VOTRUBA : SUCHTPRÄVENTION MEHR ALS NUR ANTI-DROGENPOLITIK

Votruba für umfassende Jugendpolitik als beste Suchtprävention

St. Pölten (SPI) Sich mit Fragen der Suchtprävention zu beschäftigen heißt, den Bereich der klassischen Anti-Drogen-Politik zu verlassen und sich intensiv mit einer umfassenden Jugendpolitik auseinanderzusetzen. Dazu gehören vor allem Fragen der Jugendausbildung und Beschäftigung, soziale Integration von jugendlichen Randgruppen, Mitsprachemöglichkeiten auf kommunaler und politischer Ebene und vieles mehr. Denn gegen Hoffnungslosigkeit, Ziellosigkeit und kulturelle Heimatlosigkeit werden die besten Aufklärungskampagnen nicht helfen, weil sie das Problem nicht bei seinen Ursachen bekämpfen, erklärte Landesrätin Traude Votruba Mittwoch aus Anlaß der "Europäischen Woche der Suchtprävention 1998". "Besonderes Augenmerk gilt es dabei auf das Umfeld jener Jugendlichen zu legen, die - quer durch alle Gesellschaftsschichten – wie selbstverständlich zu den neuen synthetischen Designerdrogen greifen, die scheinbar zu einem festen Bestandteil des neuen Freizeit- und Konsumverhaltens geworden sind. Denn damit geht es nicht mehr um ein Minderheitenproblem, sondern um ein Generationsphänomen, das zweifelsfrei in unserer heutigen Gesellschaft begründet liegt", so Votruba.

Permanenter Leistungsdruck, ständiger Konkurrenzkampf, laufendes Auseinanderdividieren in Anständige und Fleißige – also Wohlhabende, Beschäftigte – und Sozialschmarotzer auf der anderen Seite – also Arbeitslose, Einkommenschwache – führen zu einem permanenten Streß der Jugendlichen. "Gleichzeitig erkennt eine immer besser ausgebildete Jugend, daß selbst eine bestmögliche Ausbildung nur die Chancen erhöht, aber keine Garantie für die Zukunft ist – was den Streß vervielfacht und immer mehr zu Austeigersyndromen führt : von den gesellschaftlich akzeptierten und den Zeitgeistmagazinen geförderten immer extremeren Sportarten über die Konsumverweigerung bis hin zum Drogenkonsum als Kompensation. Und selbst im Freizeitbereich geht es darum, besser und stärker zu sein, länger durchzuhalten, etc.", so die Landesrätin. Das Generationsphänomen Drogen darf also nicht zu einem Verdammen der heutigen Jugend führen, sondern muß vielmehr zu einer intensiven Auseinandersetzung mit unserer modernen Konsum- und Leistungsgesellschaft führen, stellte Votruba klar.

Suchtprävention muß also heißen, eine neue Gesellschaft zu schaffen, in der das einzelne Individuum seine Zukunft als gestaltbar begreift und Chancen sieht, dies auch erfolgreich zu können. "Suchtprävention ist also keine zeitlich begrenzte Aufgabe, die sich auf einzelne Projekte oder Kampagnen beschränken darf, sondern eine gesellschaftspolitische Herausforderung, deren Maßnahmen von der Ausbildung über die Beschäftigung bis in die Sozial- und Demokratiepolitik greifen müssen", hob die Landsrätin abschließend hervor.
(Schluß)nk/wb

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