ARBÖ: Wer zahlt bei Unfall mit Möchtegern-Rennfahrern

OGH regelt Zahlungsverpflichtung der Versicherungen

Wien (ARBÖ) - Vor ein paar Jahren waren die "Roadrunner" Dauergäste auf den Chronikseiten: Junge Autoraser, die Wettrennen auf öffentlichen Straßen veranstalten. Verstärkte Kontrollen der Exekutive konnten das "Roadrunner"-Unwesen beenden. Ein Unfall vom April 1994 hat den Obersten Gerichtshof (OGH) aber noch jahrelang beschäftigt. Wie schuldlose Verkehrsteilnehmer, die bei einem Unfall mit den unverantwortlichen Rennfahrern zu Schaden kamen, zu ihrem Geld kommen, zitiert die ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert aus einem OGH-Urteil.

Wie kam es zu dem Unfall? Die ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Renate Göppert faßt den Sachverhalt zusammen: Am 3. April 1994 vereinbarten vier jugendliche Autolenker knapp vor Mitternacht
eine Wettfahrt auf der Südautobahn in Richtung Baden. Auf Höhe des Straßenkilometers 17,7 rasten die Fahrzeuge mit Tempo 200 knapp hintereinander. Als einer der Fahrer bremsen mußte, konnte der dahinter fahrende Lenker nicht mehr reagieren. Es kam zu einer Kollision zwischen dem zweiten und dritten Fahrzeug. Beide
Fahrzeuge kamen ins Schleudern und überschlugen sich. Dabei geriet ein Auto über die Mittelleitschiene, fing Feuer, stellte sich auf der Gegenfahrbahn quer und kollidierte in der Folge mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Der Lenker eines an der Wettfahrt beteiligten Pkw beging Fahrerflucht, setzte sich ins Ausland ab
und war in der Folge unauffindbar.

Es ging nun darum zu klären, ob lediglich die Kfz-Haftpflichtversicherung des schuldtragenden Lenkers zur Zahlung verpflichtet ist, oder aufgrund der gemeinsam veranstalteten Wettfahrt alle Mittäter haften, erläutert die ARBÖ-Expertin.

Der Oberste Gerichtshof stellte dazu fest: Es bestand zwischen den Autolenkern Einvernehmen über die Begehung einer
rechtswidrigen Handlung, nämlich der Wettfahrt. Die bei diesem Verkehrsunfall Geschädigten können ihre Ansprüche daher bei jeder der Kfz-Haftpflichtversicherungen der Unfallbeteiligten (Solidarhaftung) geltend machen. Die ARBÖ-Verkehrsjuristin Mag. Göppert faßt zusammen: "Ein Zuwarten auf die genaue Verschuldensaufteilung zwischen den beiden Rasern war daher nicht erforderlich." Die Versicherungen werden im Regreßverfahren ihre Ansprüche - je nach Verschuldensgrad - untereinander regeln.

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