräftige internationale Gewerkschaftsbewegung gegenüberstellen. "Die Eröffnung unseres Kontaktbüros in Brünn ist ein wesentlicher Beitrag für den Aufbau einer engen gewerkschaftlichen Zusammenarbeit mit den Kollegen im Osten. Nur das Angleichen der Standards zu predigen ist zu wenig, wir wollen den Kolleginnen und Kollegen mit unseren Erfahrungen zur Seite stehen und so gemeinsam die Arbeitnehmerrechte auch in unseren östlichen Nachbarstaaten entwickeln helfen", unterstrich der Landesvorsitzende des ÖGB-NÖ. Aber auch national haben die Gewerkschaften wieder an Bedeutung gewonnen : Vor den Hintergrund der Globalisierung meinten manche, die Stunde wäre gekommen, den Arbeitnehmern wieder all das wegzunehmen, war wir gemeinsam in Jahrzehnten erkämpft haben. "Es bedarf einmal mehr starker und solidarischer Gewerkschaften, um dieser Generalmobilmachung gegen die Arbeitnehmerrechte widerstehen zu können. National wie international sind Gewerkschaften unverzichtbar und wichtiger denn je", hob Höger hervor

Der Kampf um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Niederösterreich war und bleibt eine der zentralsten Aufgaben sowohl des ÖGB als auch der Politik. In einem effizienten Zusammenspiel von Gewerkschaften, AMS und den Förderstellen des Bundes, getragen von einer intensiven Zusammenarbeit mit den Freunden in der Bundesregierung, ist es uns gelungen, tausende Arbeitsplätze abzusichern und Produktionsstandorte zu retten, die andere lakonisch zugesperrt hätten. Der große Erfolg der Semperit zeigt, wie richtig dieser Weg war, wiewohl schmerzlich anzumerken ist, daß wir den Kampf um die Arbeitsplätze nicht immer gewonnen haben, betonte der ÖGB-Landesvorsitzende.

Europaweiter Kampf um Beschäftigung

Es ist uns vor allem gelungen, den Kampf um die Arbeitsplätze nicht nur national, sondern europaweit zur zentralen politischen Zielsetzung zu machen. Es ist auf die Initiative und den Druck der Gewerkschaften zurückzuführen, daß die EU zu einer Sozial- und Beschäftigungsunion werden wird. Die nationalen Beschäftigungspläne (NAP) sind ein erster erfolgversprechender Schritt im europäischen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Die Schwerpunktsetzung Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit und gegen die Benachteiligungen der Frauen in der Arbeitswelt sind Zeichen für eine Bereitschaft, wieder grundlegend in die Beschäftigungsstruktur einzugreifen und massiv negativen Entwicklungen gegenzusteuern. Dank der Gewerkschaften wird die Beschäftigungpolitik zum nationalen Kraftakt.

Bekenntnis zu den Interessensvertretungen

Der großartige Erfolg der Urabstimmung über die Zukunft der Arbeiterkammer, der vor allem auch dem massiven Einsatz der Gewerkschaften zu verdanken ist und dokumentiert hat, wie erfolgreich ein solidarisches Handeln ÖGB – AK ist, unterstreicht auch die Bereitschaft der Arbeitnehmer, für ihre Institutionen einzustehen, erinnerte Höger. Einen sehr wesentlichen Schwerpunkt der Arbeit stellen – und werden in Zukunft noch stärker als bisher – bildungspolitische Fragen dar, hier vor allem im Jugendausbildungs-und Weiterbildungsbereich. "Die unverändert geringe Bereitschaft der Unternehmen auszubilden ,verlangt neue Modelle, wie sie mit den Stiftungen und Lehrgängen des NAP erstmals realisiert werden. Die Notwendigkeit des permanenten Weiter- und Dazulernens verlangt auch neue Weichenstellungen im Erwachsenenbereich", stellte der ÖGB-Landesvorsitzende klar.

Die Welt, die Gesellschaft und die Wirtschaft verändern sich in immer kürzeren Intervallen. Eines aber bleibt unverändert : Die Notwendigkeit solidarischer, starker Gewerkschaften, damit die arbeitenden Menschen nicht zu Opfern des Wandels, sondern gemeinsam mit uns zu Gestaltern der Zukunft werden, hob Höger abschließend hervor.
(Schluß) nk/wb

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