Bartenstein gegen Freigabe von "weichen" Drogen

Prävention stärken - "Strafe für Dealer, Therapie für Süchtige"

Wien (OTS) - Gegen die Freigabe von "weichen" Drogen in
Österreich sprach sich Jugendminister Dr. Martin Bartenstein
heute, Donnerstag, aus. "Die Freigabe von weiteren Substanzen ist eine gesellschaftspolitische Alibihandlung, die es überflüssig macht, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und den Jugendlichen echte Alternativen anzubieten. Wir würden damit die Verantwortung nur abschieben", sagte Bartenstein bei dem Symposium "Partnerschaft in der Suchtprävention", das in Zusammenarbeit mit dem Jugendministerium in Wien stattfindet.

Als vielversprechende Modelle zur Vorbeugung beurteilt Bartenstein die direkte Einbeziehung von Jugendlichen in die Präventionsarbeit ("peer group education") und verstärkte Angebote der Elternbildung. Suchtprävention dürfe die Erwachsenen nicht ausschließen. Sucht sei nicht die Erfindung Jugendlicher. "Wir setzen daher auf verstärkte Prävention und sind für die Verbesserung der Therapie", sagte der Minister, für den das Motto "Strafe für Dealer, Therapie für Süchtige" absoluten Vorrang hat.

Nach einer vom Jugendministerium in Auftrag gegebenen Studie unter Wiener Schülern, die Anfang 1998 präsentiert wurde, hat jeder Fünfte zumindest einmal schon Cannabisprodukte wie etwa Haschisch "ausprobiert". Alkohol und Nikotin können demnach als Einstiegsdroge angesehen werden: 17 Prozent der Jugendlichen, die täglich mindestens 20 Zigaretten rauchen, sowie 10,5 Prozent der Jugendlichen mit häufigem Alkoholkonsum haben auch Kokain- und Heroinerfahrung. Den Stellenwert von Haschisch als Einstiegsdroge dokumentiert die Tatsache, daß alle Jugendlichen mit Heroinerfahrung und fast alle Jugendlichen mit Kokainerfahrung zunächst einmal Haschisch probiert haben. Berufstätige Jugendliche haben signifikant mehr Erfahrung mit legalen und illegalen Substanzen als Schüler. So ist der Anteil der Lehrlinge, die täglich mehr als 20 Zigaretten rauchen, zehnmal so hoch wie jener von AHS-Oberstufenschülern.

Aktuellen Zahlen zufolge sind weit mehr als eine Million Österreicher von sogenannten legalen Drogen abhängig. Rund 800.000 sind nikotinabhängig, etwa 145.000 medikamentensüchtig und 300.000 alkoholabhängig. 10.000 bis 15.000 Personen sind opiatabhängig, nimmt man Kokain dazu, gehen die Schätzungen bis 30.000. Drei von zehn Österreichern haben zumindest einmal im Leben Cannabis probiert.

Von der österreichischen EU-Präsidentschaft ist die Suchtprävention zu einem jugendpolitischen Schwerpunkt gemacht worden. Tenor einer europäischen Fachtagung im Oktober in Linz
war, daß vorbeugende Maßnahmen stärker die Lebenskulturen der Jugendlichen berücksichtigen müssen. Trotz der regionalen Ausrichtung von Präventionsmaßnahmen gebe es ein starkes Bedürfnis nach internationaler Vernetzung, so die Expertenmeinung. Außerdem müsse der direkten Einbeziehung von Jugendlichen größerer Stellenwert zukommen. "Peer group education" etwa ist ein Modell, bei dem Jugendliche, die innerhalb einer Gruppe die größte Anerkennung genießen, zu Partnern für die in der Jugendarbeit Verantwortlichen ausgebildet werden.

Auf Initiative des Jugendministeriums ist eine "Bildungsbörse für Suchtprävention" eingerichtet worden. Ein Schwerpunkt dort ist die Prävention im Lehrlingswesen. Außerdem werden in den letzten Jahren vermehrt Elterbildungsprojekte gefördert, die gewaltfreie und die Lebenskompetenz von Kindern stärkende Erziehung zum Inhalt haben. Nicht zuletzt in der Studie des Jugendministeriums hat sich bestätigt, daß familiäre Gewalt als suchtfördernder Faktor anzusehen ist.

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