Expertenkritik am ukrainischen Kernkraftwerksprojekt K2/R4

Ministerin Prammer und Minister Bartenstein veröffentlichen Österreichisches Expertengutachten

Wien (OTS) - Starke Kritik am ukrainischen Kernkraftwerksprojekt K2R4 äußern österreichische Experten in einem soeben fertiggestellten Gutachten, zeigen Konsumentenschutzministerin Barbara Prammer und Umweltminister Martin Bartenstein auf.

"Der aktuelle Bericht wird international breit gestreut, um Partner für unsere Bedenken zu finden. Ich erwarte mir vor allem von Deutschland, das ab 1. Jänner 1999 den Vorsitz in der G7 übernimmt, eine kritische Haltung zu den geplanten ukrainischen Kernkraftwerken", stellt Prammer zur geäußerten Expertenkritik fest.

"Wir werden diesen Bericht auch unverzüglich an ENERGOATOM, dem staatlichen Kernkraftwerksbetreiber der Ukraine, übermitteln", betonte Bartenstein, "und die Projektbetreiber bei dem für Anfang Dezember 1998 in Wien angesetzten Hearing mit der Kritik der Experten konfrontieren. Damit bieten wir auch den interessierten ÖsterreicherInnen eine Möglichkeit zur Information und zur Diskussion."

Die wesentlichsten Kritikpunkte der Experten sind:

* Angesichts der großen Überkapazitäten und der mit großer Unsicherheit behafteten Stromverbrauchsprognosen sei die Fertigstellung zweier neuer Kernkraftwerke eine unwirtschaftliche, unnötige und höchst riskante Investition.

* Das gegenwärtige Modernisierungs- und Nachrüstungsprogramm sei keinesfalls ausreichend, um ein mit westlichen Anlagen vergleichbares Sicherheitsniveau zu erreichen.

* Schließlich bestätigt diese Studie die Erfahrungen aus der Katastrophe von Tschernobyl, daß ein schwerer Unfall in einem dieser Kernkraftwerke durchaus erhebliche Auswirkungen auf Österreich haben kann.

Die Grundlage für das Expertengutachten bildete die Veröffentlichung einer Projektdokumentation über die beiden geplanten Kernkraftwerke im Rahmen eines Konsultationsverfahrens. Die österreichische Bundesregierung hat diese Projektdokumentation angefordert und Fachkonsulenten, die vom Umweltbundesamt koordiniert wurden, mit einer Begutachtung beauftragt. Am nunmehr vorliegenden Gutachten haben unter anderem die Energieverwertungsagentur, das Österreichische Ökologie-Institut, das Institut für Risikoforschung der Uni Wien und die "Science an Technology Policy Research Unit" der Universität Sussex in England miitgearbeitet.

"Die Bundesregierung wird diesen Bericht auch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London zur Verfügung stellen", erklärten die Minister abschließend.

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